"Beck muss weg"

    Meinungsforscher Güllner zur SPD-Krise

    06.07.2008, 09:43

    Interview: Thorsten Denkler

    Forsa-Chef Manfred Güllner sieht kaum noch Hoffnung für die SPD für die Bundestagswahl 2009. Zumindest nicht mit Kurt Beck an der Spitze.

    manfred guellner, dpa

    Manfred Güllner ist Gründer und Geschäftsführer des Forsa-Instituts. Wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD wurde ihm aus CDU-Kreisen häufig der Vorwurf gemacht, beschönigende Umfragewerte seiner Partei zu veröffentlichen. (Foto: dpa)

    sueddeutsche.de: Herr Güllner, die SPD strampelt sich ab und jagt ein inhaltsreiches Papier nach den anderen heraus. Dennoch, in Umfragen kommt sie auf keinen grünen Zweig. Was will der potentielle SPD-Wähler eigentlich?

    Manfred Güllner: Er will eine kompetente Partei, die ihm das Gefühl gibt, sie könne Probleme vielleicht nicht sofort lösen, aber richtig angehen. Er möchte, dass die SPD eine Vorstellung davon hat, wie die Gesellschaft aussehen sollte. Und er möchte, dass die Partei durch Personen repräsentiert wird, die glaubwürdig und kompetent sind.

    sueddeutsche.de: Das alles hat die SPD im Moment nicht?

    Güllner: So ist es. Aber das ist nicht nur auf Bundesebene so. Die SPD verliert auf allen Ebenen an Zustimmung, sei es im Bund, in den Ländern oder in den Kommunen. Es gibt bis auf Beck in den westdeutschen Flächenstaaten keinen SPD-Ministerpräsidenten mehr. Früher waren bis auf Stuttgart alle Großstädte über 500.000 Einwohner in SPD-Hand. Heute werden die meisten von der CDU regiert.

    sueddeutsche.de: Alles die Schuld des SPD-Parteivorsitzenden?

    Güllner: Herr Beck ist nicht die Ursache der Krise, die liegt sehr viel tiefer. Aber Herr Beck hat natürlich die Krise auf Bundesebene erheblich verschlimmert.

    sueddeutsche.de: In der SPD gilt die These, Schuld sei vor allem Gerhard Schröder mit seiner verhassten Agenda 2010.

    Güllner: Das ist ein ziemliches Missverständnis in der SPD. Die Krise der SPD begann schon weit vor 1998 unter anderem mit einem großen Mitgliederschwund. Schröder hat es geschafft, der Partei wieder ein Zwischenhoch bringen. Es hat nicht lange angehalten und viele die nach 1998 wegen Schröder in die Partei eingetreten sind, sind inzwischen wieder ausgetreten. Auch weil die SPD nie hinter den Schröderschen Reformen stand.

    Lesen Sie im zweiten Teil, warum SPD-Mitglied Güllner glaubt, dass Beck jede Glaubwürdigkeit verloren hat.

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    Leserkommentare (11)



    10.07.2008 11:50:41

    Zielsicher: Güllner sollte intellektuell redlicher sein.

    Er behauptete, dass andere Institute die SPD bei 23 % sähen. Fakt ist, dass die SPD

    nach Allenbach 26,5 %

    FG Wahlen 26 %

    Infratest-Dimap 25 %

    Emnid 25 % und lediglich bei

    GMS ( 27.6.) mit 23 %

    bewertet wird.

    Güllner mag seine Motive haben, dies sei ihm unbenommen. Die Menschheit lebt von Sympathien, Antipathien, Aversionen und merkwürdigen Gefühls-Gemendelagen.

    Man hätte Güllner mit dem Wallraff-Zitat konfrontieren sollen, das m. E. richtig ist. Schröder,

    und ich füge hinzu: Schily, Clement, u. die Seeheimer haben den Karren an die Wand gefahren. SPD verlor die Regierungen in Magdeburg, Saarbrücken, Wiesbaden, Kiel, Hamburg, Hannover und Düsseldorf. Nicht Beck, sondern die zuvor Genannten, haben im Verein mit DIHK, ZDH, BDI, BDA, BGA eine Politik gegen die eigenen WählerInnen betrieben. Es war eine Wählervertreibung im großen Stil. Korrupte Manager bedienen sich selbst, der Normalbürger wird auf Sparkost gesetzt. Beck nun zu verprügeln, weil er die Scherben aufkehrt, die andere anrichteten, ist sehr schlecht analysiert und beobachtet. Da muss ich an der Objektivität und intellektuellen Redlichkeit zweifeln. Heutzutage dominieren nur Schwadronierer, Schreihälse, Täuscher und Wohldiener.

    Beck könnte mehr für sein outfit tun, er könnte sich mit besseren Mitarbeitern umgeben, er könnte sich durch gute Menschen beraten lassen und er müsste sich auch helfen lassen. Viele würden es gerne und sie könnten es auch, wären dazu auch fähig injeder Hinsicht.

    Zum Schluß: Die SPD kämpft ja nicht allein gegen die Union, sondern auch und vor allem gegen die Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände, die meisten Funkhäuser und TV-Anstalten und die meisten Pressehäuser und einflußreichen Medienkonzerne. Die SPD könnte selbst nicht mit der vierfachen Mitgliederzahl gegen die Macht der Groß- und Finanzkapitals standhalten. Dass die letztgenannten Dinge eigentlich nirgends thematisiert werden, zeigt, dass die herrschenden kreise unser Volk mit aller Macht und auch Druck nach Rechts zwingen wollen. Wenn Lafontaine auch von Haß- und rachegefühlen gegen die SPD überquillt, halte ich ihn für eine wichtige Stimme im politischen Konzert. Die gleichen Kreise, die einst Hitler nach Kräften förderten, sind auch heute wieder sehr lebhaft. Nicht zum Guten unseres Volkes! Sie nichts, wirklich nichts gelernt. Sie tarnen, täuschen und verstecken sich allerdings heute viel geschickter. Statt offenem Eintreten wird heute aus dem Hintergrund gearbeitet.


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