Verschwiegener Sonnyboy
Ole von Beust
19.08.2003, 18:24
(SZ vom 20.08.2003) - Die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe stellt erste Ermittlungen an wegen des Verdachts auf Nötigung von Verfassungsorganen. Hamburgs Bürgermeister selbst hat Schills Drohung öffentlich gemacht und sie als Grund für die Entlassung seines Innensenators genannt.
Er hat in seiner Erklärung aber nicht gesagt, dass er schwul ist. Das lässt er offen. Erst recht nicht hat er gesagt, dass er ein Verhältnis zu seinem Justizsenator Roger Kusch unterhält. Das hat er sogar dezidiert in Abrede gestellt.
Gerüchte hat es immer gegeben. Beust hat sie nie kommentiert, weil er immer darauf gepocht hat, sein Privatleben von seinem politischen Auftreten zu trennen. Damit war er bislang erfolgreich, trotz Anspielungen in der Presse. Im Hamburger Stern erschien vor zwei Jahren ein Artikel mit der Überschrift "Schwule in der Politik: Die versteckte Fraktion" und dazu der Schattenriss eines Kopfes, in dem der, wer wollte, Ole von Beust wiedererkennen konnte.
Ein Aufstieg wie im Bilderbuch
Mitten im Wahlkampf war das. Doch drei Monate später hatte er den Bürgermeistersessel erobert. In der Bild-Zeitung musste Beust zur Jahreswende den Lesern gar erklären, warum er bei offiziellen Anlässen nie mit Frau zu sehen ist: "Es hat in meinem Leben natürlich auch erfüllte Liebesstunden gegeben, aber wenn ich darüber nachdenke, die größten Glücksmomente waren immer, wenn ich mit mir selbst im Reinen war und eine gewisse Einsamkeit in meinem Leben herrschte."
Sich zur Homosexualität zu bekennen, hat von Beust offenbar immer als problematisch betrachtet in seiner Partei, die in Hamburg ein eigentümliches Gemisch zwischen der üblichen Unionsklientel und einer auf hanseatische Umgangsformen pochenden Kaufmannschaft gebildet hat. Ihm schien es nie opportun, - etwa wie Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit - öffentlich von seiner Homosexualität zu reden und damit das Thema aus der Welt zu schaffen.
Der inzwischen 48-jährige Beust hat es während seiner gesamten politischen Karriere verstanden, das Thema zu umgehen. Schon als Schüler trat er in die Junge Union ein, war bald deren Chef in der Hansestadt. Er war 1978 jüngster Abgeordneter in der Bürgerschaft, mit 38 war er Chef der Bürgerschaftsfraktion der Union. Ein Aufstieg wie im Bilderbuch, und stets vermittelte Ole von Beust dabei den Eindruck einer gewissen Leichtigkeit.
Regieren mit leichter Hand
Das brachte ihm rasch das Etikett eines Sonnyboy ein. Und dazu passte, dass er gerne Urlaub auf Hamburgs Haus-Insel Sylt macht und nie den Anschein erweckt, die Dinge zu verbissen zu sehen. Vielleicht auch das hat die Hamburg seit Jahrzehnten regierenden Sozialdemokraten verleitet, ihn zu unterschätzen. Mit knappem Vorsprung gewann seine so genannte "bürgerliche Koalition" die Wahl im September 2001.
Seither regiert Beust mit leichter Hand. Er hat es verstanden, sich das Image eines präsidialen Bürgermeisters zu geben. Mit dem Klein-Klein des politischen Tagesgeschäfts befasst er sich nicht. Er steht für die großen Themen, etwa für die Konzeption der "Wachsenden Stadt", mit der Hamburg mehr Bürger, mehr Steuereinnahmen und mehr Selbstbewusstsein verschafft werden soll. Wenn es Krach gab in der Koalition, hat er ausgleichend eingegriffen. Dezent aber deutlich wies er auch schon mal seinen Zweiten Bürgermeister Ronald Schill zurecht. Aber eigentlich ließ er den Koalitionspartner nur zu gern auf die Pauke hauen.
Er wusste, dass Schill das auch tat, um seine Klientel zu bedienen. Ihm und der Union aber gab jede der Eskapaden Schills die Gelegenheit, sich als ruhender Pol und verlässlicher Partner in der Koalition darzustellen. Auch deshalb hat Beust nie lautstark auf die Ausfälle seines Zweiten Bürgermeisters reagiert, obwohl ihm Schills Politikstil persönlich zuwider sein dürfte.
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