Steinbrück entzieht vier Ministern Etathoheit
Streit um Bundeshaushalt 2009
09.04.2008, 17:19
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Will einen Haushalt ohne neue Schulden vorlegen: Finanzminister Steinbrück (Foto: dpa)
Der regierungsinterne Streit über die Aufstellung des Bundeshaushalts 2009 eskaliert. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung ist Finanzminister Peer Steinbrück nicht bereit, über die aus seiner Sicht völlig überzogenen Etatwünsche der Kabinettskollegen Michael Glos (Wirtschaft), Annette Schavan (Bildung), Heidemarie Wieczorek-Zeul (Entwicklungshilfe) und Wolfgang Tiefensee (Verkehr) auch nur zu diskutieren.
Er droht damit, den Haushalt ohne inhaltliche Mitwirkung der vier Ressortchefs aufzustellen und ihnen praktisch ein Budget zuzuweisen. Offenbar seien sich die Minister über die Konsolidierungsziele der Koalition nicht im Klaren, hieß es im Finanzministerium.
Setzt Steinbrück seine Drohung tatsächlich um, wäre das ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Bundesrepublik. Normalerweise melden die Fachressorts ihre Ausgabenwünsche im Februar beim Finanzminister an, im Laufe des Frühjahrs wird dann auf Beamten- und schließlich auf Ministerebene ein Kompromiss ausgehandelt.
Forderungen fielen hoch aus
In diesem Jahr fielen die Forderungen jedoch exorbitant hoch aus: Für 2009 lagen sie um 7,5 Milliarden Euro über der geltenden Finanzplanung, bis 2012 summierten sie sich sogar auf 41 Milliarden Euro.
In sechs Fällen wich die Ausgabenplanung so deutlich von den Vorgaben ab, dass Haushaltsstaatssekretär Werner Gatzer sie ohne jede inhaltliche Kommentierung zurücksandte und eine neue, deutlich abgespeckte Wunschliste verlangte. Während das Außen- und das Innenressort der Bitte - wenn auch verspätet - nachkamen, blieben die übrigen vier Ministerien stur.
Steinbrück und Gatzer wollen nun mit den betroffenen Kollegen lediglich über "technische Änderungen" in den Einzeletats diskutieren. So muss etwa die vereinbarte Lohnerhöhung im öffentlichen Dienst in die Budgets eingearbeitet werden.
Mit diesen und einer Reihe weiterer kleiner Änderungen sei der Finanzrahmen aber ausgereizt, hieß es im Finanzministerium. "Über politische Wünsche und alles andere, was über das laufende Geschäft hinausgeht, werden wir deshalb nicht verhandeln."
Steinbrück steht unter massivem Druck, weil er für 2011 erstmals seit 40 Jahren wieder einen Bundeshaushalt ohne neue Schulden vorlegen will. Angesichts der Konjunktureintrübung auf der einen sowie bereits beschlossener Mehrausgaben etwa für die Rente, das Kinder- und das Wohngeld auf der anderen Seite ist das ohnehin kaum noch zu schaffen. Setzen sich nun die Fachminister auch noch mit ihren zusätzlichen Ausgabenwünschen durch, kann die große Koalition ihr Ziel endgültig aufgeben.
Steinbrück ist auf Merkels Rückendeckung angewiesen
Theoretisch könnte Steinbrück den Haushalt völlig ohne Mitwirkung seiner Ministerkollegen aufstellen und ins Kabinett einbringen - solange Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter ihm steht. So weit will es der Finanzminister aber nach derzeitiger Planung nicht kommen lassen, da danach kaum noch eine vernünftige Zusammenarbeit mit den Kollegen möglich wäre.
Zudem wäre Steinbrück nicht der erste Finanzminister, der am Ende doch ohne Rückendeckung des Kanzlers dasteht. Noch allerdings trägt Merkel seinen Kurs mit. Im Laufe der kommenden Woche soll es ein Gespräch zwischen ihr und Steinbrück geben, bei dem der Minister den Stand der Dinge und sein weiteres Vorgehen erläutern will.
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![]() 10.04.2008 16:52:38 Harald Worsch: Hau rein Peer, und zwar richtig Ich wueschte es gaebe mehr normal denkende Verantwortliche wie den BMdF Steinbrueck. Normal, denn welcher normale Buerger macht jedes Jahr mehr (zusaetzlich zu den existierenden) Schulden? Und das auch noch in ´´guten´´ Jahren. Aber: Nichtwaehlen und Pol`verdrossenheit sind noch schlimmer.... A Catch 22! ![]()
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