Sarkozy aus Luxus-Urlaub zurück
Frankreich
10.05.2007, 9:19
Auf dieser Luxus-Yacht verbringt Sarkozy seinen Kurzurlaub. (Foto: Reuters)
Frankreichs künftiger Präsident Nicolas Sarkozy ist wieder zu Hause in Frankreich - doch die Kritik an seiner teuren Luxus-Reise dürfte noch einige Zeit anhalten.
Kurz vor seiner Amtseinführung am kommenden Mittwoch hatte Sarkozy für einen Sturm der Entrüstung gesorgt: Nach seinem Wahltriumph am Sonntag stieg er mit Frau und Sohn in einen Privatjet, ließ sich nach Malta fliegen und erholte sich zweieinhalb Tage auf der Yacht eines der reichsten Industriellen des Landes.
Die Opposition hätte ihm eine kurze Verschnaufpause nach dem harten Wahlkampf zugebilligt, doch der Luxustrip zum Mittelmeer ging ihr zu weit. Auch das eigene Lager hält die spontane Entscheidung Sarkozys mittlerweile für unglücklich. "Er hätte vielleicht besser ein Kloster gewählt", zitierte die Zeitung Libération am Mittwoch einen seiner Vertrauten.
Sarkozy kann das nicht verstehen; er beließ es nach seiner Rückkehr bei der Erklärung, er wolle sich nicht entschuldigen.
Die Paparazzi-Fotos von Sarkozy auf der 60 Meter langen "Paloma" erweckten tatsächlich nicht gerade den Eindruck eines "Präsidenten des Volkes", als den sich Sarkozy im Wahlkampf stets präsentiert hatte.
Er wolle sich einige Tage zurückziehen, um das Ausmaß der Verantwortung zu ermessen, das als neuer Präsident auf seinen Schultern lasten werde, hatte er vor seinem Kurzurlaub gesagt. Dass ihm dies beim badebehosten Sprung von der Yacht ins azurblaue Mittelmeer gelingt, bezweifelt die Linke indes: "Skandalös und unbescheiden", nannte die sozialistische Abgeordnete und Exjustizministerin Elisabeth Guigou den Kurzurlaub. Zudem wittert sie einen Interessenkonflikt.
Der Privatjet und die Yacht gehören Vincent Bolloré, einem der einflussreichsten Industriellen Frankreichs, der auch in der Medienwelt aktiv ist. Der Flug und zwei Tage Miete für das Luxusboot belaufen sich laut Libération-Recherchen zusammen auf 70.000 Euro.
Natürlich habe der künftige Präsident das Recht auf reiche Freunde, sagte Guigou. Aber bei derartigen Geschenken stelle sich die Frage, ob sie nicht den Anspruch auf einen Gegengefallen nach sich zögen.
Sarkozy selbst sah am Mittwochvormittag keinen Anlass, sich zu entschuldigen: "Ich habe nicht die Absicht, mich zu verstecken, zu lügen oder mich zu entschuldigen", sagte der 52-Jährige am Mittwoch dem privaten Radiosender Europe 1. "Ich sehe nicht, worüber hier gestritten wird."
Er kenne den Besitzer der Yacht, Vincent Bolloré, seit 20 Jahren. Seit dieser Zeit lade ihn Bolloré ein, und er habe bislang stets abgelehnt. Bolloré habe überdies "niemals mit dem Staat gearbeitet". Sarkozy fügte hinzu: "Ich wünsche der französischen Wirtschaft viele wie Vincent Bolloré."
Die Franzosen könnten zwischen "Politiker-Polemik" und der Realität unterscheiden, sagte er zu seinen Kritikern.
So manchem im Lager des künftigen Chefs im Élysée-Palast schwant indes, dass sich der Trip als politischer Bumerang erweisen könnte. "Drei Wochen vor der Parlamentswahl war es vielleicht nicht die beste Idee", zitiert der konservative Le Figaro einen Vertrauten.
Im Wahlkampf hatte Sarkozy einen "Bruch" mit dem als herrschaftlich und abgehoben geltenden Regierungsstil seines Vorgängers Jacques Chirac versprochen. Und er hatte sich als Mann verkauft, dessen Worte und Taten übereinstimmen.
53 Prozent der Franzosen schenkten ihm am Sonntag sein Vertrauen und gaben ihm damit auch ein klares Votum für die angekündigten Reformen. Dafür
braucht er freilich den Rückhalt der einfachen Leute, schließlich werden sie von einem Abbau der Rentenprivilegien und Einschnitten ins soziale Netz am stärksten betroffen sein.
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"Wir waren gewarnt", sagte der sozialistische Senator Jean-Luc Mélenchon. Sarkozy sei nicht der Präsident der Armen, sondern der Präsident der großen Unternehmer.
Bereits am Mittwochvormittag hatten weite Teile der französischen Presse dem 52-Jährigen wegen des teuren Kurztrips ungebührliches Verhalten vorgeworfen.
"Der Mittelmeerausflug der Familie Sarkozy schockiert, weil er einigen großen Wahlkampfthemen widerspricht", notierte Nouvelle République du Centre ouest aus Tours: "Schwierig zu vergessen, dass die Hymne an die Arbeiter, an jene ’Frühaufsteher’ (...) ein weites Echo in der Wählerschaft gefunden hat."
Die République des Pyrénées fühlt sich durch Sarkozys Art, Geld zur Schau zu stellen, an Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi erinnert. La Dépêche du Midi spottete, Sarkozy zeige "eine maßlose Vorliebe für Luxus, so wie ein Neureicher nach einem Lottogewinn". Dabei sei der Élysée-Palast
aber nicht die staatliche Lottogesellschaft.
Der Sprecher der unterlegenen Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal, Vincent Peillon, sagte ironisch: "Herr Sarkozy scheint Stütze zu bekommen, aber von den Milliardären." Man habe "noch nie jemanden gesehen, der - kaum gewählt - derart provokant seine Vorliebe für Geld und seine Nähe zur Geschäftswelt zur Schau stellt".
Ex-Premierminister Jean-Pierre Raffarin erinnerte dagegen daran, dass Sarkozy seine Funktion als Staatschef erst noch antreten werde. Nach fünf Jahren in Regierung und Wahlkampf habe Sarkozy das Recht, mit seiner Familie drei Tage zu verbringen, bevor er sich "völlig" seinem neuen Amt widmen werde, sagte der Konservative im RTL-Radio.
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