Von Julia Troesser

In Hamburg wollen 1000 Umweltschützer das Klima retten. Doch jetzt werden Teilnehmer des Klimacamps mit Überfällen und Übergriffen in Verbindung gebracht.

Sie haben gute Absichten. Sie wollen die Umwelt schützen, gegen den Klimwandel vorgehen und selbst ein gutes Beispiel sein. Die Teilnehmer des ersten deutschen Klimacamps, das noch bis Sonntag in Hamburg stattfindet, möchten nach eigenen Angaben eine "politische Neudefinition von ökologisch und sozial nachhaltiger Politik" schaffen.

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"Moorburg stilllegen" forden die Demonstranten vor der Baustelle des Kraftwerks. Foto: ddp

"Merkel spielt sich als Klima-Queen auf, die G8 erklären den Klimaschutz zur Chefsache, trotzdem ändert sich nichts", sagt Tadzio Müller, Mitglied der Pressegruppe des Klimacamps.

Das wollen die rund 1000 jungen Aktivisten nun besser mächen, basteln Solarpanels und wollen "tanzen, demonstrieren - und blockieren" und so ein Umdenken in der Bevölkerung erreichen. Soweit die Theorie.

Doch jetzt sehen sich die jungen Klimaschützer schweren Vorwürfe ausgesetzt. Am Mittwoch überfielen rund 30 maskierte Personen ein Hamburger Bezirksamt, dabei wurden Büros verwüstet und eine Mitarbeiterin durch Glassplitter verletzt.

Schon vor Beginn des Camps war es zu Farbanschlägen auf Häuser von Mitarbeitern der Hamburger Ausländerbehörde gekommen. Unter anderem war auch der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Gunnar Eisold betroffen. In einem Bekennerschreiben wurde ein Zusammenhang mit dem Klimacamp hergestellt. "Dieses Camp hätte es nicht geben dürfen. So etwas darf es nie wieder in Hamburg geben", sagte Eisold dem Hamburger Abendblatt.

Keine eindeutigen Beweise

Später stürmten etwa 40 Aktivisten die Baustelle des Kohlekraftwerks in Moorburg, einige von ihnen kletterten auf den Kran und enthüllten dort Transparente mit der Aufschrift "Stromkonzerne enteignen". Die Polizei moblisierte ein Großaufgebot, unterstützt von Hundertschaften aus Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und von der Bundespolizei. Ein eindeutiger Zusammenhang zum Klimacamp konnte die Polizei bislang allerdings nicht hergestellen.

Vor dem Baustellengelände demonstrierten nach dem Eingreifen Teilnehmer des Klimacamps weiter. Ihr Protest sei von der Polizei "mit hanebüchenen Erklärungen brutal beendet" worden, sagt Camp-Sprecher Tadzio Müller gegenüber sueddeutsche.de. Er möchte zu den Vorwürfen gegen das Klimacamp keine Stellung nehmen und verweist nur auf die Aussagen des Senats, dass es keine eindeutigen Beweise gebe.

Der eigentliche Zweck des Camps, dessen Vorbild aus Großbritannien kommt, rückt durch diese Vorwürfe fast in den Hintergrund. Müller und seine Mitstreiter wollten selbst aktiv werden, weil der Regierung ihrer Meinung nach die Hände gebunden seien.

Massenbewegung für den Klimaschutz

"Politiker können immer nur im Rahmen des Wirtschaftswachstums handeln", so der Klima-Aktivist. "Wenn man etwas erreichen will, kann man nur gegen Regierung und Konzerne arbeiten und nicht mit ihnen".

Dr. Hermann Ott, Leiter des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie, glaubt zwar nicht daran, dass das Camp die deutsche Klimapolitik revolutionieren kann, stimmt grundsätzlich aber mit den jungen Klimaschützern überein: "Ich bin überzeugt, dass solche Aktionen etwas bringen. Unser Land braucht eine Massenbewegung gegen den Klimawandel, um effektiv gegen ihn vorgehen zu können".

Die jungen Klimaschützer wollen diese Bewegung erreichen und lassen sich dabei nicht durch den aktuellen Verdacht beirren, dass einige schwarze Schafe unter ihnen seien. "Wir sind eher belustigt über das Label 'Chaos-Camp', das uns die Bild-Zeitung verpasst hat", sagt Müller. Die Aktionen des Camps würden durch die Vorfälle nicht gestört, sie sollten wie geplant fortgeführt werden. Auch die Stimmung unter den Klimschützern sei nun "auf gar keinen Fall" getrübt, so Müller.

Die Klimacamper tanzen, demonstrieren und blockieren also weiter - solange die Stadt keine Beweise gegen sie hat.

(sueddeutsche.de/dpa/woja)