Freund der USA und des Islam
Präsidentschaftskandidat Gül
01.05.2007, 20:53
Die Demonstranten schrieben seinen Namen mit drei Großbuchstaben, am Anfang: ABDullah Gül, malten sie auf Plakate, und strichen dann die ersten drei Buchstaben wieder durch. Weil ABD im türkischen auch für USA steht.
Die Plakate waren zu sehen bei der Großdemonstration gegen die Regierung am vergangenen Sonntag, als sich in Istanbul Hunderttausende zusammenfanden, um zu verhindern, dass Abdullah Gül Staatspräsident der Türkei wird.
Als "Islamisten" beschimpften Demonstranten den derzeitigen Außenminister Gül und im nächsten Atemzug als "Amerikaner", deshalb das Kreuz über dem ABD. Wie passt das zusammen: der angebliche Fundamentalist - ein Freund Washingtons?
Widersprüche störten viele der Protestierenden offenbar nicht, auch nicht das seltsame Bündnis, in dem sie sich in Opposition zu Gül und der Regierungspartei AKP auf der Strasse zusammengefunden hatten.
| Bildstrecke Machtkampf in der Türkei | ||||||||||||||
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Da waren Linke und Laizisten, Globalisierungsgegner und stramme Nationalisten, die mit der Parole antraten, "Weder EU, noch USA, für eine unabhängige Türkei". Es kamen aber auch viele Frauenorganisationen zu der Demonstration, und ihr Protest richtete sich nicht nur gegen einen Staatspräsidenten Abdullah Gül, sondern vor allem gegen dessen Ehefrau Hayrünisa. Denn die trägt ein islamisches Kopftuch.
Im Rückblick auf eine turbulente Woche - an deren Anfang die Entscheidung der AKP für ihren Kandidaten und am Ende das Votum des Verfassungsgerichts gegen ihn steht - könnte man sagen: Es war womöglich vor allem das Kopftuch von Frau Hayrünisa, das den Gül-Gegnern ein einfaches Symbol für ihren Widerstand gab.
Frauen demonstrieren gegen den Kandidaten Abdullah Gül (Foto: Reuters)
"Das ist eine persönliche Angelegenheit meiner Frau", hatte Gül gesagt, gleich nach seiner Nominierung zum alleinigen Präsidentschaftskandidaten, als ihn Reporter fragten, wie es das Paar den mit der heiklen Kopftuchfrage halten wolle.
Das Tuch war bislang im Präsidentenpalast Cankaya Tabu. Das scheidende Staatsoberhaupt Ahmet Necdet Sezer hatte Ministergattinnen mit islamischer Verhüllung zu seinen Empfängen gar nicht erst eingeladen.
Staatsgründer Atatürk wollte von Religion nichts wissen, seine offiziellen Nachfolger misstrauen dem Islam, aber sie mögen auch keine christlichen Kirchen, die in der Türkei immer noch keinen Rechtsstatus haben.
Die AKP sagt, der Staat müsse sich mit seinen religiösen Bürgern irgendwann aussöhnen. Dies sei kein Islamismus. Ihren Wählern versprach die AKP, das strikte Kopftuchverbot an Universitäten zu lockern. Vergeblich. Das Verfassungsgericht war dagegen.
Hayrünisa Gül wandte sich wegen des Verbots sogar an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Als ihr Mann Minister wurde, zog sie die Klage wieder zurück. Der Gerichtshof hat später dennoch entschieden: Er hat gesagt, die Türkei soll diese Frage selbst regeln. Da war Frau Gül von Europa enttäuscht.
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