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Von Louay Yassin

Der verstorbene Rechtsanwalt und NPD-Gönner Jürgen Rieger hinterlässt sein Vermögen der Familie. Der Partei droht ohne seine Unterstützung der finanzielle Kollaps.

JÜgen Rieger, dpaGrossbild

Jürgen Rieger war bis zu seinem Tod Gönner der NPD - posthum hat er die Neonazis "enterbt". (Foto: dpa)

In der NPD geht die Angst um. Nach dem Tod ihres Vize-Parteichefs und Geldgebers Jürgen Rieger steht die rechtsradikale Partei nach Ansicht von Experten vor dem finanziellen Kollaps. Der reiche Hamburger Anwalt und rechtsextreme Aktivist hatte die Partei immer wieder mit viel Geld unterstützt.

So rechnete Rieger auf seiner Homepage vor, dass allein der Landesverband Mecklenburg-Vorpommern 295.000 Euro für den Wahlkampf 2006, dazu einen Kredit über 150.000 Euro und einen Zuschuss von 75.000 Euro erhalten habe. Auch dem Hamburger Landesverband habe er ein sechsstelliges Darlehen gewährt.

Den niedersächsischen Rechtsextremen griff er mit 50.000 Euro unter die Arme und auch der stets klamme Bundesverband wird für den Wahlkampf 2009 einiges an Unterstützung erhalten haben. Was, wenn die Familie nun all das verliehene Gelder zurückverlangt? In einem Internet-Blog sorgt sich schon ein rechter Anhänger: "Ich hoffe nur, dass mit seinem Tod nicht die ganze NPD in sich zusammenfällt."

Strafzahlungen an den Staat

Der NPD steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Wegen Verstößen gegen das Parteiengesetz soll sie 1,27 Millionen Euro an den Staat zurückzahlen. Ein ehemaliger Schatzmeister erleichterte die Partei um mindestens 700.000 Euro.

Nach Riegers Ableben vergangene Woche war die rechte Szene geschockt. Mit dem Tod des 63-jährigen umtriebigen Multifunktionärs hatte niemand gerechnet. Anscheinend gibt es wenig klare Abmachungen über das geliehene Geld. Es müsse abgewartet werden, welche Anweisungen der Anwalt "für den Fall seines Ablebens" getroffen habe, schrieb ein Weggefährte kurz nach dem Schlaganfall in einem Neonazi-Forum.

Familie hat mit Rechten nichts am Hut

Wie es derzeit aussieht, hat Rieger keine "Anweisungen" hinterlassen und seine Anhänger und Weggefährten nicht bedacht. Der NDR berichtete, der braune Multimillionär habe sein komplettes Vermögen allein seiner Familie vermacht. Das ist denkbar schlecht für die Rechtsradikalen, denn Riegers Familie hat mit der braunen Ideologie und deren Protagonisten nichts am Hut. Seine älteren Kinder sollen bewusst soziale Berufe gewählt haben, um sich vom Vater abzusetzen. Und auch der Bruder hielt Distanz zu Riegers rechtem Fanatismus.

Entsprechend schnell reagierte die Familie, als Rieger in die Klinik eingeliefert wurde. Sie verhängte sofort Nachrichtensperre über den Gesundheitszustand des Angehörigen. So kam es, dass die NPD noch nach dem Tod Riegers eine Presseerklärung herausgab, in der man dem "Kameraden Rieger" wünschte, "er möge den schwersten Kampf seines Lebens erfolgreich bestehen".

Außerdem kündigten die Angehörigen an, dass weder die Trauerfeier noch das Grab Riegers Anlaufstelle der rechten Szene werde. Die Familie plant für den NPD-Funktionär, der persönlich diverse braune Gedenkmärsche zum Grab von Hilter-Stellvertreter Rudolf Heß in Wunsiedel organisiert hatte, offenbar eine anonyme Bestattung. Man denke an eine Feuer- oder Seebestattung, sagte Sohn Harald Rieger.

(sueddeutsche.de/mati)

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Leserkommentare (28)



05.11.2009 18:58:43

Carmor:

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