Von Bono

50 Jahre nach Inkrafttreten der Römischen Verträge muss sich Europa mehr um die Ärmsten der Armen kümmern. Vom Völkermord in Darfur bis zu den Sterbelagern in Kigali: Es gibt viel zu tun.

Soldat in Darfur

Unzählige Krisenherde, allgegenwärtige Armut: Europa muss Afrika helfen. Foto: AFP

Vor 50 Jahren wurde die Idee von Europa niedergeschrieben, in einem noch sehr unruhigen Kontinent, der jedoch die schlimmste Phase der Nachkriegszeit schon hinter sich hatte.

Die Luft war frei von Schwefel, wenn auch nicht von Zorn.Europa wurde wieder aufgebaut, um den nächsten Krieg zu führen: eine Schlacht nicht nur der Ideologien - Demokratie gegen missionarischen Kommunismus -, sondern der atomaren Arsenale. Kein Moment zum Träumen, eher ein Moment, einen Keller zu bauen und einen Jahresvorrat Dosensuppen zu bestellen.

Und doch war dies der Moment, in dem das neue Europa geboren wurde. Auf diesem Kontinent, der die Bühne für die dunkelste Stunde der Menschheit gewesen war, wurden wir Zeuge eines Wunders, eines sehr menschlichen Wunders.

Die Europäer fanden heraus, dass ihre Fähigkeit zu zerstören ähnlich groß war wie die Fähigkeit zur Vergebung, Gnade und Hoffnung. 1957 unterzeichneten sechs Nationen die Römischen Verträge und lieferten damit ein Musterbeispiel für multilaterale Beziehungen, Wohlstand und internationale Solidarität.

50 Jahre vorgespult ins Jahr 2007: Ein irischer Rockstar liest die Römischen Verträge mit einer Begeisterung, wie sie ein Kind für kalte Bohnen aufbringt, entdeckt aber etwas, das Technokraten Poesie nennen könnten. Nicht sehr viel - nur hier und da eine spezielle Ausdrucksweise.

Nicht Jefferson, aber immerhin

Wie etwa im Artikel 177, in dem die Gemeinschaft aufgefordert wird, "die nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklung der Entwicklungsländer, insbesondere der am meisten benachteiligten Entwicklungsländer", zu fördern und die Armut in diesen Ländern zu bekämpfen. Das ist nicht gerade Thomas Jefferson, aber es ist eine Vision zu spüren, die uns verpflichten sollte.

In den nächsten 50 Jahren könnten wir ein bisschen mehr Poesie brauchen, nicht nur um den Glauben der Menschen in die Verfassung wiederzubeleben. Europa ist ein Gedanke, der ein Gefühl werden muss.

Ein Gefühl, das auf dem Glauben basiert, dass Europa nur bestehen kann, wenn die Ungerechtigkeit überwunden wird und wir uns nur dann zurechtfinden, wenn unsere Nachbarn mit uns in Freiheit und Gleichheit zusammenstehen.Unsere Humanität wird geschmälert, wenn wir keine Mission haben, die größer ist als wir selbst.

Ein Weg, zu definieren, wer und was wir im 21. Jahrhundert sind, und um unsere Existenzberechtigung für uns selbst und den Rest der Welt zu verteidigen, könnte darin bestehen, weniger Zeit vor dem Spiegel zu verbringen und mehr damit, über die 13 Kilometer des Mittelmeers zu blicken, die uns von Afrika trennen.

Es gibt ein irisches Wort: ,,meitheal‘‘. Es bezeichnet die Art und Weise, wie sich Dorfbewohner traditionell helfen, wenn die Arbeit besonders hart ist: den Torf einsammeln, das Heu machen.

Es bringt die Gemeinschaft zusammen und bindet sie. Die meisten Europäer sind so. Als einzelne Nationen können wir unsere Gardinen schließen und über den Gartenzaun hinweg streiten.

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