Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei nur Hoss' antike Gewehrsammlung. Foto: chf/oh
Wobei das Kommando ursprünglich gar nicht sofort zuschlagen sollte: In einem internen Schreiben hatte die Kreispolizei Siegburg am 4. Dezember angeordnet, Hoss "bei Verlassen seiner Wohnung anzusprechen und im Folgenden Person, Fahrzeug und Wohnung zu durchsuchen". Beim Einsatz vier Tage später entschieden sich die SEK-Beamten dann aber statt für Worte vor der Tür für Schläge auf der Straße. Erst danach fuhren sie zu Hoss nach Hause und suchten nach Handgranaten. Aber sie fanden keine. Nur ein paar antike Gewehre, Sammlerstücke, für die Hoss wie vorgeschrieben eine Waffenbesitzkarte besaß.
Ein Irrtum also. Der gesamte Einsatz entpuppte sich als unglückliche Kette von Fehlentscheidungen, die Hoss mit seiner Gesundheit bezahlen musste und mit seinem "alten Leben", wie er sagt.
Viel ist nicht übrig von diesem alten Leben, den Rest hat er zerschnitten und als Collage an die Küchenwand geklebt. Ein paar Schnipsel zeigen seine Kinder, Freunde, Hoss selbst als kräftigen Mann.
Ein Irrtum
Viel mehr Schnipsel aber zeigen Erinnerungen an verlorenen Besitz: seine Autos - "zwei Mercedes, ein BMW", den Briefkopf seiner Firma, sein altes Haus, das er nur "Luxusvilla" nennt. Einfach alles gab es da, sagt Hoss: zwei Kühlschränke, Schwimmbad, Videoüberwachung. Und eine Marmorbadewanne mit Schwanenhals-Wasserhahn, "vier Tonnen schwer, ein Kran musste sie ins Haus hieven". Selbst davon hat er Fotos, damit jeder sehen kann, was für ein Leben er einmal hatte, wie viel Geld, welche Statussymbole. Das ist ihm immer wichtig gewesen.
Und deshalb haben sie ihn beneidet im Dorf, meint Hoss, niemand habe ihm den Luxus gegönnt. Schon Jahre bevor er angeschwärzt wurde, führte er einen zähen Kleinkrieg mit seinem Nachbarn. Erst ging es nur um die Höhe der Thuja-Hecke, später stritten sie vor Gericht, am Ende drohten sie sich mit Fäusten, Kettensäge, Baseballschläger.
So viel Kampfgeist kann man sich kaum vorstellen, wenn man Hoss heute sieht: wie er selbst kurze Wege mit Krücken humpelt. Wie er stöhnt, wenn er aufsteht. Wie er geradezu besessen ist von diesem einzigen Thema: dem Unrecht, das ihm widerfahren ist, und dem Geld, das ihm deswegen zusteht. Er hat kein anderes Interesse mehr, spricht über nichts anderes, denkt an nichts anderes.
(Sie sind jetzt auf Seite 2 von 3) nächste Seite
In diesem Artikel:




Ein Mann und seine Sprüche
Deutschlands Mutti
Patzer, Pannen, Palin
"Spätrömische Dekadenz"
Blut soll fließen
Ikone des Protests
Pomp, Politik, Polygamie