Der Parteienrechtler Martin Morlok kritisiert die Kanzlerin wegen der Ackermann-Party - findet aber Guttenbergs Anwaltsaffäre viel schlimmer.
sueddeutsche.de: Herr Morlok, Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg lässt Gesetze von Anwälten der Kanzlei Linklaters schreiben, Gesundheitsministerin Ulla Schmidt kurvt im Dienstwagen durch Spanien - und jetzt kommt heraus, dass Kanzlerin Angela Merkel dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erlaubt hat, seinen 60. Geburtstag im Kanzleramt zu feiern. Was stimmt nicht in dieser Republik?
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Fast ein Herz und eine Seele: Kanzlerin Angela Merkel und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. (© Foto: ddp)
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Martin Morlok: Na, ich würde die Dinge schon noch getrennt behandeln wollen, wobei die Auslagerung von Gesetzentwürfen eine deutlich eigene Qualität hat. Da fallen mir zwei Punkte auf. Zum einen der finanzielle Aspekt. Wir haben da ein riesiges Ministerium, lauter Leute mit Prädikatsexamen - und hinterher erklären sie sich für nicht in der Lage ein Gesetz zu machen, das deshalb für viel Geld von Anwälten erstellt werden muss.
Schwieriger aber ist, dass viele Anwaltskanzleien und besonders die, die Guttenberg engagiert hat, Mandate von Banken haben. Damit wird die alte Idee, dass wir einen öffentlichen Dienst haben, der dem Gerangel privater Interessen enthoben ist, ad absurdum geführt. Wenn wir Steuern erheben, dann soll der Staat mit dem Geld auch seine Aufgaben erfüllen und sie nicht unter der Hand wieder privatisieren.
sueddeutsche.de: Sie haben die Nähe zu den Banken angesprochen. Geht Merkels Einladung an den Deutsche-Bank-Chef Ackermann in eine ähnliche Richtung?
Morlok: Ja, mir kommt das vor wie eine umgekehrte Amigo-Affäre. Nicht ein staatlicher Funktionsträger hat Geld von einem privaten genommen, sondern genau anders herum.
sueddeutsche.de: Die Summen, um die es da geht, sind aus Sicht des Spitzenverdieners Ackermann doch eher "Peanuts".
Morlok: Richtig. Problematisch aber ist, dass eine einzelne Person offenbar einen besonders engen Zugang zur Macht hat und den auch noch öffentlich darstellt. Stellen Sie sich vor, ich wäre ein reicher Öl-Scheich auf der Suche nach einer Bank in Deutschland. Wenn ich höre, dass Herr Ackermann seinen Geburtstag im Kanzleramt feiern kann, na, dann gehe ich doch zur Deutschen Bank, weil ich mir etwas davon verspreche. Herr Ackermann hat durch diese Feier einen unglaublichen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Konkurrenten. Das Kanzleramt hat hiermit die gebotene Neutralität gegenüber allen Banken, gegenüber allen Bürgern verletzt.
sueddeutsche.de: Die Deutsche Bank ist mit 280.000 Euro der größte Einzelspender der CDU. Müsste die CDU-Chefin Merkel auch deshalb den Eindruck großer Nähe vermeiden?
Morlok: Ich glaube nicht, dass es da einen konkreten Zusammenhang zwischen Spende und der Feier gibt. Die Deutsche Bank spendet ja an alle Parteien, wenn auch etwas abgestuft nach Sympathie. Aber eine Demokratie lebt auch davon, dass die Bürger glauben können, es geht alles mit rechten Dingen zu. Legitimität ist eine ganz fragile Größe und bereits der böse Anschein ist schädlich.
sueddeutsche.de: War diese Einladung an Herrn Ackermann also einfach instinktlos?
Morlok: So kann man es sagen. Wobei ja noch nicht gesichert ist, was genau geschehen ist. Die Bundesregierung bestreitet ja den privaten Charakter des Abendessens - während das, was Herr Ackermann in einem Interview gesagt hat, eher auf einen privaten Charakter schließen lässt. Unzweifelhaft aber ist der Zusammenhang mit seinem 60. Geburtstag. Da sage ich: Das Kanzleramt ist nicht dazu da, private Geburtstagsfeiern auszurichten. Das macht man nicht. Das Kanzleramt ist keine Festhütte.
sueddeutsche.de: Es gibt ein Bild, das zeigt Angela Merkel Anfang der neunziger Jahre, mit anderer Frisur, mit einem Rock, sitzend in einer ostdeutschen Fischerhütte mit drei Fischern. Wenn Sie sich nun die Politikerin mit Sektglas inmitten von 30 Ackermann-Freunden im Kanzleramt vorstellen, ist diese Wandlung mit dem Begriff der déformation professionelle ausreichend beschrieben?
