Der TV-Sender nennt es eine "alternative Weihnachtsbotschaft": Auf Channel 4 hält Irans erzkonservativer Präsident eine Rede an Heiligabend. Es hagelt Kritik.

Ahmadinedschad, GettyGrossbild

Britische Fernsehzuschauer können Mahmud Ahmadinedschads Rede auf Channel 4 verfolgen. (Foto: Getty)

Der britische Fernsehsender Channel 4 bietet dem weltweit umstrittenen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad eine Plattform für eine Weihnachtsansprache.

Die Botschaft solle eine Alternative zur traditionellen Weihnachtsansprache von Queen Elizabeth II. sein, teilte der Sender am Mittwoch in London mit. Ahmadinedschads Ansprache soll am 25. Dezember um 19.15 Uhr (20.15 Uhr MEZ) ausgestrahlt werden, die der Königin läuft um 15.00 Uhr auf den Sendern BBC und ITV.

Kritik an der Entscheidung des Senders gab es gleich von mehreren Seiten. Der erzkonservative iranische Politiker ist vor allem wegen seiner Israel-Feindschaft und Missachtung der Menschenrechte hoch umstritten. Auch beschuldigt der Westen den Iran, an einer Atombombe zu bauen.

Mit seinen "alternativen Weihnachtsansprachen" hat Channel 4, der sich privat finanziert, aber gleichzeitig einen öffentlichen Programmauftrag hat, schon öfter für Wirbel gesorgt. Ein Sprecher des Senders sagte, die Botschaft des iranischen Präsidenten sei eine geistige und beinhalte gute Wünsche für die Jahreszeit. Die Beziehungen zwischen Iran und dem Westen würden 2009 eine zentrale Rolle spielen, weshalb Ahmadinedschad für die Ansprache ausgewählt worden sei, hieß es in der Mitteilung des Senders.

"Lächerliche und beleidigende Ansichten"

Der Direktor des britischen Holocaust-Zentrums, Stephen Smith, sagte dagegen, Ahmadinedschads vermeintlich "gütige" Botschaft sei "irreführend". "Den Menschen muss bewusst sein, dass es sich hier um einen Wolf im Schafspelz handelt." Viele seiner politischen Ansichten seien sehr gefährlich und würden nicht in dieser Weihnachtsbotschaft widergespiegelt. Er kritisierte, dass "jemand, der den Holocaust leugnet" legitimiert würde, indem er zur besten Sendezeit sprechen dürfe. Homosexuellen-Verbände kritisierten derweil Ahmadinedschads "lächerliche und beleidigende" Ansichten.

Die Nachrichtenchefin von Channel 4, Dorothy Byrne, verteidigte die Entscheidung. Die "Ansichten eines Führer eines der mächtigsten Länder im Nahen Osten" hätten "äußersten Einfluss". "Wir wollen unseren Zuschauern einen Einblick in eine alternative Weltanschauung geben." Mit der Botschaft wolle Ahmadinedschad den Briten Glückwünsche zur Geburt Jesu aussprechen. Darin werde er auch sagen, der "allgemeine Wille der Nationen" sei es, zu "menschlichen Werten" zurückzukehren.

Channel 4 hat bereits seit 16 Jahren am ersten Weihnachtsfeiertag eine alternative Ansprache zur Rede der Königin im Programm. In diesem Jahr wurde jedoch entschieden, diese nicht zeitgleich mit der Ansprache der Queen auszustrahlen. In der Vergangenheit gehörte der britische Komiker Sacha Baron Cohen („Borat“) zu den Rednern, aber auch ein Elternpaar, dessen Sohn ermordet worden war. 2006 trat eine vollkommen verhüllte Muslimin auf, die den ehemaligen Außenminister Jack Straw wegen seiner Kritik am Gesichtsschleier angriff.

(dpa/gba)

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