"Unverzügliche Überwachung" möglich

    Online-Durchsuchungen

    30.08.2007, 08:02

    Von Hans Leyendecker

    Das Innenministerium bereitet Online-Durchsuchungen vor. Geplant ist auch der Einsatz getarnter Behörden-Mails. Kritik an diesen Maßnahmen bezeichnet der Präsident des Bundeskriminalamts als "Angstmacher-Diskussion".

    BKA-Präsident Jörg Ziercke will jede Online-Überwachung individuell ausgestalten lassen (Foto: ddp)

    Der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), Jörg Ziercke, hat die massive Kritik an den geplanten Online-Durchsuchungen privater Computer als "Angstmacher-Diskussion, die zu Verunsicherung führen soll", bezeichnet. Es gehe schätzungsweise "um fünf bis maximal zehn solcher Maßnahmen im Jahr" sagte der Behördenchef dem Stern.

    Die Online-Ausspähung solle "ausschließlich" bei Verfahren im "Bereich des internationalen Terrorismus" eingesetzt werden: "Mehr ist nicht beabsichtigt und auch gar nicht möglich." Für jeden Einzelfall solle eine eigene Software entwickelt werden, "ein Unikat, das speziell auf die Rechner-Umgebung eines Verdächtigen zugeschnitten ist".

    Die SPD reagierte zurückhaltend auf die Äußerungen Zierckes. "Es gibt weiterhin etliche ungelöste Fragen", sagte der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, der Süddeutschen Zeitung: "Wir befinden uns auf einem schwierigen, rechtlichen Gelände." Die SPD werde "auf jeden Fall" eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts abwarten, die für den Spätherbst erwartet wird.

    Der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) hatte im Frühjahr gegen das nordrhein-westfälische Gesetz, das dem Verfassungsschutz das heimliche Ausspähen von Computern erlaubt, Beschwerde in Karlsruhe eingelegt. Vorwürfe der Union, die SPD spiele auf Zeit, wies Wiefelspütz zurück. "Es wäre töricht, die Meinungsbildung abzuschließen, bevor Karlsruhe entschieden hat."

    Das Bundesinnenministerium zeigt sich jedoch überzeugt, Online-Überwachungen technisch und juristisch rasch umsetzen zu können. Das geht aus Antworten des Innenressorts auf Fragenkataloge der SPD-Fraktion und des Bundesjustizministeriums hervor, die von dem Internet-Portal Netzpolitik.org veröffentlicht wurden.

    Zehn Fälle seit 2005

    Die Entwicklung eines Überwachungsprogrammes könnte "bei Aufhebung des gegenwärtig verfügten Entwicklungsstopps unverzüglich abgeschlossen sein", hatte das Innenministerium geschrieben. In den Vermerken unterscheidet das Ministerium zwischen einer einmaligen "Online-Durchsicht" des Computers und einer längerfristigen "Online-Überwachung".

    Die neuen Rechtsgrundlagen sollen beides ermöglichen. Unklar bleibt, ob BKA-Beamte in die Wohnungen sogenannter Zielpersonen einsteigen sollen, um die Rechner zu präparieren. "Grundsätzlich ist die unwissentliche Mitwirkung der Zielperson notwendig, um eine Entdeckung der Maßnahmen zu verhindern", heißt es in einem der Vermerke.

    Im Stern-Interview hatte Ziercke auf eine entsprechende Frage ausweichend reagiert: "Da gibt es viele Möglichkeiten." Es sei auch möglich, die Software online über das Internet auf den Computer aufzuspielen. Statt eines im Internet üblichen Trojaners solle eine "spezielle Remote Forensic Software" (RFS) eingesetzt werden.

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    Leserkommentare (5)



    10.09.2007 02:11:43

    ferraristo: online überwachung

    ahnend, dass Diejenigen,welche schon seit Start des Internets "Alles" verfolgen (nicht nur die NSA, es aber niemandemsagen, außer ihren Ehefrauen, (eine der wenigen Erkenntnisse Freuds, welche ich akzeptiere - das Geheimnis führt in die Neurose-) werden unsere Computer und sonstigen IT- Instrumentarien (SMS etc.) längst ausgewertet.

    Verkennend,dass die leider, intelligenteren "Bösen" erst garnicht auf Handy, Internet und Co. zurücjgreifen, wird aktionistisch die Notwendigkeit umfassender Überwachung dem Volk schmackhaft gemacht. Das z.B.die 3 mutmaßlichen islamischen Terroristen, gerade im Hesisch/Nordrhein-Westfälischen Grenzgebiet (so wasgibt es noch? hatten wir nicht erst neulich alle innerdeutschen Grenzen beseitigt?) gefasst wurden, nur der Aufmerksamkeit des Wachpersonals amerikanischer Kasernen verdankend, zeigt doch, dass die populistische Onlinedurchsuchung weder hier noch in zukünftigen Fällen nichts erbringen wird. Schon in der "Allgemeinen Kriminologie" Braunecks, können wir nachlesen,dass nur Jene gefasst werden,welche auch erwischt werden wollen. Die 2% der Elite, die nicht gefasst werden will (die auch niemand kennt) werden nur durch die Aufmerksamkeit solcher Bewacher entdeckt. Zum Glück ist eben jeder fehlbar,auch der Böse.

    Mir zeigt diese Geschichte, dass diese erkennbar populistische Maßnahme der Überwachung nur der Ablenkung von der Unfähigkeit unserer Sicherheitsorgane dient. Im Übrigen ist es obendrein auch weniger gefährlich. Obwohl, nach der Statistik ist ja die, immer verkannte, Hausfrau im Berufsleben am meisten gefährdet.

    Also doch,(Haus-) Frauen an die Macht? zumindest bei der Exekutive?


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