Empörung und Besorgnis: Die Reaktionen auf die verstärkten israelischen Angriffe sind heftig. Doch die Bemühungen um eine Waffenruhe gehen weiter - die Kämpfe auch.
Bild vergrößern
Das al-Aqsa Krankenhaus in Gaza City steht nach israelischen Angriffen in Flammen. Foto: AFP
Die Intensivierung des israelischen Militäreinsatzes im Gazastreifen hat international Empörung und tiefe Besorgnis ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat in New York hob besonders die Angriffe der Armee auf Krankenhäuser, ein Mediengebäude und das UN-Hauptquartier in Gaza hervor und drückte seine "ernste Besorgnis" aus. Die EU-Ratspräsidentschaft verurteilte den Angriff auf das UN-Gebäude.
Israel hatte seine Angriffe auf Gaza am Donnerstag erheblich ausgeweitet. Die Stadt Gaza erlebte die schwersten Angriffe seit Beginn der israelischen Offensive vor drei Wochen. Bei einem Luftangriff wurde auch der Hamas-Innenminister Said Siam getötet. 40.000 Bewohner der Stadt sind nach UN-Angaben auf der Flucht.
Auch am Freitag gingen die Gefechte zwischen der israelischen Armee und Milizen radikaler Palästinensergruppen weiter, ungeachtet der internationalen Forderungen nach einer Waffenruhe. Nach Angaben aus Militärkreisen wurden 40 Ziele beschossen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete am frühen Morgen von anhaltenden Kämpfen in Gaza. In der Stadt sei Gefechtslärm zu hören. Auf Live-Bildern waren Explosionen zu sehen.
Weit über 1000 Tote
Die Zahl der seit Beginn des israelischen Einsatzes getöteten Palästinenser stieg nach jüngsten Angaben der Gesundheitsbehörde in Gaza auf 1105. Zudem seien 5130 Bewohner des Gazastreifens verletzt worden. Auf israelischer Seite starben nach offiziellen Angaben bislang 13 Menschen.
- Krieg im Gaza-Streifen Innenminister der Hamas bei Luftschlag getötet
- Krieg im Gaza-Steifen Die Hamas wartet auf Zugeständnisse
- Nahost Ein Sieg für die Hamas, ein Sieg für Israel
- Krieg und Propaganda Israel plant Spezialteam für Gaza-Wiederaufbau
- Krieg in Gaza Die widersprüchlichen Signale der Terroristen
Unterdessen scheinen sich die diplomatischen Bemühungen zur Lösung des Konflikts zu intensivieren. Nach den Worten von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon steht eine Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas kurz bevor. "Wir sind sehr nah an einer Einigung über eine Waffenruhe", sagte Ban am Freitag bei einem Besuch im Westjordanland.
Die israelische Außenministerin Zipi Livni flog in der Nacht zum Freitag nach Washington, um mit der US-Regierung Gespräche über ein Abkommen zur Unterbindung des Waffenschmuggels in den Gazastreifen zu führen. Wie das Büro des amtierenden israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert mitteilte, werde Livni laufende Gespräche mit der scheidenden US-Außenministerin Condoleezza Rice zu Ende zu bringen. Einzelheiten über das israelisch-amerikanische Abkommen wurden nicht mitgeteilt. Es wird aber erwartet, dass Livni und die USA ein Memorandum unterzeichnen, in dem Wege zum Stopp des Waffenschmuggels von Ägypten in den Gaza-Streifen genannt werden. Die Hamas fordert den israelischen Rückzug aus dem Gebiet und die Öffnung der Grenzübergänge.
Israel verhandelt derzeit auch mit ägyptischen Vermittlern über eine Waffenruhe mit der radikal-islamischen Hamas. Für eine Waffenruhe und einen Rückzug der Truppen aus dem Gaza-Streifen fordert die Regierung Olmerts Garantien über einen Stopp des Waffenschmuggels in das Palästinensergebiet.
