Im Oktober soll der Flughafen Tempelhof geschlossen werden - darauf beharrt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, nachdem die Tempelhof-Freunde mit ihrem Volksentscheid scheiterten. Die Kampagne von CDU und der Springer-Presse half im Endeffekt nicht. CDU-Opponent Friedbert Pflüger kämpft weiter für Tempelhof.

Berlin war großflächig mit Plakaten geschmückt. Überall in der Haupstadt meldeten sich die Freunde des Flughafens Tempelhof. Sie wollten, dass der City-Airport, der einst während der Luftbrücke eine so große Rolle gespielt hat, nicht geschlossen wird. Die CDU und die Springer-Presse (Bild, Welt, B.Z., Berliner Morgenpost) trommelten mit.

Genutzt hat es am Ende nichts. Zwar siegten die Tempelhof-Freunde beim Volksentscheid am Sonntag, doch die erforderliche Anzahl von Stimmen brachten sie bekanntlich nicht zusammen. Die rot-rote Regierung behauptete sich also in dieser Frage.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat appelliert, das Ergebnis des gescheiterten Volksentscheids zu akzeptieren. Wer das Ergebnis umdeute, "verdreht unleugbar die Tatsachen“, sagte er am Montag. Der SPD-Politiker, der sich insgeheim Hoffnungen auf eine Kanzlerkandidatur macht, bekräftigte erneut, dass der Flughafen wie geplant Ende Oktober
geschlossen werden solle - das sei unumgänglich, wenn der künftige
Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld nicht gefährdet werden soll.

Wowereit betonte, er nehme die vielen Ja-Stimmen ernst. Er bitte aber auch
darum, dass die Nein-Stimmen und diejenigen Berliner, die nicht
abgestimmt hätten, ernst genommen würden. Seine Forderung: die
Debatte um Tempelhof beenden!

Will Tempelhof schließen: Klaus Wowereit Montage: sueddeutsche.de

Das ist wenig wahrscheinlich. Trotz des gescheiterten Volksentscheids hat die CDU den Senat zu einem Kompromiss aufgerufen. Der Unionsfraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, sagte vor einer CDU-Präsidiumssitzung, dass der Airport so lange offen gehalten werden solle, bis der im Bau befindliche Großflughafen Schönefeld in Betrieb gehe. Wowereit solle auf das Angebot der Bundesregierung eingehen.

Pflüger sagte weiter, dass die Union sich in einer ersten Sitzung am Montag "hocherfreut“ über den Verlauf der Abstimmung gezeigt habe. Es sei gelungen, die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren. Er habe nach eigenen Angaben nicht erwartet, dass die nötige Zahl an Ja-Stimmen zum Erfolg des Volkentscheids gegen die Schließung von Tempelhof erreicht wird.

"Dass wir das Quorum erreichen würden, das hat ja kaum jemand, nicht mal ich selbst, geglaubt. Wowereit könne das Ergebnis aber nicht ignorieren - sondern müsse anerkennen, dass mehr als 100.000 Menschen am Sonntag mit Ja gestimmt hätten, als ihn bei der letzten Wahl gewählt hätten.

(sueddeutsche.de/jja/plin)