Jetzt sind alle Reden gehalten, alle Versprechen unterm Volk. Man redet wirr. Es ist ernst. Was geht noch? Wir rätseln mit. Der Ausfluss reinster Herzen aus der Redaktion von sueddeutsche.de.

23.03 Uhr: Auch in der nächsten Hochrechnung tut sich nichts Entscheidendes. Kollege Schönborn, unser Mister Statistics, erläutert nochmal die Überhangmandate. Auch nach deren Einbeziehung liegt die Union knapp vorn. Offen bleibt Dresden I. Da tut sich erst in zwei Wochen was. Bis dahin wird noch viel Schweiß an den Beteiligten hinab rinnen. Wir können jetzt auch nicht mehr und schalten rüber zum Gute-Nacht-Dienst. Pffffft.


22.57 Uhr: Zugegeben: Wir haben einmal komplett durchgezappt: 40 Programme weit. Und - wo wir schon beim Beichten sind: Alles sah spannender aus. Selbst die sehr beruhigende, ja fast meditative 3sat-Endlos-Aufnahme von einer vernebelt-verregneten Autobahnbrücke herab. Aber nun sind wir wieder ganz vorn bei der Eins. Schlussrunde bei Miss Creme. Es wird nicht spannender. Herr, lass Abend werden! Und er erhört uns: Sabine Ch. schaltet zu Uli W.

Eine Drohung hat sie aber noch: "Tschüss, bis nächsten Sonntag."


22.44 Uhr: Pierer. Sagt, er sei gar kein Wahlkämpfer. Habe daran überhaupt nicht teilgenommen. Schafft es, Miss Creme ruhig zu stellen. Wenigstens für ein paar Sekunden. Spricht vom lebenslangen Lernen. Bütikofer macht große Augen. Pau legt den Kopf schief. Trotzdem: Eine eher fade Geschichte ist das hier. Aber wir sind schließlich verwöhnt. Die Schröder-Performance wird heute und wahrscheinlich auch in ferner Zukunft keiner mehr toppen.


22.35 Uhr: Wir halten "Christiansen" nicht mehr aus. Wir schalten weg, sonst schlafen wir auf der Stelle ein. Erlösung auf dem Zweiten: eine Leiche auf dem Rasen. "Kommissar Beck" löst den Fall. Sat 1 ist bei der Wahlparty der CDU. Dort klammert man sich an einen Strohhalm. Er sei drei Sitze stark laut neuester Hochrechnung ZDF. Aber die Pflicht ruft: Zurück zu Frau Christiansen.

22:23 Uhr: Wulff und Steinbrück bekommen sich in die Wolle. "Kanzler Schröder hat eine Klatsche bekommen", rappelt Wulff. Publikum applaudiert. Steinbrück hält den Mund. Dann Pierer über Kirchhof, Steuersätze, komplizierte Zusammenhänge kurz vor elf. Die Aufmerksamkeit nimmt ab. Jetzt Genscher: "Fünf Millionen Arbeitslose dürfen niemanden ruhig schlafen lassen." Das Publikum ist wieder wach. Applaus. Genscher im Monolog, lange Sätze. Zum Glück hakt Christiansen nicht nach, fordert Bütikofer auf. Bei dem schlagen zwei Seelen in der Brust. Aha. Es ist eben schon spät. Alle schauen nur noch, wie in der Elefanten-Runden vorher, alle haben den Blick drauf: Wann ist hier endlich Schluss?! Frau Pau spricht von starken Frauen, zählt welche auf, keiner kennt die Namen. Bütikofer mault rum.

22.00 Uhr: Und Stoiber lernt. Sagt: "Wir sind stärkste Fraktion. Jedenfalls so wie das im Moment aussieht." Das gebrannte Kind von 2002. Da hatte er ja schon mal ein bisschen zu früh die Jubelarme oben. So sehen Sieger jedenfalls nicht aus. Rüber ins Erste zu Sabine Ch.

Miss Creme heute: braune Schuhe, schwarze Hose, obenrum eher flamingofarben, Gesamteindruck: cremig. Aber: strenge Lesebrille. Wir sind schließlich im Öffentlich-Rechtlichen, nicht wahr. Die Beisitzer: der ausgefallene Kandidat und Top-Schwiegersohn Christian Wulff, der potenzielle SPD-Großkoalitionär Peer Steinbrück, der grüne Kugelfisch Reinhard Bütikofer, the one and only Gensch-Män (leider ohne Pulli), Petra-offen+ehrlich-PDS-Pau, der Wen-darf-ich-denn-jetzt-beraten-Berater Heinrich von Pierer und der gänzlich unspektakuläre Was-wird-denn-jetzt-Parteienforscher Professor Jürgen Falter - what a round!

Die erste Viertelstunde ist rum und wir wünschen uns diese wunderbar abgedrehte Elefantenrunde von viertelnachacht zurück. Miss Creme fragt: Was soll nun werden? Pierer meint: "Man darf nicht stehen bleiben." Wulff: guckt. Genscher: guckt. Er hat ja recht. Auch wenn er es nicht allen recht machen kann. Sagt: "Wir müssen um uns Kostenpositionen bemühen." Das sind sie doch, die Sätze, die wir jetzt hören wollen. Um Kostenpositionen bemühen! Das toppt ums Haar noch die Jamaica-Koalition.

Pierer schlägt die direkte Brücke zum Hochsprung. So ist das bei Christiansen. Jeden Sonntag. Gute Nacht, Deutschland. Folglich: fast nur schwarze Anzüge in der Runde.

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