Sexskandal erschüttert griechische Politik

    Griechenland

    01.02.2008, 13:09

    In der griechischen Politik dreht sich derzeit alles um einen Erpressungsversuch, ein Video mit pikantem Inhalt und einen gescheiterten Selbstmordversuch. Premier Karamanlis gerät zunehmend in Bedrängnis.

    Einen Monat nach Aufdeckung eines Sexskandals scheint das politische System Griechenlands mächtig ins Wanken zu geraten: Weniger als 60 Prozent der Bürger bekunden in Umfragen, dass sie den beiden großen Parteien, der regierenden konservativen Nea Dimokratia (ND) und der oppositionellen Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (Pasok), noch vertrauten. Bislang kamen die beiden Parteien stets auf mehr als 80 Prozent der Wählerstimmen.

    Bei Regierungschef Kostas Karamanlis sieht es noch schlechter aus: Mehr als die Hälfte der Bürger hält ihn für unfähig, Korruption und Vetternwirtschaft im Land zu bekämpfen.

    Hintergrund ist der Selbstmordversuch des früheren Generalsekretärs im griechischen Kulturministerium, Christos Zachopoulos. Der 53-Jährige, ein enger Freund des griechischen Premiers Karamanlis, hatte sich Ende Dezember aus dem vierten Stock seiner Wohnung im Zentrum Athens gestürzt und schwer verletzt überlebt.

    Rücktrittsforderung an den Freund

    Die Ermittlungen ergaben, dass der Ex-Generalsekretär mit einem Sex-Video erpresst worden war, auf dem er mit seiner Sekretärin zu sehen war. Als er die Zahlung von 200.000 Euro verweigerte, wurde das Video an den Ministerpräsidenten geschickt. Dieser forderte daraufhin den Rücktritt seines Freundes und Mitarbeiters.

    Dem Skandal folgte eine nie dagewesene Schlammschlacht, die in den TV-Sendern des Landes jeden Abend aufs Neue ausgetragen wird. Stundenlang verfolgen die Zuschauer die neuesten Entwicklungen. Alte Sexskandale und Korruptionsaffären werden wieder aufgewärmt und dem Zuschauer präsentiert. "Es ist eine widerliche Schlammlawine. Und das Schlimmste: Keiner scheint in der Lage zu sein, das Land aus dieser Skandal-Jauche herauszuziehen", sagen Bürger in den Straßencafés von Athen.

    Verleger und Star-Journalisten sollen vom Fall der Erpressung von Zachopoulos seit Monaten gewusst und ihn verheimlicht haben. Mindestens zwei Regierungsabgeordnete werden beschuldigt, Verlegern von Boulevardzeitungen die Einstellung von Verfolgungen wegen Geldwäsche versprochen zu haben, wenn sie den Skandal verheimlichen würden.

    Ministerpräsident Karamanlis scheint in dieser Situation machtlos zu sein. Er verfügt nur über eine hauchdünne Mehrheit von 152 der 300 Abgeordneten im Parlament. Sollte er die beiden Abgeordneten feuern, die in den Skandal verwickelt sein sollen, würden Neuwahlen unausweichlich werden.

    Zur Freude der kleinen Parteien

    Doch auch die Sozialisten können nicht von dem Chaos profitieren: Nach mehreren Wahlniederlagen wird die Partei des ehemaligen griechischen Außenministers Giorgos Papandreou von Machtkämpfen erschüttert. "Das ist das Drama der Politik in Griechenland heutzutage. Die Regierung kann nicht richtig regieren und die Opposition kann nicht beweisen, dass sie eine Alternative ist", sagt der Chefredakteur der linken Athener Zeitung Avgi.

    Lachende Dritte sind in diesem Fall die kleineren griechischen Parteien. Erstmals legen die beiden linken Parteien, die Kommunistische Partei und das Bündnis der Radikalen Linken, in den Umfragen gemeinsam auf fast 18 Prozent der Stimmen zu.

    (dpa/schä/woja)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (1)



    01.02.2008 14:11:24

    grandsoleil: Sekretärin

    Sorry,

    aber es war keine Sekretärin sondern eine befristest angestellte Archäologin, die neben den 200.000 € eine Festanstellung im Kulturministerium erpressen wollte.

    Besser recherchieren... Wie wäre es mit einem Griechenlandkorrespondenten.

    Beste Grüße, Grandsoleil


    2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet



    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de