Expedition im Eiltempo
Mit Merkel durch Afrika
07.10.2007, 18:20
Sturmumtost: Angela Merkel am Kap der guten Hoffnung (Foto: dpa)
Es ist windig und leider ziemlich grau. Hinter der rissigen Wolkendecke und den sich am Horizont türmenden Kumuli ahnt man die Sonne mehr, als dass man sie sieht. Ein paar hundert Meter unterhalb der Küstenfelsen brechen sich die Wellen da, wo Indischer und Atlantischer Ozean ineinander übergehen. Sie rollen mit langen Schaumkronen auf diese äußerste Spitze Afrikas zu, die Jahrhunderte lang, als es noch keine Flugzeuge und keinen Suezkanal gab, die Land- und Wendemarke auf dem Weg nach Indien (oder Europa) war.
Es ist Frühling, und der so vielfältige Pflanzenteppich auf den Bergen über dem Meer prangt in einer Myriade bunter Blüten. Das Kap ist ein Ort rauer Schönheit, eine zugige Idylle. Es lädt dazu ein, sich niederzusetzen und mit dem Blick in Richtung des Südpols darüber nachzudenken, ob die Welt nicht vielleicht doch flach ist und man also irgendwo da draußen von ihrem Rand ins schäumende Nichts stürzen könnte.
Für solche Gedanken an diesem Ort bleibt leider nicht sehr lange Zeit, wenn man als Bestandteil des Trosses der eiligen Kanzlerin Afrika durchmisst. Angela Merkel hat sich vorgenommen, drei Länder (Äthiopien, Südafrika, Liberia), drei Zeitzonen und etwa ein Dutzend wirklich wichtiger Themen von Aids über Chinas schleichenden Vormarsch bis hin zum Klimawandel innerhalb von fünf Tagen zu bewältigen.
Von diesen fünf Tagen ist Merkels Afrikakorps - Abgeordnete, Diplomaten, die Ministerin Heidi Wieczorek-Zeul, Wirtschaftsleute, Kanzlerhelfer und Personenschützer sowie Journalisten - alles zusammengenommen etwa zweieinhalb Tage in der Luft. Einen weiteren Tag wird es in Autos und Omnibussen meist durch Städte gefahren, um vom Konferenzzentrum zum Präsidentenpalast oder zum Flughafen oder zum Hotel zu gelangen. An diesen Orten wiederum verbringt man dann zusammengerechnet noch mal gut einen Tag.
Bleibt also eigentlich nur ein halber Tag für Afrika jenseits der Reden, Empfänge, Essen und Paraden. Anderthalb Stunden in einer besonderen Mädchenschule in Addis; eine Stunde auf einer Aids-Station für Kinder in Kapstadt; zwei Stunden am Kap der guten Hoffnung, wo der Wind so sehr weht und der Professor Norbert Jürgens der Kanzlerin unter anderem erläutert, wie sich der Klimawandel auf die Zahl und Verschiedenheit der Arten auswirkt. Nein, Merkel ist nicht einfach so am Kap, um zu gucken. Politiker reisen nicht, um einfach nur zu gucken.
Rund um Kapstadt gibt es eine unglaubliche Vielfalt verschiedener Pflanzen. Allein auf dem berühmten Tafelberg oberhalb der Stadt zählen die Experten mehr Arten als auf den gesamten britischen Inseln, sagt Jürgens. Der Hamburger Biologe leitet ein von der Bundesregierung und afrikanischen Partnern finanziertes Forschungsprojekt namens Biota-Africa, das in verschiedenen Regionen des Kontinents die Artenvielfalt und deren Bedrohungen erforscht.
| Bildstrecke Merkel in Afrika | ||||||||||||||
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Merkel ist von dem unprätentiösen Professor angetan. Er ist Naturwissenschaftler wie sie, und später sagt sie, dass sie es auch immer wieder interessant finde, auf solchen Reisen "mal so richtig zu sehen", was sich hinter oft relativ kleinen Etatposten in einem Ministerium ihrer Regierung verberge. Biota zum Beispiel sei so etwas, und wenn man das hier am Kap so erklärt kriege wie von dem Professor Jürgens, dann könne man eben richtig sehen, wie das alles zusammengehöre, die Natur, das Klima, die Gefahren fürs Klima.
Das berührt das Grundverständnis dessen, was für Merkel "Politik" bedeutet: Wir identifizieren ein Problem (Klimawandel und Artenvielfalt), suchen nach einer möglichst vernünftigen Vorgehensweise (quantitative und qualitative Durchdringung durch Biota), stellen Geld dafür bereit (Forschungsministerium) und haben insgesamt etwas getan als Politikerin und Kanzlerin.
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![]() 09.10.2007 00:49:07 stockdorfer: Afrika ist sooo schön ! Zitat SZ: "Kognak aus Elefantenfüßen - wie die Kanzlerin bei der Durchquerung ein Gefühl für den Kontinent entwickelt." Die Kanzlerin "Angie" hat also schon so ein richtiges Gefühl für Schwarzafrika entwickelt. Sie trinkt bereits den Cognac aus den Füssen (gewilderter ?) Elefanten und fühlt sich dabei sichtlich, wie viele Touristen aus den neuen Bundesländern, so richtig problemlos wohl. Die Sonne hat ihre Ostsee-Blässe bereits in ein tiefes CDU-schwarz verwandelt. Afrika ist so schön - warum bleibt sie nicht gleich dort ? ;-) ![]()
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