Abgas-Skandal VW-Betriebsrat befürchtet drastischen Jobabbau

VW-Mitarbeiter vor der Betriebsversammlung in Wolfsburg.

(Foto: Bloomberg)

Der Konzern könnte durch hohe Strafzahlungen für die Abgasaffäre gefährdet werden. Ein Gewerkschafter appelliert jetzt eindringlich an US-Behörden.

Von Thomas Fromm und Klaus Ott

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, Bernd Osterloh, befürchtet wegen der Abgasaffäre einen massiven Stellenabbau und warnt vor "dramatischen sozialen Folgen" für den Autokonzern. So könne die Zukunftsfähigkeit von VW und die Sicherheit der weltweit 600 000 Arbeitsplätze "durch eine Strafzahlung in bislang einmaliger Höhe nachhaltig gefährdet" werden. Bei einer VW-Betriebsversammlung in Wolfsburg warnte Osterloh vor 20 000 Mitarbeitern, die Zukunft der Arbeitsplätze hänge "maßgeblich von der Höhe der Strafzahlungen ab".

Vor allem in den USA, wo dem Unternehmen in der Abgas-Affäre Tricksereien und Täuschung vorgeworfen wird, drohen VW Strafen in Milliardenhöhe. Allein eine Klage des US-Justizministeriums wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz könnte den Konzern an die 90 Milliarden Dollar kosten. Zwar gehen Experten davon aus, dass das Strafmaß am Ende weit darunter liegen wird - ganz sicher kann man sich in Wolfsburg aber nicht sein.

Osterloh zufolge hoffe man daher sehr, "dass die US-Behörden auch diese soziale und beschäftigungspolitische Dimension letztlich im Blick haben". Der Arbeitnehmervertreter warnte die amerikanischen Behörden indirekt auch vor einem Verlust von Arbeitsplätzen nicht nur in Europa, sondern auch "an unseren US-amerikanischen Standorten". So arbeiten allein im wirtschaftlich schwachen US-Bundesstaat Tennessee an die 2500 Menschen im VW-Werk Chattanooga.

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"Wir werden in diesem Jahr immer wieder mit unangenehmen Nachrichten konfrontiert werden"

Auch in Deutschland drohen VW wegen der gefälschten Abgas-Messungen hohe Schadenersatzforderungen. So will auch eine Tochter des Versicherungskonzerns Allianz gegen VW vorgehen. Es handelt sich dabei um die Vermögensverwaltungsfirma Allianz Global Investors (AGI), die sich in den nächsten Tagen an einer Sammelklage gegen VW beteiligen möchte.

AGI und andere Aktionäre wollen VW vorwerfen, zu spät über die Manipulationen an Dieselmotoren informiert zu haben. Im Zuge der Abgas-Affäre ist der Börsenkurs von VW deutlich gesunken. Anteilseigner des Autokonzerns haben dadurch hohe Einbußen hinnehmen müssen. Das geplante Vorgehen der Allianz gegen VW ist ungewöhnlich, da beide Unternehmen wirtschaftlich eng zusammenarbeiten.

Bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg gab der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) wegen der anhaltenden Klagewelle einen düsteren Ausblick. "Wir werden wahrscheinlich in diesem Jahr immer wieder einmal mit unangenehmen Nachrichten im Zusammenhang mit Diesel-Gate konfrontiert werden", sagte er. Der durch die Dieselaffäre entstandene Schaden werde deshalb nicht gering ausfallen.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig ihre VW-Ermittlungen ausgeweitet. Die Zahl der Verdächtigen habe sich von sechs auf 17 erhöht, teilte die Behörde mit. Darunter seien keine Vorstandsmitglieder; die Beschuldigten stammten "alle aus dem Umfeld des VW-Konzerns".

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