Am Ground Zero ermahnt Papst Benedikt die Menschen, Lehren aus dem Terror des 11. September zu ziehen. Und betete mit Familienangehörigen von Opfern des Anschlags, der die Welt erschütterte.
Mit einer ernsten Zeremonie am New Yorker Ground Zero, dem Schauplatz der Katastrophe des 11. September, begann am Sonntagvormittag der letzte Tag der Amerikareise von Papst Benedikt XVI. Der Papst schritt die Rampe in die riesige Baugrube hinab, wo sich früher die Tiefgeschosse des World Trade Center befanden, entzündete eine Kerze und kniete zu einem stillen Gebet nieder. Dann sprach er einen Segen für die Toten und Verletzten, für die Angehörigen der Opfer, für die Helfer: "Wir bitten Dich, dass Du durch Deine Güte Licht und ewigen Frieden allen geben mögest, die hier gestorben sind."
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Papst Benedikt: Mahnung am Ground Zero (© Foto: dpa)
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Zugleich gedachte er der beiden weiteren Flugzeugattentate dieses Tages auf das Pentagon sowie bei Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania. Für die Angehörigen betete um er "Kraft, ihr Leben mit Mut und Hoffnung fortzusetzen". Aber auch die, "deren Herzen und Köpfe von Hass erfüllt sind", schloss er in seinen Segen ein. Angesichts solch schrecklicher Ereignisse suchten die Menschen die Führung Gottes, sagte der Papst. "Gib, dass die, deren Leben verschont geblieben ist, so leben, dass diejenigen, die hier starben, nicht umsonst gestorben sind. Ermutige und tröste uns, stärke uns in der Hoffnung und gib uns die Weisheit und den Mut, unermüdlich für eine Welt zu arbeiten, in der wahrer Friede und Liebe unter den Nationen und in den Herzen aller herrschen."
Anschließend sprach der Papst mit 24 Betroffenen der Katastrophe sowie mit Bürgermeister Michael Bloomberg und den Gouverneuren von New York und New Jersey. Für den Nachmittag war eine Messe vor 57 000 Gläubigen im Yankee Stadium in der Bronx geplant. Am Sonntagabend sollte er vom John-F.-Kennedy-Flughafen nach Rom zurückfliegen.
Höhepunkt des Besuchs in New York war die Messe, die Papst Benedikt XVI. am Samstagmorgen in der St Patrick's Cathedral hielt. Die - nach europäischen Maßstäben - winzige, von Wolkenkratzern umringte Kathedrale an der Fifth Avenue ist das symbolische Zentrum des katholischen Lebens in den USA.
Der Papst rief die etwa 3000 anwesenden Priester, Nonnen, Bischöfe und Kardinäle zu einem "neuen Frühling" für die Kirche auf, die von den Missbrauchsskandalen in den letzten Jahrzehnten schwer erschüttert wurde; er betete für "Reinigung" und ,,Heilung''. Mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche sollen laut einer Studie in den letzten 50 Jahren missbraucht worden sein, etwa 4000 Priester waren daran beteiligt. Schon an den vorangegangenen Tagen seines Besuchs hatte er dieses Thema wiederholt angesprochen. Laut Zeitungsberichten plant der Vatikan eine Änderung des Kirchenrechts, um derartige Missbrauchsfälle besser verfolgen zu können. Erwogen wird, die Verjährungsfristen zu verlängern, weil viele der Opfer erst nach Jahren über die Vorfälle berichten.
Vor Beginn der Messe begrüßte Bloomberg die Gläubigen und nannte die Stadt ein "Symbol für religiöse Toleranz". Zu beiden Seiten der Fifth Avenue standen Tausende von New Yorkern Spalier, um zu erleben, wie Benedikt XVI. nach der Messe im Papamobil abfuhr.
Nach seinem Auftritt vor den UN am Freitag hatte Benedikt XVI. als erster Papst eine amerikanische Synagoge besucht. Auch wenn der Besuch kaum 25 Minuten dauerte und schlichter ausfiel als die anderen Stationen seiner Reise nach Washington und New York, wurde er in einer Stadt, in der 12 Prozent der Bewohner jüdischer Herkunft oder jüdischen Glaubens sind, mit großer Genugtuung aufgenommen.
