Steinmeier aber kann keine Woche vertändeln, ohne für Bilder und Themen zu sorgen, die auch zu Hause verstanden werden. So besucht er die Börse, wo aus diesem Anlass neben zwei amerikanischen auch eine deutsche Fahne gehisst wird. Steinmeier erhält einen Lagebericht vom Chef, lässt sich im enttäuschend kleinen und wenig glamourösen Börsensaal von einem Trader im blauen Kittel das Geschäft erklären und tritt hernach vor die deutschen Kameras.

Probleme gemeinsam lösen

Er spricht davon, dass es Nachdenklichkeit gebe im "Epizentrum der internationalen Finanzmarktkrise", dass die Einsicht reife, dass Regeln gebraucht würden. Später bei einer Diskussion mit Henry Kissinger und Ex-General Brent Scowcroft wird er auf die Frage eines Amerikaners antworten: "Ich glaube nicht, dass man mit der Forderung nach neuen Finanzmarktregeln Wahlkampf machen kann. Weder bei uns noch in Ihrem Land." Und so muss es wohl der Außenminister und nicht der Kanzlerkandidat gewesen sein, der wenige Stunden zuvor mit dem "Vorstandsvorsitzenden von Wall Street" gesprochen hat.

Spät an diesem Freitag wird Steinmeier im UN-Hauptquartier ans Rednerpult treten und davon sprechen, dass das 21. Jahrhundert das erste sei, in dem die großen Probleme wirklich nur gemeinsam gelöst werden können. In Deutschland herrscht dann bereits tiefe Nacht. Wenn er einmal als Kanzler wiederkommt, der Trost bleibt ihm, ist er früher dran.

(SZ vom 26.09.2008/pir)

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