Deutsche Journalisten getötet

    Afghanistan

    07.10.2006, 16:48

    Am 5. Jahrestag des Kriegsbeginns und erstmals seit dem Sturz der Taliban sind in Afghanistan deutsche Journalisten getötet worden. Christian Struwe und Karen Fischer waren Mitarbeiter der Deutschen Welle. Die beiden seien jedoch auf einer privaten Reise gewesen.

    Unbekannte überfielen die freien Mitarbeiter des deutschen Auslandssenders in der Nacht zum Samstag gegen 01.20 Uhr Ortszeit in ihrem Zelt und erschossen sie mit einem Schnellfeuergewehr, wie ein Sprecher des Innenministeriums in Kabul mitteilte.

    Die 30-jährige Journalistin und der 38-jährige Techniker waren nach Angaben des Innenministeriums auf dem Weg von Baghlan nach Bamijan, wo die fundamentalistischen Taliban im März 2001 weltberühmte Buddha-Figuren gesprengt hatten. Die Provinz Baghlan gilt als relativ ruhig im Vergleich zum Süden und Osten Afghanistans, wo Taliban-Überfälle an der Tagesordnung sind.

    Der Polizeichef der Provinz Baghlan, Mohammad Asim Haschami, sagte, die beiden seien in einem Geländewagen unterwegs gewesen und hätten ihr Nachtlager außerhalb des Dorfs Abtotak im Bezirk Tala Wa Barfak aufgeschlagen. Von Schüssen aus einem Sturmgewehr AK-47 seien sie am frühen Samstagmorgen getötet worden.

    Dorfbewohnern hätten die Schüsse gehört und eilten daraufhin zu der Stelle. "Sie fanden ein Zelt, und sie fanden die zwei Journalisten tot auf." Persönliche Dinge oder das Auto der beiden seien nicht gestohlen worden.

    Taliban weisen Verantwortung zurück

    Die radikal-islamischen Taliban wiesen jede Verantwortung für die Tat zurück. "Unsere Mudschaheddin greifen keine Journalisten an", sagte Taliban-Sprecher Kari Jussuf Ahmadi.

    Ein Sprecher der internationalen Schutztruppe ISAF, Major Dominic White, erklärte, die beiden Journalisten hätten bis vergangenen Mittwoch "Arbeit im Zusammenhang mit der ISAF" geleistet und seien dann auf eigene Faust durchs Land gezogen.

    Die Reporter wollten in Bamian nach ihrer ISAF-Arbeit an einer Dokumentation arbeiten. Die ISAF habe die beiden vor der Reise gewarnt, hieß es. Der Polizeichef Bamians, General Mohammed Dschalal Haschimi, sagte, die beiden seien allein - ohne Fahrer und ohne einheimischen Führer - unterwegs gewesen.

    In Kabul hieß es, dem afghanischen Außenministerium läge keine Akkreditierung der beiden Journalisten vor. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin standen die Reporter zum Tatzeitpunkt nicht in der Obhut der deutschen Truppen im Land.

    Zu einer vorherigen Zusammenarbeit mit der Bundeswehr gibt es keine Angaben. Das Ministerium sei zunächst selbst auf die weiteren Ermittlungen angewiesen, sagte er.

    "Pionierleistung für funktionierenden Journalismus"

    Laut Deutsche-Welle-Sprecher Johannes Hoffmann seien Karen Fischer und Christian Struwe auf einer privaten Reise durch das Land gewesen: "Das war keine Mission für den Sender."

    Möglich sei aber, dass sie Material sammeln wollten, um es anderen Medien anzubieten. Laut Hoffmann kannten sie das Land durch mehrere Reisen gut, Struwe lebte ein Jahr in Afghanistan und betreute den Aufbau der internationalen Nachrichtenredaktion des staatlichen Senders RTA (Radio Television Afghanistan), ein Projekt, das im August abgeschlossen worden war.

    Der Intendant der Deutschen Welle, Erik Bettermann, sprach den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Die beiden hätten eine "Pionierleistung für einen funktionierenden Journalismus in Afghanistan" erbracht.

    Steinmeier: "Afghanische Regierung umso nachdrücklicher unterstützen"

    Unterdessen hat die Bundesregierung die Ermordung "auf das Schärfste" verurteilt. "Dieses schreckliche Verbrechen muss aufgeklärt, die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden", heißt es in einer Erklärung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD):

    "Der grausame und sinnlose Tod unserer Landsleute bestärkt uns in unserer Verpflichtung, die afghanische Regierung in ihrem Einsatz für Sicherheit und Rechtsstaatlichkeit in Afghanistan umso nachdrücklicher zu unterstützen." Steinmeier sprach Angehörigen, Freunden und Kollegen der Opfer das Mitgefühl der Bundesregierung aus.

    Fünfter Jahrestag des Kriegsbeginns

    Als zuvor letzter deutscher Journalist war im November 2001 in Afghanistan ein Reporter des Magazins "Stern" bei Kampfhandlungen vor dem Sturz der Taliban getötet worden. Am Samstag war der fünfte Jahrestag des Kriegsbeginns in Afghanistan.

    Eine US-geführte Koalition hatte das radikal-islamische Taliban-Regime Ende 2001 gestürzt. Die Taliban hatten sich geweigert, den Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, Osama bin Laden, auszuliefern.

    (sueddeutsche.de/dpa/AP/AFP)

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