Das Hohe Haus ist high
Italiens Parlamentarier
11.10.2006, 10:32
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Das italienische Parlament im Palazzo Montecitorio (Foto: AFP)
Die italienischen Abgeordneten sind die Prozedur gewohnt: Sobald sie den Palazzo Montecitorio, das Abgeordnetenhaus in Rom, verlassen, werden sie von Fernsehjournalisten umringt, die ihnen ein paar Sätze zum innenpolitischen Streit des Tages abverlangen. Die Aussagen werden von den Nachrichtensendungen zu einem weit gehend sinnfreien Zitatenbrei vermanscht.
So will es der Brauch, jede Partei zu jedem Thema zu Wort kommen zu lassen. Daher schöpften die Volksvertreter keinen Verdacht, als sie dieser Tage reihenweise vom Kamerateam eines angeblichen Nachrichtensenders zur Haushaltspolitik befragt wurden. Sogar eine Maskenbildnerin war dabei, um manche von der Mühe Schweiß glänzende Stirn abzutupfen.
In dem Tupfer verbarg sich jedoch ein Drogenmessgerät. Das Ergebnis: Ein Drittel der 50 getesteten Abgeordneten hatte in den vorangehenden 36 Stunden Cannabis geraucht oder Kokain geschnupft.
Der Befund - von exakt zwölf Cannabis- und vier Kokain-Fällen - löste in Rom einen dreifachen Aufschrei aus. Die einen empörten sich über den Drogenmissbrauch der Onorevoli, der Ehrenwerten, wie die Abgeordneten nicht immer zu Unrecht genannt werden. Andere geißelten die Scheinheiligkeit eines Parlaments, das im Februar eines der schärfsten Anti-Rauschgift-Gesetze Europas verabschiedet hatte.
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Hände italienischer Abgeordneter (Foto: Reuters)
Danach wird auch der Konsum kleiner Mengen von Cannabis streng bestraft. Die dritte Gruppe schließlich ereiferte sich über das Enthüllungsmagazin Le Iene (die Hyänen) des Fernsehsenders Italia 1. Es habe die Persönlichkeitsrechte der Politiker verletzt.
Die Journalisten wollten ihren Drogen-Report am Dienstagabend senden. Doch das wurde ihnen Stunden zuvor vom italienischen Datenschutzbeauftragten untersagt. Prompt ist von Zensur die Rede. Die seit zehn Jahren in allerlei Abgründen des Landes wühlenden Hyänen betonen, sie verletzten doch gar keine Bürgerrechte.
Die Bild- und Tonaufnahmen der Abgeordneten seien so verfremdet worden, dass sie nicht identifiziert werden könnten. Die Testergebnisse seien zudem anonymisiert worden - und der Test selbst sei zu 100 Prozent zuverlässig. Er werde von der Polizei in vielen europäischen Ländern verwandt.
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