Wie der amtierende Vorsitzende des Sicherheitsrats, Jean Maurice Ripert (Frankreich), am Donnerstagabend in New York mitteilte, forderte der Rat die Konfliktparteien erneut auf, die Menschenrechte zu respektieren und die geforderte Waffenruhe sofort umzusetzen. Der Präsident der UN-Vollversammlung, Miguel d’Escoto Brockmann, warf Israel nach einer Sondersitzung des Gremiums in scharfen Worten vor, mit seinen anhaltenden Angriffen gegen internationales Recht zu verstoßen und den völkerrechtlich bindenden Aufruf des Weltsicherheitsrates zum Waffenstillstand zu missachten. "Gaza ist in Flammen. Es ist in eine wahre Hölle verwandelt worden", sagte er.
"Schlichtweg nicht akzeptabel"
Die tschechische EU-Ratspräsidentschaft forderte Israel nach dem Angriff auf das UN-Gebäude in Gaza auf, "Maßnahmen zu unternehmen, um jeder Wiederholung solcher Attacken auf zivile oder humanitäre Ziele vorzubeugen". Die Geschehnisse seien "schlichtweg nicht akzeptabel", hieß es in Prag.
Auch Ban Ki Monn, der sich wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) zu Gesprächen über eine Waffenruhe in der Konfliktregion aufhielt, machte seine Empörung über den Beschuss des UN-Gebäudes gegenüber der Regierung in Tel Aviv deutlich.
Ministerpräsident Olmert äußerte sein Bedauern über den Vorfall. Ban erklärte gleichzeitig, alle Elemente für eine Waffenruhe im Gaza-Streifen seien vorhanden und diese werde "in absehbarer Zeit" erwartet. Steinmeier betonte die Bedeutung einer sofortigen Feuerpause. "Ich habe den Eindruck, dass man auch in Israel weiß, dass wir zu einem Ende der Kampfhandlungen kommen müssen." Palästinenserpräsident Mahmud Abbas zeigte sich nach einem Gespräch mit Steinmeier in Ramallah zuversichtlich, dass es in den kommenden Tagen zu einer politischen Lösung kommt.
Israelischer Unterhändler in Kairo
Der israelische Unterhändler Amos Gilad sprach am Donnerstag in Kairo mit ägyptischen Regierungsvertretern über eine Waffenruhe. Dabei gaben die Ägypter dem Vernehmen nach die Bedingungen der Hamas weiter. Die radikale Palästinenserorganisation soll eine Feuerpause von sechs bis zwölf Monaten angeboten haben.
Das Hamas-Politbüromitglied im Exil, Mohammed Nassal, sagte dem Sender Al-Arabija, seine Organisation werde keinesfalls auf die israelische Forderung nach einer unbegrenzten Waffenruhe eingehen. Wie israelische Medien berichteten, sollte Gilad am Freitag erneut zu Gesprächen nach Kairo reisen.
Aus Sicherheitsgründen riegelte Israel zudem das Westjordanland für zwei Tage ab. Wie ein Armeesprecher am Donnerstagabend mitteilte, werden die Grenzübergänge auf Befehl von Verteidigungsminister Ehud Barak bis Sonntag geschlossen bleiben. Bis dahin werde den dort lebenden Palästinensern nur aus humanitären oder medizinischen Gründen mit einer Sondergenehmigung ein Besuch in Israel erlaubt.
Trotz der jüngsten Eskalation im Gaza-Krieg hofft der internationale Nahost-Beauftragte Tony Blair auf eine baldige Waffenruhe. Ein Israel vorliegendes Waffenstillstandsangebot sei glaubwürdig, sagte Blair am Donnerstag nach einem Treffen mit dem französischen Außenminister Bernard Kouchner. Dies könnte zu einem sofortigen Stopp der Kämpfe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas führen - falls es wirklich gewollt werde, so der frühere britische Premierminister, der nun Sondergesandter des Nahost-Quartetts aus USA, EU, Russland und Vereinten Nationen (UN) ist.
(dpa/Reuters/AP/AFP/segi/lala)




Ein Mann und seine Sprüche
Deutschlands Mutti
Patzer, Pannen, Palin
"Spätrömische Dekadenz"
Blut soll fließen
Ikone des Protests
Pomp, Politik, Polygamie