Wenn US-Präsident Bush heute mit Großbritanniens Premier Brown zusammentrifft, geht es auch um die Lage im Irak. Neue Berichte legen abermals nahe, dass hier nicht nur dringender Gesprächsbedarf besteht - sondern gehandelt werden muss.

"Täglicher Überlebenskampf": Viele Kinder im Irak sind traumatisiert und unterernährt. Foto: AP

Der britische Premierminister Gordon Brown will bei seinem Antrittsbesuch in den USA in Camp David mit US-Präsident George W. Bush an diesem Montag über eine Reihe von Themen sprechen - von der Krise in Darfur bis hin zur Situation des Welthandels.

Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte ist aber voraussichtlich die Lage im Irak. Die militärischen und politischen Stabilisierungsbemühungen der Amerikaner in dem vom Krieg gezeichneten Land waren zuletzt immer wieder scharf kritisiert worden - weil aus Sicht vieler Beobachter kaum Fortschritte erzielt werden konnten.

Bei den Gesprächen dürfte es wohl auch um den an diesem Montag veröffentlichten Bericht eines US-Sondergeneralinspekteurs gehen, der - wie mehrere andere Reports in der Vergangenheit - zu dem Ergebnis kommt: Der Wiederaufbau im Irak geht nur schleppend voran. Die irakische Regierung übernehme zu wenig Verantwortung für entsprechende Projekte.

Der vom US-Kongress eingesetzte Prüfer untersuchte, wie die US-Finanzhilfen in Höhe von 44 Milliarden Dollar seit 2003 im Irak verwendet wurden.

In dem Bericht wird vor allem kritisiert, dass die Übertragung der Verantwortung für Wiederaufbauprojekte an den Irak nicht funktioniere, obwohl die Regierung in Bagdad mittlerweile überwiegend selbst für die Verwaltung der entsprechenden Gelder zuständig sei. Zudem habe der Irak sein Haushaltsbudget im vergangenen Jahr nicht effektiv eingesetzt: Es seien nur 22 Prozent der zur Verfügung stehenden Mittel ausgegeben worden. 2007 könnten dem Bericht zufolge jedoch bis zu 50 Prozent des Budgets verwendet werden.

Am meisten habe bisher das Ölministerium ausgegeben, das bereits 538 Millionen Dollar oder 23 Prozent seines Budgets verbraucht habe. Für staatliche Bauvorhaben seien 174 Millionen aufgewendet worden, während 87 Millionen in Bildung investiert worden seien.

"Täglicher Überlebenskampf"

Wie unterdessen die Hilfsorganisation Oxfam in Amman berichtete, droht im Irak im Schatten der täglichen Gewalt eine humanitäre Katastrophe. Acht Millionen Menschen in dem Bürgerkriegsland benötigten dringend Nahrungsmittel, Medikamente und Unterkunft.

Hauptleidtragende seien die Kinder, von denen fast ein Drittel unterernährt seien. Oxfam und andere Nichtregierungsorganisationen forderten bei der Vorstellung des Berichtes die irakische Regierung und Geberländer auf, den "täglichen Überlebenskampf“ der Menschen im Irak mehr zu unterstützen.

(Reuters/AP/sueddeutsche.de)