Ackermann im Kanzleramt Glück gehabt, wer nicht eingeladen war

Ackermanns Fest im Kanzleramt war kein Gelage mit finsteren Gestalten, sondern eine Einladung, wie sie üblich ist - mit Gästen wie Frank Elstner.

Ein Kommentar von Nico Fried

Im Kanzleramt hat sich schon mancher Gast satt gegessen, übrigens auch mancher Journalist. Kleine Runden, große Kreise, Kulturschaffende, Wirtschaftsbosse, Sportler, Showgrößen - die Kanzlerin bittet häufig Gäste zu Tisch, wie ihre Vorgänger übrigens auch.

Täte sie's nicht, würde man ihr vorwerfen, sie kapsele sich ab. Einladungen dieser Art gehören zu den Pflichten einer Regierungschefin, wenn auch zu denen, um die man sie nicht immer beneiden muss.

Im April 2008 hat Merkel ein Essen für Josef Ackermann veranstaltet, Anlass war sein Geburtstag und zugegen waren 25 Gäste, die der Chef der Deutschen Bank selbst mit ausgesucht hat. Jetzt ist die Aufregung groß, der Steuerzahler geschröpft und die Demokratie in Gefahr.

In Wahrheit entzündet sich die künstliche Debatte allein am Namen Josef Ackermann, der für das, was heutzutage schon als Skandal gilt, eine ebenso geeignete Reizfigur abgibt wie Ulla Schmidt.

Kein finsteres Gelage

Nun könnte man meinen, das Kanzleramt sei für ein Gelage missbraucht worden, an dessen Ende Joe und seine finsteren Freunde besoffen in den schwarzen Sesseln am Kabinettstisch hingen. Die Wirklichkeit ist - leider - nüchterner. Es war natürlich ein privates Essen, das die Kanzlerin regelgerecht offiziell gemacht hat, mit Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

Bemerkenswert ist allenfalls, dass Merkel die Vorschläge Ackermanns ein wenig nach ihren Präferenzen frisiert zu haben scheint: CDU-Politiker, Konzernlenker, Wissenschaftler, drei Vertreter des Hauses Springer. Und Frank Elstner. An diesem, nun ja, Fest wird die Demokratie jedenfalls nicht zugrunde gehen. Wundern kann man sich vielleicht, mit wem manche Leute gerne Geburtstag feiern.