Die Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen verdienen im Irak meist gutes Geld. Werden sie aber verletzt, sieht die Lage der Veteranen völlig anders aus als für die regulären Soldaten.
Pünktlich zum Dinner an Thanksgiving ist Carlos Lobera nach Hause nach Texas gekommen. "Ich war in Hochstimmung, glücklich, meine Familie wiederzusehen", sagt der 34-jährige Vater von vier Kindern über diesen Novembertag vor zwei Jahren.
In Dallas, wo die Militärmaschine gelandet war, warteten jubelnde Pfadfinder als Ehrenspalier. Lobera wollte sich einfach davonschleichen, doch dann packte ihn einer der Marines am Arm. "Du marschierst jetzt mit uns. Ohne dich wären wir nicht hier, du bist einer von uns", habe der Soldat gesagt.
Er hatte im Irak als Vertragsarbeiter Stahlplatten in Militärlaster geschweißt, um die Soldaten gegen die gefürchteten Sprengfallen zu schützen. Doch dass er nie wirklich einer von ihnen war, musste er im vergangenen Jahr bitter erfahren.
Zu Sylvester versetzten ihn die Knaller in Panik. Schon vorher hatte er seltsame Veränderungen bei sich bemerkt: plötzliche Wutanfälle und Albträume, die ihm den Schlaf raubten. Zum Psychologen ging er aber erst, als ihn seine Frau vor ein paar Monaten aus dem Haus warf.
"Etwa ein Drittel aller Contractors kommt aus dem Irak mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurück", sagt Paul Brand, Chef der Firma Mission Critical Psychological Services in Chicago, die sich auf die Beratung von Sicherheitsfirmen spezialisiert hat.
Doch anders als beim Militär gibt es keine Betreuung für die privaten Sicherheitsleute. Selbst wenn sie im Irak verletzt werden, gewährleistet das Militär nur eine Erstversorgung. Dann werden sie in die USA zurückgeschickt - und sich selbst überlassen.
Im Oktober wollen sich Betroffene in Texas zu einer Konferenz treffen. Spätestens dann wird die Öffentlichkeit auch von ihrem Schicksal Notiz nehmen. Vielen galten die Contractors als geldgierige Söldner - Lobera verdiente bis zu 13.000 Dollar monatlich.
(SZ vom 19.9.2007)


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