Der Papst unterstrich die Notwendigkeit "Brücken der Freundschaft" zwischen Angehörigen aller Glaubensrichtungen zu bauen. Rabbi Arthur Schneier würdigte die Fortschritte in den katholisch-jüdischen Beziehungen seit dem zweiten vatikanischen Konzil. Anschließend besuchte der Papst die St. Joseph's Church in Yorkville, einem Stadtteil von Manhattan, in dem bis Mitte des 20. Jahrhunderts Tausende deutsche Emigranten wohnten. Ein Kirchenfenster mit der Inschrift "Geschenk der Familien Amend & Ridder" zeugt heute noch davon, wie auch die deutsche Metzgerei und die deutsche Bäckerei in der Nähe. Ansonsten allerdings hat sich die deutsche Kultur im konservativen und reichen Milieu der Upper East Side verloren.
Neben dem Päderasten-Skandal machte der Papst die Einwanderungspolitik zum zweiten inhaltlichen Schwerpunkt seiner Reise. Schon während seines Flugs nach Washington hatte er gefordert, Immigrantenfamilien zu schützen statt sie auseinanderzureißen. Der Papst spielte damit auf die Deportation illegaler Einwanderer an, die nicht selten von ihren legal in den USA lebenden Familienmitgliedern getrennt werden. Einwanderer vor allem aus Lateinamerika spielen für die US-amerikanische Kirche eine immer wichtigere Rolle. Von den 65 Millionen Katholiken in den USA sind 18 Millionen Latinos.
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(SZ vom 21.4.2008/lala)
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"Wenn sie mal so überlegen, wieviel von dem, was heute bewiesen ist, war jahrzehntelang nur sog. Spekulation von Verschwörungstheoretikern?"
Abgesehen davon, dass Sie eine völlig andere Definition von "bewiesen" vertreten, als dies üblicherweise der Fall ist, sollten SIE mal überlegen, wie viel von dem, was jahrzehntelang nur sog. Vtheos waren, es auch heute noch sind ...?
Aber auch darum geht es hier nicht!!!
Es geht IMMER noch um den Respekt vor 3000 Opfern eines singulären Ereignisses, den der Papst hier erbracht hat. Nicht mehr!
"herausstellen würde"
Eben, gemäß dem Fall, es WÜRDE sich herausstellen, dass die USA dieses Szenario inszeniert haben, WÄRE es tatsächlich verabscheuungswürdig. Aber das ist hier nicht zu klären. Und somit zurzeit pure Spekulation!
"1968: Mir ist nicht bekannt, dass Staatsgäste in China am Platz des himmlischen Friedens regelmäßig der Opfer gedenken! Sie vergleichen Äpfel mit Birnen! :-)"
Das ist ist schon kaum noch zu kommentieren. Nur ein kleiner Tipp: überlegen Sie mal, ob Sie nicht vielleicht die Äpfel mit den Birnen vergleichen.
Mich würde brennend interessieren, was denn die Chinesische Führung dazu sagen würde oder gar tun würde, wenn ein westliches Staatsoberhaupt oder der Papst, bei einem Staatsbesuch eben dieses tun würde? Die Chinesischen Gastgeber offen düpieren? Das wäre sehr diplomatisch! Oder meinten Sie, man sollte der Opfer gedenken, welche die Studenten unter den Soldaten zu verantworten hatten, die dort "brutal" für demokratischen Wandel demonstrierenden ? Gab´s da welche?
Denken Sie mal drüber nach ...
... der eine ist irgendwie "nicht von dieser Welt" , der andere ist es leider umso mehr .
um aber doch wenigstens den allernötigsten Respekt gegenüber den Opfern zu wahren.
Wenn der Papst als Oberhaupt der RKK an der Stelle betet, an der 3000 Menschen ums Leben kamen (darunter gewiss auch viele seiner Glaubensgemeinschaft), ist es schlicht seine Aufgabe dies zu tun und bestimmt auch sein persönliche Anliegen.
"ichwillauchmalwassagen:
Wird der "Ground Zero" jetzt zu einer Art Yad Vashem der Amerikaner? Pflichtstation des Gedenkens um damit jede Kritik an aktuellen Verbrechen von vorneherein mundtot zu machen?"
Angesichts dieses Posts frage ich mich schon, wo die Menschenverachtung in Komentaren anfängt bzw. aufhört, wenn, wie bei mir am letzten Freitag geschehen, ein Kommentar gelöscht wird, der die Ablenkung eines Users, auf einen anderen Sachverhalt thematisiert, dieser hier aber stehen bleibt.
@ichwillauchmalwassagen:
So wie der Platz des Himmlischen Friedens?
Sie sehen, doofe Reflexe könnte man jederzeit mit den gleichen doofen Reflexen beantworten.
Paging