Auf den Bildern ist zu sehen, wie Feldwebel Charles Graner und drei weitere Soldaten gefangene Iraker misshandeln. Graners Verteidiger sagen nun: Die Suche nach den Fotos war illegal.

Unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen hat auf einem Mannheimer US-Stützpunkt die Anhörung von vier amerikanischen Soldaten begonnen, die im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad irakische Gefangene misshandelt haben sollen. Zum Auftakt beantragten die Verteidiger des mutmaßlichen Anführers, Feldwebel Charles Graner, entscheidendes Beweismaterial nicht zuzulassen.

Charles Graner bei der Anhörung in Mannheim. (© Foto: ddp)

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Zahlreiche Bilder von Demütigungen und Quälereien irakischer Häftlinge in Abu Ghraib waren auf Graners Laptop gespeichert. Nach Darstellung seiner Anwälte war der Ermittler, der den Computer im Januar untersuchte und die Bilder entdeckte, dazu nicht autorisiert.

Verteidigung: Beschlagnahme illegal

Ziel der Verteidigung ist es, die Beschlagnahme des Computers und der Disketten mit den Bildern für illegal erklären zu lassen. Dadurch könnten die Fotos nicht mehr als Beweismittel genutzt werden.

Die beschuldigten Soldaten gehören einer Reserveeinheit der Militärpolizei an. Ihre Verteidiger machten bislang geltend, dass ihre Mandanten im Irak lediglich Befehle ausgeführt hätten und erreichten die Verlegung der Anhörung von Bagdad nach Deutschland. Nach den zweitägigen Vorverhandlungen in Mannheim muss ein Richter entscheiden, ob die Beweislage für einen Prozess gegen die vier Angeklagten vor dem Militärgericht ausreicht. Sollte es zur Anklage kommen, wird der Prozess vermutlich in Bagdad stattfinden.

Reglos im Gerichtssaal

Graner saß zu Beginn der Anhörung reglos auf der Bank, flankiert von zwei Anwälten. Zunächst sagte der Militärermittler Manora Iem aus. Er habe Graner in der Nacht des 14. Januars in Abu Ghraib geweckt, ihn über die Verdächtigungen informiert und um Zustimmung zur Überprüfung seines Laptops gebeten. Diese habe Graner jedoch nicht erteilt. "Er war geistesgegenwärtig, er war sehr kooperativ", sagte Iem. "Aber er fürchtete, zum Sündenbock gemacht zu werden."

"Alle Bilder sind auf dem Computer"

Iem räumte ein, dass er zum Zeitpunkt der ersten Kontrolle des Computers keine Erlaubnis von Vorgesetzten hatte, diese jedoch wenig später erhielt.

Für die Verteidiger Graners ist das Beweismaterial daher unzulässig. Er habe unter zu großem Druck gestanden, als er eine Zustimmung zur Durchsuchung seines Quartiers gegeben habe. Und die Zustimmung habe nicht für den Computer gegolten.

Der Beschuldigte sagte aus, er sei überrascht von der nächtlichen Aktion gewesen. "Wenn dir jemand deine Rechte vorliest, dann wird dir etwas vorgeworfen. Dann bist du grundsätzlich schuldig", gab er zu Protokoll. Er habe den Ermittlern gesagt: "Alle meine Bilder sind auf dem Computer."

Gefangenen bewusstlos geschlagen

Auf Einzelheiten zu den Fotos, die ihn neben nackten und gepeinigten irakischen Häftlingen in dem Gefängnis zeigen, ging Korporal Charles Graner zum Auftakt der Beweisaufnahme des US-Verfahrens nicht ein.

Der Folterskandal brach im April los, als erste Fotografien von nackten Gefangenen mit Plastiksäcken über den Köpfen veröffentlicht wurden. Auf einigen Fotos ist Graner zu sehen, wie er hinter einer Pyramide nackte Häftlinge posiert. Er wird beschuldigt, mehreren wehrlosen Gefangenen auf die nackten Füße und Hände gesprungen zu sein. Einen Insassen schlug er angeblich so fest gegen die Schläfe, dass dieser das Bewusstsein verlor. Vorermittlungen zufolge war Graner der Anführer der Folterer.

Angeklagt wegen Ehebruchs

Graner drohen neben der unehrenhaften Entlassung aus der Armee 24,5 Jahre Haft. Zudem ist er wegen Ehebruchs angeklagt. Er schwängerte in Abu Ghraib die Soldatin Lynndie England, die wegen der Misshandlungen derzeit in Fort Bragg in North Carolina angehört wird.

Insgesamt sind sieben US-Soldaten beschuldigt, in Bagdad gefoltert zu haben. Die Anhörungen sind nach US-Strafprozessrecht Teil des Vorverfahrens. Das Gericht will klären, ob die Beweise für die Eröffnung eines Prozesses ausreichen.

Die meisten Militärpolizisten behaupten, vom Geheimdienst zu den Taten ermutigt worden zu sein. Der Stabsgefreite Jeremy Sivits hatte sich dagegen bereits im Vorverfahren schuldig bekannt. Er war im Mai von einem Militärgericht in Bagdad zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zur Entlassung aus der Armee verurteilt worden.

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(dpa/AP)