Bei seinem Besuch in Libyen hat sich Italiens Ministerpräsident Berlusconi zu Investitionen von 3,4 Milliarden in dem Wüstenstaat verpflichtet.

Mit einer Milliarden-Entschädigung für die Kolonialzeit will Italien in den Beziehungen zu Libyen ein neues Kapitel aufschlagen. Ministerpräsident Silvio Berlusconi unterzeichnete bei einem Besuch in dem nordafrikanischen Land ein Abkommen, in dem sich Rom verpflichtet, über 25 Jahre verteilt 3,4 Milliarden Euro in Form von Projektinvestitionen zu zahlen.

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Historischer Handschlag: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Libyiens Staatschef Muammar al-Gaddafi (© Foto: dpa)

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In dem Dokument entschuldigt sich Italien ausdrücklich für das während der Besatzungszeit von 1911 bis 1942 erlittene Unrecht. Der libysche Staatschef Muammar al-Gaddafi sprach von einem "historischen Augenblick". Damit legen die beiden Länder einen seit fast vierzig Jahren währenden Streit bei.

Zu den vereinbarten Investitionen gehört unter anderem der Bau einer Küstenautobahn, die das Land von Tunesien bis Ägypten durchziehen soll. Außerdem erhalte Libyen Geld für den Wohnungsbau, für Studienstipendien sowie Entschädigungszahlungen an Opfer italienischer Anti-Personen-Minen aus der Kolonialzeit, kündigte Berlusconi an.

Italien verspricht sich im Gegenzug Aufträge im Energiesektor und neue Sicherheitsmaßnahmen zur Eindämmung der Zahl von Immigranten aus Afrika. Italien ist wie andere südliche EU-Staaten immer wieder Ziel von Flüchtlingen aus verarmten afrikanischen Regionen, die in meist viel zu kleinen und nicht hochseetauglichen Booten die gefährliche Überfahrt nach Europa wagen. Bislang hatte sich Libyen wegen der nicht geregelten Kolonialfrage bei der Kooperation zurückgehalten.

In einem symbolischen Akt verbeugte sich Berlusconi vor dem Sohn des libyischen Widerstandskämpfers Omar Mokhtar. "Es handelt sich um einen historischen Augenblick, bei dem mutige Männer die Niederlage des Kolonialismus bestätigen", sagte Gaddafi.

Im Gepäck für seinen weniger als zwölf Stunden dauernden Besuch hatte der italienische Regierungschef auch die Venus von Cirene, ein spätrömisches Kunstwerk, über deren Rückgabe sich beiden Länder jahrelang gestritten hatten. Die Statue war 1913 auf libyschem Boden entdeckt und nach Italien gebracht worden.

Der Verband der italienischen Libyen-Aussiedler reagierte empört auf die Höhe der Entschädigung. Die Organisation beklagte in einer Erklärung, dass Berlusconi Libyen entschädige, zugleich aber 20.000 italienische Heimkehrer noch auf Schadenersatz warten müssten. Der Verband kämpft seit Jahren für eine Entschädigung für die italienischen Staatsbürger, die 1970 von Gaddafi aus dem Land gejagt worden waren.

Italien hatte Libyen 1911 dem Osmanischen Reich im Krieg abgenommen und bis in den Zweiten Weltkrieg hinein besetzt gehalten. In den dreißiger Jahren wurde das Land auch offiziell eine italienische Kolonie.

Die Italiener hinterließen in Libyen blutige Spuren: Gleich zu Beginn der Besetzung deportierten sie 400 libysche Widerstandskämpfer auf die Tremiti-Inseln, wo sie unter kärglichsten Bedingungen vegetierten, einer Epidemie zum Opfer fielen und in einem Massengrab verscharrt wurden.

Zwischen 1911 und 1932 wurden von den Italienern schätzungsweise 20.000 Libyer unter dem Vorwurf der "Kollaboration" mit Widerstandsgruppen zum Tode verurteilt und hingerichtet. In den dreißiger Jahren wurden zudem rund 100.000 Bewohner der im Osten des Landes gelegenen Kyrenaika in Wüstenlager deportiert, wo 40.000 von ihnen umkamen. Die Truppen Mussolinis setzten gegen Zivilisten Giftgas ein und verminten die Grenze nach Ägypten. Die Schreckensherrschaft endete mit dem Sieg der Weltkriegsalliierten, Libyen wurde bis zu seiner Unabhängigkeit im Jahr 1951 britisches UN-Protektorat.

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(AFP/Reuters/vb)