Von Annette Ramelsberger

Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf geplante Anschläge durch al-Qaida - durch junge Islamisten, die aus Pakistan nach Deutschland zurückgekehrt sind.

Die deutschen Sicherheitsbehörden bereiten sich darauf vor, dass die Terrororganisation al-Qaida gezielt junge Männer nach Europa schickt, die Terroranschläge auf deutsche Ziele oder auch in Deutschland selbst ausführen sollen. Und sie beobachten dabei mit großer Sorge eine ganze Reihe von Islamisten, die nach einem Aufenthalt in Pakistan wieder nachhause zurückgekehrt sind - vor allem nach Bayern und Baden-Württemberg, wo sich an der Donau rund um die Stadt Ulm eine lebendige Islamistenszene etabliert haben soll.

"Wir haben Anhaltspunkte dafür, dass in den Raum Ulm und Neu-Ulm mindesten drei bis vier Personen gezogen sind, die sich vor kurzem in Pakistan aufgehalten haben", sagen hohe Sicherheitsverantwortliche der Süddeutschen Zeitung.

Zudem wurde in Pakistan vor wenigen Wochen ein Mann aus Ulm festgenommen, dem die pakistanische Polizei die Vorbereitung eines Terroranschlags vorwirft. Auch der in Pakistan unter Terrorverdacht festgenommene Libanese Hassan al-Malla hatte nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes gute Kontakte zur Islamistenszene an der Donau.

"Diese Leute kommen ganz bewusst wieder nach Deutschland zurück und wir wissen, dass sie intensiv ausgebildet wurden", sagte Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) der SZ. Es gebe Hinweise, dass im pakistanischen Grenzgebiet etwa 300 Leute auch für den Kampf in Europa ausgebildet würden.

Gefährliche Rückkehrer

In den Lagern werde gelehrt, wie man Sprengkörper zusammenbaut, eine Autobombe richtig platziert, mit Waffen umgeht und sich nach einem Anschlag versteckt. "Das Gefährliche ist, dass wir nicht von allen, die zurückgekehrt sind, wissen, wo sie sich aufhalten."

Die als gefährlich erkannten Rückkehrer würden eng observiert, sagte Beckstein. Der designierte bayerische Ministerpräsident fürchtet, dass es weitere Anschläge auf deutsche Einrichtungen in Afghanistan geben wird. "Der Druck auf Deutschland wird noch steigen", sagte er.

Al-Qaida-Führer Osama bin Laden in einem Video, das Mitte Juli aufgetaucht ist. Foto: AP

Immer wieder fallen den Behörden Mitglieder der Islamistenszene von der Donau auf, die plötzlich für Wochen oder Monate verschwinden - und dann bei der Rückkehr berichten, sie hätten sich religiös unterweisen lassen und nur an der Kampfausbildung in den Lagern teilgenommen, um sich nicht von der Gruppe zu isolieren. "Wir sollten diese Form des Tourismus nicht unterschätzen", warnt ein Verfassungsschützer. "Die Leute tauchen an eigenartigen Stellen wieder auf. Die kennen die Anlaufstellen."

Schon in den neunziger Jahren haben Islamisten rund um Ulm Soldaten für den Heiligen Krieg rekrutiert - zum Beispiel den deutschen Konvertiten Josef Hamza Fischer, der in Tschetschenien starb. Damals ermittelte die Staatsanwaltschaft München gegen den türkischstämmigen Tolga D., weil er junge Männer für den Heiligen Krieg anwerben wollte.

Heute sitzt Tolga D. aus Ulm in Pakistan in Haft - unter Terrorverdacht. Er gehört zu einer Szene, die sich rund um den ägyptischen Arzt und Prediger Dr. Yehia Yousif gebildet hat, einen charismatischen Imam, der Mitte der neunziger Jahre nach Neu-Ulm gezogen war.

In seinen Bannkreis zogen Terrorverdächtige wie der Kameramann Reda Seyam an die Donau, der das Abschlachten von Ungläubigen durch islamische Milizen gefilmt haben soll. Und auch Abdelakher Hammad war Gast-Imam an der Donau. Ein Mann, den Osama bin Ladens Stellvertreter vor ein paar Monaten als "seine Eminenz Sheik Hammad" hervorgehoben hatte.

Immer mehr Islamisten kamen - bis Dr. Yousif 2005 Deutschland plötzlich verließ. Bei seinem Sohn waren Notizen gefunden worden, wie man Bomben herstellt. Er wurde abgeschoben. Auch der junge Yousif war auf Reisen gewesen: Er hatte kurz zuvor ein Trainingslager in Indonesien besucht.

(SZ vom 24.7.2007)