"Substantielle Minderheit" neben dem System

    Studie über Muslime in Deutschland

    20.12.2007, 16:39

    Interview: Christoph Schäfer

    14 Prozent aller Muslime in Deutschland akzeptieren Gewalt und Demokratiefeindliches - das ermittelte eine Studie des Bundesinnenministeriums. Doch wie ernst ist die Lage wirklich? sueddeutsche.de sprach mit Peter Wetzels, dem Autor der Untersuchung.

    Muslime in Berlin; dpaGrossbild

    Mit der Integration von Muslimen in Deutschland steht es nicht immer zum Besten: Jeder siebte lehnt Demokratie und Rechtsstaatlichkeit ab. (Foto: dpa)

    Peter Wetzels ist Mitautor der Studie "Muslime in Deutschland", die im Auftrag des Bundesinnenministeriums erstellt wurde. Der Professor für Kriminologie forscht und lehrt am Institut für Kriminalwissenschaften der Universität Hamburg.

    sueddeutsche.de: Herr Wetzels, laut Ihrer Studie sind 40 Prozent aller Muslime in Deutschland "fundamental orientiert", jeder siebte kann mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts anfangen. Hat Deutschland ein riesiges Integrationsproblem?

    Peter Wetzels: Hier muss dringend differenziert werden: "Fundamental orientiert" ist nicht gleichzusetzen mit Fundamentalismus. Es bedeutet lediglich, dass sich 40 Prozent der Muslime gegen eine Modernisierung ihrer Religion stemmen, weil sie fürchten, das Religiöse zu verwässern.

    Allerdings können wir feststellen, dass bei etwa zehn Prozent der Befragten demokratiefeindliche Haltungen existieren. Viele dieser Personen fordern eine harte Hand, die Moral und Ordnung wiederherstellen soll.

    sueddeutsche.de: Ihrer Studie zufolge akzeptieren sechs Prozent der Muslime, dass dieses Ziel mit Gewalt umgesetzt wird.

    Wetzels: Es ist richtig, dass wir bei etwa sechs Prozent der muslimischen Bevölkerung Haltungen erkennen können, wonach Gewalt aus politisch-religiösen Gründen akzeptiert wird. Betrachtet man die Gesamtheit derer, die entweder gewaltakzeptierende oder demokratiefeindliche Haltungen aufweisen, dann beläuft sich das auf etwa 14 Prozent der Muslime in Deutschland. Das ist eine Minderheit, freilich eine substantielle.

    sueddeutsche.de: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble warnt schon seit Monaten vor dem "hausgemachten Terrorismus". Sind seine Mahnungen berechtigt?

    Wetzels: Eine sehr schwierige Frage. Auf dieses Problem direkt bezogen kann unsere Studie keine Antworten geben. Wir haben Einstellungen untersucht, die ein wichtiger Hintergrund von solchen Aktivitäten sein können. So haben wir beispielsweise Muslime nach ihrer Meinung zu folgender Aussage gebeten: "Wer junge Muslime auffordert oder dazu anleitet, Selbstmordattentate zu begehen, ist ein gottloser Krimineller." 90 Prozent haben zugestimmt, 9,4 Prozent abgelehnt.

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    Leserkommentare (2)



    21.12.2007 13:03:05

    Heinrich Koch: Ein Viertel befürwortet Gewalt gegen Christen und andere Nichtmuslime

    Ein Viertel der Muslime in Deutschland befürworten Gewalt gegen Nichtmuslime. 7% würden gar persönlich Gewalt gegen "Ungläubige" anwenden. ("Muslime in Deutschland", Seite 176) Bei Jugendlichen liegt die Zustimmung sogar bei 24% (S. 320). Dies ist auch ein Ergebnis der Studie. Und gerade mit dieser Erkenntnis werden sich Beschwichtigungsdogmatiker a la Prangtl & Co. schwer tun. Denn es ist ziemlich unglaubwürdig und unseriös, diesen auffälligen Hass gegen Andersgläubige anders als religiös zu interpretieren.


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