Union verliert an Zustimmung - auch bei der FDP
Nach Wahlkampagne in Hessen
03.02.2008, 09:47
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Abgehängt: Der Hessen-Wahlkampf von Roland Koch sorgt für Krisenstimmung in der Union. (Foto: ddp)
Die Liberalen gehen auf Distanz zur CDU. Mehrere führende FDP-Politiker haben ihre Partei davor gewarnt, sich zur Bundestagswahl auf eine Koalition mit der Union festzulegen. Die Hessen-Wahl habe gezeigt, dass es nicht klug sei, bestimmte Koalitionen kategorisch auszuschließen, sagte die stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Sabine Leutheusser-Schnarrenberger der Bild am Sonntag.
Zur Bundestagswahl 2009 sollte die FDP zwar eine klare Priorität für Schwarz-Gelb zum Ausdruck bringen. "Aber wir sollten uns Bewegungsspielraum zu anderen Konstellationen erhalten, um eine Regierungsbeteiligung der Linken verhindern zu können. Da haben wir Liberalen eine staatspolitische Verantwortung", sagte die FDP-Politikerin.
Ähnlich äußerte sich die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper in der Zeitung: "Für die Bundestagswahl 2009 sollten wir nicht jetzt schon Koalitionen ausschließen." Diese Entscheidung dürfe erst kurz vor der Wahl getroffen werden. "Die FDP muss ihrem Programm treu bleiben, sie sollte sich nicht an die Union ketten", forderte Pieper.
Merkel und Union verlieren an Zustimmung
CDU und CSU haben nach den Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen mit sinkender Unterstützung bei den Bundesbürgern zu kämpfen. Nach einer Forsa-Umfrage kämen die Unions-Parteien bundesweit nur noch auf 35 Prozent, wenn an diesem Wochenende ein neuer Bundestag gewählt würde. So schlecht habe die Union seit März 2007 nicht mehr in der Forsa-Umfrage abgeschnitten, berichtete der Auftraggeber RTL.
In der Vorwoche war die Union noch auf 39 Prozent gekommen. Die SPD erzielt nun 25 Prozent (-1 Punkt), die Linke 14 (+2), die FDP 11 (+2), die Grünen kommen auf 10 (+2) Prozent.
Auch Kanzlerin Angela Merkel büßte der Umfrage zufolge an Zustimmung ein: Während vor einer Woche noch 53 Prozent der Befragten ihre Präferenz für die Kanzlerin äußerten, waren es nun noch 49 Prozent.
Unterdessen fordern führende CDU-Politiker einen seriöseren Politikstil. Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christian Wulff hat seine Partei aufgefordert, bei künftigen Wahlkämpfen wieder mehr auf Wirtschaftsthemen zu setzen. Die Konsequenz aus den vergangenen Landtagswahlen sei, dass die CDU im Stil mehr Besonnenheit und bei den Inhalten ein klares wirtschaftspolitisches Profil zeigen müsse, sagte Wulff der Bild am Sonntag.
Dann könnten CDU und FDP auch in einem Fünf-Parteien-Parlament Mehrheiten erringen. Wegen der Globalisierung sei die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands das entscheidende Thema, sagte der niedersächsische Ministerpräsident weiter. Die CDU müsse deutlich machen, dass Erwirtschaften und Verteilen zwei Seiten derselben Medaille seien. "Wenn wir den linken Parteien, die ’Freibier für alle’ versprechen, das Feld überlassen, werden wir Probleme bekommen“, warnte Wulff.
Unterdessen hat auch der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion im Bundestag, Norbert Röttgen, die Wahlkampfstrategie der hessischen CDU kritisiert.
Im Deutschlandfunk sagte er, wo die CDU Verantwortung trage, werde eine vernünftige, auf Integration gerichtete und an Wertmaßstäben orientierte Integrationspolitik gemacht. Diese hätte in den Vordergrund gerückt werden müssen.
Nach Ansicht von Röttgen wäre das erfolgreicher gewesen als der Stil, der im hessischen Wahlkampf gepflegt worden ist. Vor allem Ministerpräsident Roland Koch hatte im Wahlkampf das Thema Jugendskriminalität zeitweise in den Vordergrund gestellt. Am Samstag hatte Koch selbst Fehler im Wahlkampf eingeräumt
Mit Blick auf die nächste Bundestagswahl 2009 betonte Röttgen nach Angaben des Senders, die CDU strebe eine Koalition mit der FDP an. Seine Partei müsse aber auch in Zukunft Wähler ansprechen können, die der Linken, den Grünen oder der SPD nahe stünden.
Nach der Wahl in Hessen reichen die Mehrheiten weder für Schwarz-Gelb noch Rot-Grün. Eine Große Koalition lehnt die SPD ab und will stattdessen mit FDP und Grünen regieren. Dies haben aber die hessischen Liberalen ausgeschlossen.
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