Morlok: Ja, aber nicht im strengen Sinne. Es ist ein Aufsteiger-Phänomen, das hier zu besichtigen ist. Gerhard Schröder im edlen Anzug mit Cohiba-Zigarre ...
sueddeutsche.de: ... der Brioni-Kanzler, hieß es damals ...
Morlok: ... das ist genau das gleiche Phänomen. Es kann wie jetzt bei Frau Merkel dazu führen, dass die Grenze zwischen Amtlichem und Privatem überschritten wird. Man kann und darf Politikern nicht persönliche Freundschaften untersagen, und auch Politiker brauchen in der Wirtschaft Gewährsleute, auf die sie sich verlassen können. Aber es muss eine Grenze geben.
sueddeutsche.de: Gehört die Dienstwagen-Affäre von Ulla Schmidt auch in diese Reihe?
Morlok: Nein. Es ist unsäglich, was hier mit Frau Schmidt gemacht wurde. Jeder, der einen Dienstwagen fährt, würde genauso handeln wie Frau Schmidt.
sueddeutsche.de: Es geht hier um Steuergeld und nicht um das Geld eines Unternehmens.
Morlok: Das ist richtig, aber wir sollten unseren Ministern schon noch einen repräsentativen Lebensstil erlauben. Das gehört auch zur Selbstachtung der Republik. Ulla Schmidt hat sich überdies an die Richtlinie gehalten. Und trotzdem wird ihr daraus ein Vorwurf gestrickt. Das ist doch eine verdammte Falle. Es kann nicht sein, dass sie sich an die Vorgaben hält, dann aber plötzlich strengere Maßstäbe angelegt werden, die nirgends festgeschrieben sind.
sueddeutsche.de: Wenn Sie ein Ranking der drei Affären aufstellen sollten, wie wäre Ihre Reihenfolge?
Morlok: Erst Guttenberg, das ist für unsere politische Ordnung das Problematischste. Dann lange nichts. Dann Merkel und Ackermann. Dann lange nichts. Und dann, wenn überhaupt, Ulla Schmidt und ihr Dienstwagen.
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(sueddeutsche.de/jja)
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Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
"Angie" ist bald nicht mehr Kanzlerin(hoffentlich), da sucht sie sicher nur Freunde und einen neuen "Job"
Hallo SZ-Redaktion; bei mir werden sämtliche Rot-Bewertungen den Grünen zu geordnet und die Grün-Bewertungen den Roten. Was soll das??
mangels Editfunktion:
gemeint war:
Ackermann hat die Postbank nicht "einfach so bekommen", sondern die Deutsche Bank hat 2,5 Mrd Euro Kaufpreis dafür bezahlen müssen. Wenn der nicht angemessen gewesen wäre...
Und was leider auch kaum einer weiß:
Hr. Lafontaine saß bis vor wenigen Monaten noch im Verwaltungsrat der KfW!!! Er hat also den ganzen Unsinn der Landesbanken samt deren milliardenteurer Rettung und Vergütungsregelungen nicht nur nicht verhindert, sondern sämtliche Geschäfte mit abgesegnet. Und dafür fette Sitzungspauschalen und sonstige Vergütungen einkassiert. Hat er die als konsequenter "Linker" für einen guten Zweck gespendet? Seinen Parteifreunden zur Verfügung gestellt? Oder eher, wie die überzogenen Pensionszahlungen aus seiner Tätigkeit im Saarland, die er jetzt teilweise zurückzahlen muß, in die private Kasse gesteckt?
Jeder, der glaubt, daß Lafontaine die Lösung für die Probleme des Landes hätte, ist entweder grenzenlos naiv oder hat sich mit dem Thema nicht wirklich auseinandergesetzt.
Und der dahinterstehende Parteiapparat, diese Zusammenmischung aus westlichen Altkommunisten und verdienten SED-Genossen, dürfte allenfalls geeignet sein, eine Diktatur nach DDR-Vorbild wieder zum Leben zu erwecken (inklusive Mauer und Privatdatschen für besonders verdiente Funktionäre), aber bestimmt nicht die Probleme der aktuellen Krise nachhaltig lösen.
