"Heute Heuschrecken, damals Judenschweine"

    Kapitalismus-Debatte eskaliert

    03.05.2005, 10:34

    In der Kapitalismus-Debatte hat sich der Ton drastisch verschärft. Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn behauptete sinngemäß, SPD-Chef Müntefering hetze gegen Unternehmer wie einst die Nazis gegen Juden.

    Michael Wolffsohn Grossbild

    Michael Wolffsohn (Foto: dpa)

    Der Münchner Historiker Michael Wolffsohn hat die Kapitalismuskritik des SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering mit der antijüdischen Hetze der Nazis verglichen. In der Rheinischen Post wirft Wolffsohn dem SPD-Chef vor, Unternehmer mit Tieren gleichzusetzen.

    Bei Müntefering schwinge mit, dass diese „als Plage vernichtet, ausgerottet werden müssen“. Weiter erklärt der Professor an der Bundeswehrhochschule in München: „Heute nennt man diese „Plage“„Heuschrecken“, damals „Ratten“ oder „Judenschweine“.

    Jüdische Namen auf der Liste?

    Er könne sich nur die Augen reiben, wird Wolffsohn weiter zitiert. „In der größten Regierungspartei des heutigen Deutschland kursiere eine schwarze Liste von vermeintlich hyperkapitalistischen Unternehmen. Mindestens zwei sind „jüdisch“ bzw. tragen jüdische Namen.“

    „Der Mann hat sie nicht alle“, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses Rainer Wend (SPD) der Netzeitung. Wend verteidigte die Kritik Münteferings am Verhalten deutscher Firmen und internationaler Finanzinvestoren. „Wenn man im Einzelfall Kapitalisten kritisiert, dann spielt die religiöse Orientierung nun wahrlich keine Rolle.“

     
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    Müntefering hatte Mitte April die so genannte Kapitalismus-Debatte ausgelöst, als er internationale Finanzinvestoren, die Firmen übernehmen, um sie zu zerlegen und wieder abzustoßen, mit "Heuschrecken" verglich.

    Der Geschichtsprofessor Wolffsohn hatte bereits Anfang Mai vergangenen Jahres mit umstrittenen Äußerungen zum Thema Folter erheblichen Wirbel verursacht.

    Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte Wolffsohns Äußerungen als inakzeptabel bezeichnet, aber keine rechtliche Möglichkeit gesehen, den Professor abzulösen.

    (sueddeutsche.de/dpa/AFP/AP)

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