Die amerikanische Regierung hat Deutschland in ungewöhnlich scharfem Ton aufgefordert, sich mit Hubschrauber-Einheiten und Fallschirmjägern an den verlustreichen Kämpfen im Süden Afghanistans zu beteiligen.
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Ein deutscher ISAF-Soldat im Camp Marmal bei Masar-i-Scharif. Foto: Reuters
Die amerikanische Regierung hat Deutschland aufgefordert, sich an Kampfeinsätzen im Süden Afghanistans zu beteiligen. In einem ungewöhnlich scharf formulierten Brief an seinen deutschen Kollegen Franz Josef Jung verlangt US-Verteidigungsminister Robert Gates eine Verstärkung des Nato-Kontingents um 3200 Soldaten. Daran soll sich auch Deutschland beteiligen.
Der Brief von Gates stammt aus der vergangenen Woche, ist anderthalb Seiten lang und nicht datiert. Das direkt an Jung adressierte Schreiben ist in förmlichem und bestimmtem Ton verfasst. Offenbar wurde der Brief an alle Nato-Staaten gerichtet, um ein Treffen der Verteidigungsminister kommende Woche in Vilnius vorzubereiten.
Der Afghanistan-Einsatz wird auch den Nato-Gipfel im April in Bukarest beherrschen. In dem Brief erkennt Gates die deutsche Leistung im Norden Afghanistans an, beklagt dann aber schnell die Spaltung der Nato in Nationen, die Kampfeinsätze bestreiten, und Länder, die sich nicht an der militärischen Bekämpfung der Taliban und Al-Qaida-Kämpfer beteiligen.
Gates spricht von einer drohenden Spaltung der Allianz und warnt vor einem Verlust an Glaubwürdigkeit. Dabei beschwört er auch die Bündnissolidarität und beschreibt die Überbelastung der US-Streitkräfte.
Ersatz für Marine-Infanteristen
Wörtlich bittet Gates seinen deutschen Kollegen, ein neues Mandat in Erwägung zu ziehen, das es ermöglicht, zusätzliche Soldaten nach Afghanistan zu entsenden. Bisher erlaubt das Mandat des Bundestags die Entsendung von höchstens 3500 Soldaten in den kaum umkämpften Norden Afghanistans. Gates verlangt jetzt die Bereitstellung von Hubschrauber-Einheiten und Kampftruppen, wie etwa Fallschirmjäger, die etwa 3200 amerikanische Soldaten im Herbst dieses Jahres ablösen sollten.
Die US-Regierung hatte erst vor wenigen Tagen die Erhöhung ihres Kontingentes um genau diese Größe bekannt gegeben, um besser gegen eine Frühjahrsoffensive der Taliban in Südafghanistan gewappnet zu sein. Diese Aufstockung wollen die USA nun offenbar auf ein halbes Jahr begrenzen und ihre Truppen anschließend wieder abziehen.
Fortsetzung auf der nächsten Seite: Ein Brief in ungewöhnlich scharfem Tonfall.
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