Die DDR-Staatssicherheit führte eine weitere Akte über den Ohnesorg-Todesschützen - sogar bis nach dem Mauerfall.
Tötete 1967 den Studenten Benno Ohnesorg: Karl-Heinz Kurras im Mai 2009 Foto: ddp
Über den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss, gibt eine weitere Stasi-Akte.
Die bisher verborgen gebliebenen Unterlagen sollten kurz nach der Wende 1989 vernichtet werden, heißt es in dem Spiegel-Bericht. In den Wirren der damaligen Zeit sei es nicht mehr dazu gekommen.
Ein Sprecher der Stasi-Unterlagenbehörde bestätigte inzwischen die Existenz der Akte. Durch eine Vielzahl von Anträgen von Medien auf Einsicht sei mit weiteren Veröffentlichungen in dieser "Großgeschichte" zu rechnen. Vonseiten der Behörde gehe die Aufarbeitung "Schritt für Schritt weiter".
Durch einen Fund in der Birthler-Behörde war vor kurzem bekannt geworden, dass Kurras SED-Mitglied und Stasi-Spitzel war.
Auf dieser Grundlage galt bisher als gesichert, dass die Stasi nach dem Tod Ohnesorgs die Verbindung zu Kurras "abgeschaltet" hatte.
Durch die zweite Stasi-Akte sei klar geworden, dass Kurras noch lange nach dem tödlichen Schuss auf Ohnesorg von starkem Interesse für die Stasi gewesen sei. In den Vorgang seien bis 1989 hohe Stasi-Stellen bis zum Stellvertreter von Stasi-Chef Erich Mielke, Gerhard Neiber, eingeschaltet gewesen.
Sogar noch nach dem Mauerfall sei der ganze Vorgang Chefsache gewesen. Der Stasi-Oberstleutnant Werner Eiserbeck habe Ende November 1989 angeordnet: "Der Vorgang ist zu vernichten."
Die Stasi habe offenkundig die Stasi-Vergangenheit von Kurras vollständig tilgen wollen. Das zunächst aus der Birthler-Behörde bekannt gewordene 17-bändige Dossier dokumentierte die Verbindung zu Kurras nur bis 1976.
Die nun vorliegende neue Akte zeige, dass die Stasi viel intensiver und länger als bisher bekannt Interesse an Kurras zeigte, schrieb das Magazin.
(dpa/odg)
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