Für die Regierung Bush ist der Einsatz privater Militärfirmen ideal, denn die Kosten des Kriegs und viele Tote können verschleiert werden.
Gefährlicher Job, gut bezahlt: Immer wieder werden Mitarbeiter privater Sicherheitsfirmen in Bagdad in Schießereien verwickelt. Foto: afp
Sie kochen das Essen der US-Soldaten und waschen ihre Uniformen, sie bauen Unterkünfte und schaffen Nachschub fuer die Truppen durch den Irak.
Sie warten Waffensysteme, stehen Wache in Bagdads Grüner Zone und schützen den US-Botschafter wie auch einige hochrangige Generäle. Eine zweite, eine private Armee ist im Auftrag der Regierung Bush im Irak aufmarschiert.
Nach manchen Schätzungen überflügelt die Zahl der sogenannten Contractors, also der von privaten Sicherheitsfirmen bereitgestellten Dienstleister, bei weitem jene der momentan etwa 162.000 US-Soldaten im Irak.
Die Los Angeles Times berichtete unter Berufung auf Quellen im US-Verteidigungsministerium von 180.000 Männern und Frauen, die, bezahlt von amerikanischem Steuergeld, für das Verteidigungs- und Außenministerium im Irak Dienst leisten.
Bis zu 30.000 von ihnen sollen Amerikaner sein, etwa 40.000 weitere stammen aus Drittstaaten, der Rest sind Iraker. Wie viele es genau sind, weiß niemand. Auch die US-Regierung hat längst den Überblick verloren in einem Dickicht von Veträgen mit mehr als 600 Subunternehmern.
Die demokratische Abgeordnete Janice Schakowsky aus Chicago vermutet dahinter nicht nur Schlamperei, sondern System. "Der Vorteil für die Regierung liegt darin, dass viele dieser Operationen im Dunklen bleiben und die tatsächlichen Kosten des Kriegs verschleiert werden - nicht nur, was Dollars angeht, sondern vor allem, was Menschenleben anbetrifft."
Peter W. Singer, Wissenschaftler beim liberalen Think Tank Brookings Institution und Autor eines Buches über Kriegsunternehmer, weist auf einen anderen Aspekt hin. Der Einsatz privater Militärfirmen sei "eine attraktive Antwort auf viele Probleme" gewesen.
"Die Regierung hätte sonst eingestehen müssen, dass die Kriegsplanungen des damaligen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld völlig falsch waren", sagt er mit Blick auf die politische Vorgabe, die Invasion mit möglichst wenig Soldaten zu bewerkstelligen.
"Und das war so ziemlich das letzte, was man vor der Präsidentenwahl 2004 wollte." Die politischen Kosten für den Einsatz privater Sicherheitsfirmen seien "beinahe null - es gibt keinen öffentlichen Aufschrei, wenn weitere Contractors in den Irak geschickt werden, es gibt keine offizielle Statistik über Tote und Verletzte", sagt Singer.
Die Demokratin Janice Schakowsky, die dem Geheimdienstausschuss angehört und zu den entschiedensten Kritikern des Irak-Kriegs zählt, will die Regierung Bush mit einem Gesetzentwurf zwingen, offenzulegen, wer im Einzelnen die Befehlsgewalt über die Contractors ausübt, welche Aufgaben genau sie im Irak erfüllen, wie hoch die Kosten dafür sind und wie das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist verglichen damit, wenn Soldaten die gleichen Aufgaben übernehmen würden.
"Früher haben nämlich junge Soldaten all diese Arbeiten gemacht", sagt sie und verweist auf die Streitmacht von mehr als einer halben Million, die 1990 gegen Saddam Hussein in den Krieg zog.
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