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    G-8-Gipfel

    07.07.2005, 06:28

    Interview: Alex Rühle

    Der Schuldenerlass ist ein Blankoscheck für Diktatoren und er entmündigt Afrika, sagt der ugandische Journalist Andrew Mwenda.

    In Gleneagles verhandeln die G8-Staaten über einen Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt, die Verdoppelung der Entwicklungshilfe und eine Verbesserung der Handelsbedingungen für die Dritte Welt. Einige Afrikaner halten diese Initiative für eine Katastrophe. Ein Interview mit Andrew Mwenda, 32, der für die Weltbank gearbeitet hat und als Redakteur der ugandischen Tageszeitung Monitor die Entwicklungshilfepolitik seit langem scharf kritisiert.

    Andrew Mwenda (privat)

    Andrew Mwenda (Foto: privat)

    SZ: Mister Mwenda, Was haben Sie am Samstag Abend gemacht?
    Andrew Mwenda: Ich habe mir zu Hause auf CNN das Live-8-Konzert angeschaut. Robbie Williams war großartig. Aber in Sachen Afrikahilfe war das Ganze erwartungsgemäß eine Katastrophe.

    SZ: 1985, beim ersten Live-Aid-Konzert schrieben die europäischen Medien, die Hungerkatastrophe habe „biblische“ Ausmaße, was ja bedeutet, dass das Schicksal, die Trockenheit und der liebe Gott daran schuld waren, aber nicht die Politik. Haben Sie den Eindruck, dass die Medien seither dazugelernt haben?
    Mwenda: Nein. Unser Problem ist angeblich immer noch eine permanente Hungerkatastrophe. Bob Geldof zeigte ja diesmal einen Film von 1985 über die damalige Dürre in Äthiopien und sagte dazu, der Hunger sei seither um keinen Deut besser geworden. Dann betonte er, dass die „G8-Führer es in der Hand haben, die Geschichte zu ändern“. Die afrikanischen Politiker haben anscheinend nichts mit Afrika zu tun.

     
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    SZ: Tony Blair wird auf dem G8-Gipfel wahrscheinlich verkünden, dass den ärmsten afrikanischen Ländern die Schulden gestrichen werden.
    Mwenda: Blair begeht einen der größten Fehler seines Lebens. Er gibt den afrikanischen Diktatoren einen Blankoscheck. Die können jetzt ausleihen, wie sie lustig sind, und das Geld verprassen, und am Ende wird ihnen dann vergeben wie einem Schwererziehbaren.

    SZ: Wenn Sie eingeladen wären zum G8-Treffen, was würden Sie Blair und seinen Kollegen raten?
    Mwenda: Stellt alle finanzielle Hilfe ein. Sorgt dafür, dass alle Länder ihre Schulden auf Heller und Pfennig zahlen. Und ignoriert Afrika. Alle Hilfe verschleiert nur die Inkompetenz unserer Despoten.

    SZ: Würde Afrika ohne eine Art Marshallplan nicht erst recht kollabieren?
    Mwenda: Marshallplan! Wenn ich das schon höre. Der Marshallplan machte seinerzeit zwei Prozent des Bruttoinlandproduktes von Deutschland aus. Die Länder südlich der Sahara erhalten im Durchschnitt 13 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts. Das ist der größte Geldtransfer in der Geschichte. Unser Staatshaushalt wird zu 50 Prozent vom Ausland finanziert.

    SZ: Wenn man diesen Hypermarshallplan also aussetzte, würde dann nicht alles kollabieren?
    Mwenda: Einige Länder würden kollabieren oder im Bürgerkrieg versinken aber einige würden am Ende mit kompetenten Regierungen dastehen. Mit eurer Hilfe wird Afrika nie aus dem Morast herauskommen.

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