- Engagement in der Erdgas-Branche - "Fischer berät Nabucco"
- Merkel bei Obama - Angelas kleine Anekdote
Ruf nach höherer Mehrwertsteuer
CDU-Ministerpräsident Oettinger
25.06.2009, 20:26
|
Von B. Dörries und C. Hulverscheidt |
Nun also doch: Als erster Unions-Politiker plädiert Günther Oettinger für eine Erhöhung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes. (Foto: AP)
Als erster Spitzenpolitiker der Union hat Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger am Donnerstag dafür plädiert, den ermäßigten Mehrwertsteuersatz zu erhöhen. Der günstigere Satz gilt etwa für Lebensmittel, Bücher und Bustickets. Zuvor hatte die CDU-Parteispitze in Berlin Forderungen nach einer solchen Anhebung des Steuersatzes strikt zurückgewiesen.
Der ermäßigte Mehrwertsteuersatz liegt derzeit bei sieben Prozent. Er gilt unter anderem auch für Blumen und Tierfutter. Er soll sicherstellen, dass sich auch ärmere Menschen Lebensmittel sowie Bücher, Zeitungen, Bustickets und Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen leisten können. Allerdings sind in den vergangenen Jahrzehnten so viele Ausnahmeregelungen hinzugekommen, dass selbst Experten den Überblick verloren haben. Alle Versuche, das Dickicht zu lichten, sind bislang gescheitert.
"Anpassung auf bis zur Hälfte ist denkbar"
Oettinger trat am Donnerstag im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung dafür ein, den ermäßigten Satz von sieben auf 9,5 Prozent anzuheben. "Eine Anpassung auf bis zur Hälfte ist denkbar", sagte er mit Blick auf den vollen Mehrwertsteuersatz, der seit Anfang 2007 bei 19 Prozent liegt.
Historisch gesehen habe der ermäßigte Satz meist die Hälfte des vollen Satzes betragen, erklärte der Ministerpräsident. Tatsächlich galt dieses Prinzip bis Ende des Jahres 1992. Oettinger betonte, dass er den normalen Mehrwertsteuersatz nicht anheben wolle. Gaststätten und Hotels sollen nach seinen Vorstellungen sogar entlastet werden und künftig nur noch den halben Satz zahlen.
Noch erheblich weiter als Oettinger war zunächst der CDU-Finanzexperte Bernhardt gegangen. Er plädierte in der Rheinischen Post am Donnerstag dafür, "nach der Bundestagswahl die Ausnahmen abzuschaffen und einen einheitlichen Satz einzuführen".
Dieser könne statt bei 19 bei 18 Prozent liegen, die Senkung mit den Mehreinnahmen lasse sich aus dem Wegfall des ermäßigten Satzes finanzieren, wurde Bernhardt zitiert. Die Zusatzerlöse lägen demnach bei 14 Milliarden Euro.
Der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion verwies darauf, dass die noch heute geltenden Niedrigsatzregelungen zum Teil in den sechziger Jahren unter "völlig anderen gesellschaftlichen Umständen" eingeführt worden seien. Nach einer Intervention durch den CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte Bernhardt der Augsburger Allgemeinen, niemand in der Union habe "die Absicht den ermäßigten Steuersatz abzuschaffen".
Mit den Äußerungen Oettingers droht der Union nach dem Disput um Steuersenkungen in der nächsten Wahlperiode nun auch ein Grundsatzstreit über Steuererhöhungen. Pofalla hatte Bernhardts Äußerungen als "Einzelmeinung" abgetan, die "in keinster Weise den Zielen der Union für die nächste Legislaturperiode" entspreche.
"Höchstmöglicher Unfug"
Einen Medienbericht, wonach unionsintern über eine Anhebung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes nachgedacht wird, wies er als "Unsinn" zurück. Pofallas CSU-Kollege Alexander Dobrindt sprach gar von "höchstmöglichem Unfug".
