Ackermann-Party im Kanzleramt Joes Freunde

Nun ist klar, wer die Freunde von Deutsche-Bank-Chef Ackermann sind. Er feierte mit Kanzlerin Merkel und anderen - doch die SPD kritisiert und fordert Aufklärung.

Der Schweizer Banker Josef ("Joe") Ackermann ist ein Mann mit vielen Interessen. Ihn als Schmalspur-Ökonomen zu bezeichnen, wäre alles andere als sachgerecht. Der Chef der Deutschen Bank hat einen großen Freundeskreis, der weit über die Grenzen des Finanzgeschäfts herausreicht.

Das zeigte sich, als ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel einen Gefallen tat, wie Ackermann sich in einem ZDF-Film ausdrückte, und ihm am 22. April 2008 nachträglich eine Feier zum 60. Geburtstag ausrichtete. Der prominenteste in dem bunten Kreis war ohne Frage der TV-Moderator Frank Elstner, der aktuell von sich reden macht, weil er nach 25 Jahren wilder Ehe geheiratet hat.

Die Politik war bei dem Ackermann-Stelldichein etwas schwach vertreten: Es kamen - so Informationen der Rheinischen Post - mit Bildungsministerin Annette Schavan und der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth nur zwei Damen aus der CDU. Vertreter anderer Parteien wurden offenbar nicht ins Bundeskanzleramt geladen, wo sich auch Merkel an diesem Abend sehr wohl fühlen konnte.

Aus der Wirtschaft kamen die Vorstandsvorsitzenden Jürgen Hambrecht (BASF) und Werner Wenning (Bayer), außerdem der Berater Roland Berger, der Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der frühere Deutsche-Bank-Vorstand Tessen von Heydebreck sowie die Unternehmer Michael Hilti, Berthold Leibinger (Trumpf), Arend Oetker sowie Maria-Elisabeth Schaeffler aus Herzogenaurach. Aus Ackermanns Branche war der Bankier Friedrich von Metzler anwesend.

Handverlesen auch die Medienvertreter, vorneweg die des Springer-Verlages: Kanzlerin-Freundin Friede Springer wurde gesehen, ihr Vorstandschef Mathias Döpfner, sowie Bild-Chefredakteur Kai Diekmann. Vom Nachrichtenmagazin Focus hatte sich der dortige Kulturchef Stephan Sattler einladen lassen. Und nicht zuletzt gab sich Bestseller-Autor und Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, die Ehre.

Letzterer bekennt jetzt gespielt reumütig auf FAZ.net: "Ich war dabei." Er habe Ackermann nur dreimal in seinem Leben gesprochen, Aber "weil ich ihn mag", habe er in dem Abend "eine gute Gelegenheit gesehen, nicht nur ihn, sondern auch die Räume der Kanzlerin kennenzulernen". Verzeihung könne er nicht erwarten, aber Verständnis. "Ich habe bekannt, nun richtet mich", schreibt Schirrmacher.

Der Bestsellerautor, von dem bald wieder Grundlegendes zu erwarten sein wird, meinte es karikierend ironisch. Wie anders kann man ein solches Eliteessen sehen, wenn die Mitgliedschaft zu den happy few als Ehrenabzeichen des Schaffens gesehen werden kann?

Die SPD verlangt von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Aufklärung über die Feier im Kanzleramt mit Joes Freunden. SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann sagte: "Sollte der private Charakter der Feier im Vordergrund gestanden haben, wäre das nicht statthaft." Dies bleibe einer Überprüfung vorbehalten. Am Mittwoch beschäftigt sich der Haushaltsausschuss des Bundestags mit dem Thema.

Auch der SPD-Haushaltsexperte Johannes Kahrs kritisierte die Ausrichtung der Party. "Das ist ziemlich grenzwertig. Frau Merkel hätte hier sensibler sein müssen", sagte Kahrs der Passauer Neuen Presse. "Das Kanzleramt ist keine Event-Agentur und schon gar nicht auf Kosten der Steuerzahler." Er forderte Klarheit über die Kosten des Abends und darüber, ob es noch weitere solcher Veranstaltungen im Kanzleramt gab.

Ackermann hat selbst eingeladen

"Es stellt sich die Frage, wem die Bundeskanzlerin sonst noch den Geburtstag auf Staatskosten ausgerichtet hat", sagte Kahrs. "Es kann nicht sein, dass Herr Ackermann Gäste ins Kanzleramt einlädt, und der Steuerzahler dafür aufkommt. Wir sind doch keine Bananenrepublik." Nicht alles, was rechtens sei, sei auch in Ordnung.

Die Haushälter von Linkspartei und Grünen im Bundestag, Gesine Lötzsch und Alexander Bonde, haben ebenfalls Kritik an der Feier geäußert. Der Grünen-Politiker Bonde betonte im Gespräch mit dem Tagesspiegel: "Die Erklärungen von Kanzlerin Merkel und Josef Ackermann passen nicht zusammen. Die beiden scheinen eine sehr unterschiedliche Auffassung über die Veranstaltung im Kanzleramt zu haben. Entweder hat die Kanzlerin eine eigenartige Vorstellung von einem Arbeitstreffen oder der Deutsche-Bank-Chef ein eigenartiges Verständnis von einer Geburtstagsparty. Da die Veranstaltung vom Steuerzahler bezahlt wurde, wollen wir die genauen Umstände aufklären."

CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter konterte die Angriffe und nannte die Kritik von Opposition und SPD scheinheilig: "Die Beschreibung als Sause oder Party ist absurd." Die Kritik entzündet sich daran, dass Ackermann im April 2008 selbst die Gäste eingeladen haben soll und dieses auf Kosten der Steuerzahler bezahlt worden sei. Das Kanzleramt wies die Vorwürfe zurück.

"Ausweis politischer Verzweiflung"

Aus Wissenschaft und Kultur hätten unter anderem die Wirtschaftswissenschaftler Howard Davis (London School of Economics) und Lars-Hendrik Röller (European School of Management), der Präsident des Goethe-Instituts, Klaus-Dieter Lehmann, der Organisator des Lindauer Nobelpreisträgertreffens, Wolfgang Schürer, sowie der TV-Moderator Frank Elstner teilgenommen.

Nach einem Bericht des Bundeskanzleramtes, der sueddeutsche.de vorliegt, sind allein für externes Servicepersonal etwa 2100 Euro angefallen, dazu kommen die Kosten des Abendessens. CDU-Haushaltspolitiker Kampeter nannte die Vorwürfe "Ausweis von politischer Verzweiflung". Ein regelmäßiger Austausch mit Vertretern aus Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik sei "selbstverständlich und notwendig".

Merkel hatte das Jubiläum von Deutschlands mächtigstem Banker zum Anlass genommen, Ende April 2008 ein Abendessen mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft auszurichten. Die Kosten seien aus Haushaltsmitteln des Kanzleramts finanziert worden, die für derartige Zwecke zur Verfügung stehen, hatte ein Regierungssprecher betont. Ackermann hat im Februar Geburtstag.