Wer mehr wissen will: einfach mal Lafontaine und KfW in Google eingeben.
Wäre doch vielleicht auch mal eine Meldung auf den nachdenkseiten wert? Oder wird dort doch lieber einseitig und vor allem eher polemisch als sachlich mit wirtschaftlichen Themen umgegangen?
Ich zitiere mal: "Ackermann und seine Bank bekamen die Postbank, einfach so, Ackermann und seine Bank wurden bei der IKB zulasten des Bundes entlastet..."
Ackermann hat die Postbank nicht "einfach so bekommen", sondern 2,5Mrd Kaufpreis dafür bekommen. Wenn der nicht angemessen gewesen wäre (also eine [von Ihnen ja anscheinend unterstellte] Bevorzugung der DeuBa dargestellt hätte), dann hätten sich sicherlich sofort diverse andere deutsche und ausländische Banken gefunden, die ein höheres Angebot abgegeben hätten. Verschwörungen gibt es auf diesem Planeten schon genug, aber man muß nicht noch welche herbeifabulieren, wo nun wirklich keine sind.
Und wo wir beim Thema sind: Auch die Rettung der IKB, welche Ihrer Meinung nach der DeuBa massiv genutzt hat, wurde zu einem Zeitpunkt beschlossen, wo Hr. Lafontaine noch im Verwaltungsrat saß. Wäre vielleicht auch mal was für Ihr "kritisches Tagebuch". Oder paßt das leider nicht in Ihr (einseitiges) Weltbild?
Kritisch ist ja schön und gut, objektiv noch besser.
Sie schrieben:
@ Newsflasher: Sie glauben doch wohl nicht ernsthaft, in den Medien wäre die Lobby für die Banker, die Privatisierer und die CDU noch nicht groß genug?! Der SZ nun Lobbyismus für die bösen Linken in die Schuhe zu schieben und das Ganze dann auch noch mit dem Springer-Hetzblatt zu unterlegen, ist ja mal echt unterste Schublade und hat eher was von getarnter PR für die CDU und ihre Gefolgschaft (oder ist es eher umgekehrt? für die Finanzindustrie und ihre Gefolgschaft?), als von ernsthaft informiert - gebildeter Meinung.
Da muß ich dann doch einige Dinge klarstellen:
1. weder arbeite ich für eine Bank, noch mache ich PR für selbige. Im Gegenteil, ich habe Banken schon lange als die moderne Form des Raubrittertums angesehen, als von Krise noch weit und breit nichts zu sehen war. Daß diese jetzt uns allen(!) durch ihre Zockerei maßlose Verluste eingebrockt haben, bestätigt leider meine Befürchtungen aufs Schlimmste.
2. mit der "Konkurrenz mit dem roten Rahmen" meinte ich keineswegs eine Publikation aus dem Springerhause. Die meisten Zeitungen sind schon pure Zeitverschwendung, aber dieses von Ihnen gemeinte Blatt, welches fast nur aus Überschriften besteht, ist nun wirklich pure Zeitvernichtung.
Ich meinte ein Nachrichtenmagazin mit Sitz in Hamburg, das nun wirklich nicht im Verdacht steht, die CDU zu bevorzugen. Wenn Sie, statt sich direkt auf mich einzuschiessen, mal nachgedacht (!) hätten, wäre Ihnen vielleicht auch aufgefallen, daß das Springerprodukt seine Leser bestimmt nicht mit Tabellen überfordern würde, die die Budgets der Bundesministerien für die Auslagerung von Arbeiten an externe Kanzleien detailliert aufgelistet haben.
3. Ich denke wir Bürger stimmen alle überein, daß es bankentechnisch so nicht weitergehen kann. Nur leider sind die Rezepte der Linken (ich meine die Partei) auch keine Lösung. Historisch sollte die DDR samt "Abstimmung mit den Füßen" gezeigt haben, daß das Modell Sozialismus noch weniger taugt, als der Kapitalismus. Und Hr. Lafontaine hat bisher auch nichts vorzuweisen, außer geschickter Demagogie kombiniert mit Unwahrheiten und Behauptungen. Er ist der klassische Vertreter der Sorte "links reden, rechts leben". Schauen Sie sich mal sein Haus an und wie er sich im Saarland als Ministerpräsident damals benommen hat. Das hatte nichts von Bescheidenheit und echter Volksnähe.
Was fehlt sind kompetente und ehrliche Poltiker.
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