Die Aussagen Oettingers sind jedoch ein Beleg für die Sorge, dass die riesigen Löcher, die sich in den kommenden Jahren aufgrund der Wirtschaftskrise in den öffentlichen Haushalten auftun werden, ohne Steuererhöhungen nicht schließen lassen.
Scharfer Protest gegen mögliche Steuererhöhungen kam von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie. "Es kann nicht sein, dass die Kosten der milliardenschweren Rettungspakete für den Banken- und Automobilsektor nun von Ernährungsindustrie und Verbrauchern getragen werden sollen", sagte Verbandspräsident Jürgen Abraham. Die Grünen erklärten, die Bürger hätten Anspruch darauf, von der Union vor der Wahl zu erfahren, welche Belastungen durch die explodierende Neuverschuldung auf sie zukommen werden.
Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Christine Scheel sagte: "Wer den niedrigen Mehrwertsteuersatz für Lebensmittel anheben will, trifft Menschen mit niedrigen Einkommen, Arbeitslose sowie Rentner." Linkspartei-Chef Oskar Lafontaine sagte: "CDU und CSU lassen die Katze aus dem Sack: Die Ärmsten sollen die Zeche der Krise zahlen."
|
|
ANZEIGE
mehr ...

Baden-Württemberg - Mappus will Oettinger-Nachfolger werden
Oettinger neuer EU-Kommissar - Ein Technokrat für Brüssel
Baden-Württemberg - CDU nominiert Mappus als Oettinger-Nachfolger
Baden-Württemberg - Brutus Mappus
EU-Kommissar Günther Oettinger - Königsweg nach Brüssel
Baden-Württemberg - Stächele wird neuer Finanzminister
Günther Oettinger - Lieber Schwarz-Grün als große Koalition
Themen

![]() 26.06.2009 18:16:53 Ankur: Glaubt eigentlich irgendwer, dass auch nur eine der Parteien (inclusive der Linkspartei) keine Steuererhöhungen vornimmt? Von so bedeutenden Gruppen wie der zentrumspartei, den Grauen Panthern oder was weiss ich mal abgesehen. Sparen kann keine von denen. Wir bauen weiter lustig für Milliardensubventionen neue ICE Strecken, wo man in den Zügen vor Wochenenden und Feiertagen nach wie vor auf dem Fußboden sitzt. Nur eben kürzer. Die durchschnittliche Pension wird nach wie vor 2.5 mal höher sein wie die Durchschnittsrente. Die Energieabzocke beim Strom unter den vier großen Konzernen wird weiter bestehen bleiben, genau wie vor Feiertagen spontan Spritpreise schnell hoch und nur langsam wieder runtergehen - ohne dass es natürlich Absprachen gegeben hat. Banken werden weiter gerettet werden, egal wie bescheiden diese gemanaged wurden. Schließlich hat die Elite unserer Politik (Oskar eingeschlossen) in diversen Aufsichtsräten gesessen und während Ihrer Aufsicht nichts verwerfliches gefunden. Natürlich ist denen daher nicht zuzumuten, einfach die Spareinlagen privater Sparer und die Girokonten von Firmen bis zu sinnvollen Obergrenzen zu garantieren. Ich wette, die dadurch einsetzend Selektion im Bankensektor ist gesünder als jeden Verein auf Steuerzahlers Kosten künstlich am Leben zu erhalten. Ich bin ein großer Fan der freien Marktwirtschaft. Aber natürlich in sinnvoll gesetzten Grenzen. Wer nicht reguliert werden will, der bekommt keine Unterstützung. Höchstens einen Besen um die Trümmer zusammenzufegen. Das Interesse des Staates darf ausschließlich sein, die Folgekosten für ALLE Steuerzahler möglichst gegen Null gehen zu lassen. ![]()
![]() Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage. |
Mr. Wong
Delicious
Digg
Yigg
Technorati
Google
MySpace
Facebook
Webnews























