Einsatz der Wasserwerfer

    Polizeieinsatz am Zaun bei Heiligendamm

    08.06.2007, 13:08

    Von Thorsten Denkler, Hinter Bollhagen

    Ohne jede Vorwarnung hat die Polizei an einer Kontrollstelle unter massivem Einsatz von Wasserwerfern weitgehend friedliche Demonstranten zurückgedrängt. Mindestens drei Protestler wurden verletzt, drei weitere festgenommen.

    Unter massivem Einsatz von acht Wasserwerfern und von Schlagstöcken ist die Polizei an der Kontrollstelle Hinter Bollhagen gegen die Demonstranten vorgegangen.

    Die Räumung des Platzes in der Umgebung des Checkpoints geschah mit Vorankündigung - zumindest für die Presse. Etwa eine halbe Stunde bevor die Polizei mit der Räumung begann, wurden die Journalisten aufgefordert, das Demonstrationsfeld "zu ihrer eigenen Sicherheit" zu verlassen und hinter die Polizeikette zurückzukehren.

    Die Polizei brachte daraufhin mehrere Hundertschaften sowohl zur linken als auch zur Frontseite der Demonstranten in Stellung.

    Ohne jede weitere Vorwarnung rückten die Polizeikräfte unter massivem Wasserwerfereinsatz gegen die bis dahin weitgehend friedlich protestierenden Demonstranten vor. Nach Aussagen der Protestler wurde auch Reizgas verwendet, was jedoch von der Polizei dementiert wurde.

    Die Einsatzkräfte drängten die Demonstranten von der bis zum Morgen noch freien Zufahrtsstraße 50 bis 100 Meter die Wiese hinunter. Mindestens drei Menschen wurden bei der Aktion verletzt, drei weitere festgenommen.

    Am frühen Mittag hatten gut 2000 Demonstranten aus dem sechs Kilometer entfernten Demonstrantencamp Reddelich den Checkpoint erreicht. Es war ihnen allerdings nicht gelungen, die Straße über einen längeren Zeitraum zu blockieren.

    Einsatz der Clowns Army

    Die Polizei hatte die Demonstranten bis fünf Meter hinter den Straßenrand zurückgedrängt. Das hatte zur Folge, dass sämtliche Einsatzkräfte und -fahrzeuge der Polizei auf der Straße selbst Platz finden mussten. Die Straße war somit de facto über acht Stunden blockiert.

    Mit der Aktion der Polizei ist die Straße vor der Kontrollstelle nun wieder frei. Offenbar ist die Polizei allerdings nicht gewillt, die Demonstranten noch weiter zurückzudrängen.

    Die Situation drohte schon am Nachmittag zu eskalieren, als ein mehrere Dutzend Personen starker Schwarzer Block aus Autonomen sich vor den Polizisten platzierte. Vereinzelt flogen Plastikflaschen aus der Menge in Richtung Polizei.

    Die Polizei stieß nach kurzer Zeit vermehrt in den Demonstrantenblock hinein und nahm mehrere als Flaschenwerfer identifizierte Personen fest. Das heizte die Stimmung unter den Autonomen weiter an. Die anderen Demonstranten versuchten immer wieder mit Einsätzen der "Clowns-Army", die sich zwischen Polizei und Autonome schob, die Lage zu beruhigen.

    Auch nach der Polizeiaktion blieben die Zufahrtsstraßen in der Umgebung von Hinter Bollhagen weiterhin durch Sitzblockaden versperrt. Mehrere tausend Demonstranten befanden sich am Abend noch auf den Straßen.

    Am Abend wurde eine Demonstration mit weit über 200 Teilnehmern vor dem Gate II von der Polizei aufgelöst. Die Protestierenden drangen wenig später durch den Wald zur Landstraße nach Steffenshagen und Reddelich vor und errichteten dort mehrere Barrikaden aus Baumstämmen und Findlingen, einige davon bis zu zwei Meter hoch. Drei besetzte Polizeiwagen waren dadurch eingeschlossen. Die später eintreffende Verstärkung wurde über Lautsprecher begrüßt: "Kollegen schön euch zu sehen, uns war ein bisschen mulmig.“

    Zur Räumung der vielen Blockaden und Barrikaden setzte die Polizei schweres Räumgerät ein, um zumindest eine Fahrbahn wieder freizubekommen. Die verbleibenden Demonstranten verhielten sich friedlich.

    (sueddeutsche.de)

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    Leserkommentare (23)



    08.06.2007 10:48:44

    wachholz_texte: Von Clowns und Untertanen...

    Schließe mich den exakten Analysen von "ditarantel" und "bernd_finger" vollinhaltlich an! So, wie der verehrte Mitdiskutant "PPo1982" argumentiert, hetzte wortwörtlich einst Boenisch in "Bild" - sollen erst mal arbeiten, diese langhaarigen Studenten und Gammler, und RUHE als erste Bürgerpflicht lernen. Als dann Benno Ohnsorg und Rudi Dutschke von Kugeln getroffen auf der Straße lagen, las man ein achselzuckendes "selbst schuld". Das ist erst 40 Jahre her. So gesehen hat sich in Sachen aufmerksamer Öffentlichkeit sowie taktisch geschulter Einsatzleiter doch einiges verbessert, Gott sei Dank. Selbst "Bild" lügt raffinierter, z.B. gestern an Fronleichnam: "Mit letzter Kraft konnte sich der von Chaoten verprügelte Vermummte, angeblich als Polizist erkannt, in die Reihen der Sicherheitskräfte retten" (in SPON las man, friedliche Demonstranten hätten den Mann geschützt und Leute vom Anwaltsverein ihn zu seinen mutmaßlichen Kollegen zurückgeführt; der dortige Polizeisprecher übrigens schloß eine solche verdeckte Agitation als "unmöglich, so etwas ist widerrechtlich, das tun wir nicht!" glaubhaft aus, fügte allerdings hinzu "Wir wissen nicht, was der Verfassungsschutz tut"...

    Ja, die Zeiten ändern sich. Nur die Obrigkeitsgläubigkeit in den Köpfen deutscher Menschen, gerade so wie im zeitlosen Film von Wolfgang Staudte mit Martin Held "Der Untertan" - die ist nicht so leicht kleinzukriegen. Oder, "Ppo1982"? (Eine eherne Journalistenregel lautet zwar "keine Witze über Namen!" Aber, trotzdem, vielleicht, ich sach mal: könnte Ppo Polizisten-Po bedeuten..? Hihihi, höhö.

    P.S. Zum Thema "Clowns" war Witziges in "Welt-Kompakt" zu lesen. Der Kollege dort erinnerte daran, wie verhaßt und spießig der Generation der 70er und 80er, durch Punk & Co. geprägt, diese Kleinkunsttypen als Relikte aus Hippie-Zeiten sind, befürchtete als nächsten Schritt der Eskalation weiß geschminkte Pantominen an der Demo-Front und rief "Erbarmen! Wir wollen auch immer freiwillig für Afrika spenden!".


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