Struck fordert Freilassung des Jugendlichen

    Deutscher in türkischer Haft

    23.06.2007, 13:39

    Die Bundesregierung hat die Türkei aufgefordert, den Deutschen Marco W. aus dem Gefängnis zu entlassen. Der 17-jährige war nach einem angeblich intimen Kontakt zu einer 13-jährigen Britin inhaftiert worden.

    Ein Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen sitzt seit zehn Wochen im Touristenort Antalya wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Haft, weil er ein Verhältnis mit einer 13-jährigen Urlauberin aus England gehabt haben soll. Er ist Berichten zufolge in einer Zelle mit mehr als 30 Mitgefangenen aus mehreren osteuropäischen Ländern untergebracht.

    Das deutsche Konsulat in Ankara sei deshalb in Kontakt mit den türkischen Behörden, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Ziel sei es zunächst, möglichst schnell eine Freilassung zu erreichen.

    Auch SPD-Bundestagsfraktionschef Peter Struck forderte von der Türkei, den Schüler frei zu lassen. Struck, der Abgeordneter des Wahlkreises Celle-Uelzen ist, sagte dem Spiegel, er sei „erschüttert über die Haftbedingungen des Jugendlichen“. Das Verfahren müsse zum schnellstmöglich Abschluss gebracht werden.

    Die Kieler Strafrechtlerin und Kriminologin Monika Frommel sagte der gleichen Zeitschrift, es sei "empörend, wie die türkische Justiz einen jungen Mann kriminalisiert". Der "Terror überholter Moralvorstellungen" zeige, dass die Türken in Europa noch nicht angekommen seien.

    Der Junge war mit seinen Eltern im Touristenort Side im Osterurlaub, als es in der Nacht zum 11. April in einem Hotelzimmer zwischen ihm und der 13-jährigen Engländerin Charlotte M. aus Manchester zu intimen Zärtlichkeiten kam. Das Mädchen soll sich dem Deutschen gegenüber als 15-Jährige ausgegeben haben. Im selben Zimmer schlief während der angeblichen Tat eine weitere junge Engländerin. Die 14-jährige Schwester von Charlotte M. habe sich gleichzeitig mit einer Urlaubsbekanntschaft auf dem Balkon vergnügt.

    Obwohl von Gewalt dem Bericht zufolge keine Rede war, nahm die türkische Kriminalpolizei den Schüler wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Haft. Die 40-jährige Mutter des Mädchens hatte Anzeige gegen den jungen Deutschen erstattet. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu acht Jahre Gefängnis.

    (AFP)

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    Leserkommentare (14)



    07.12.2007 01:35:47

    fmeyer01: Wie denken wohl alle in 10 Jahren darüber?

    Abgesehen davon, dass das Strafsystem zu kritisieren ist, weil es im gesellschaftlichen Sinne gegenüber den Beteiligten nicht mehr in der Lage ist, angemessen zu handeln. Mich würde die Frage interessieren, wie wohl die Beteiligten in 10 Jahren über diese Ereignisse denken werden - wenn sie es dann noch tun.

    Alle tun mir leid - aber aus ganz unterschiedlichen Gründen.

    Ich hoffe, Marco W. wird gut behandelt und behält keine Schäden von diesem türkischen Knast. Das Schlimmste daran sind nicht die Knast-Bedingungen sondern sowieso immer die Tatsache, entrechtet zu sein und fortwährend unfair behandelt zu werden. Selbst wenn Marco W. etwas Unrechtes getan haben sollte, ist das, was jetzt ihm jetzt von staaticher Seite aus verordnet wird in den Auswirkungen auf die seelische Entwicklung nicht weniger.

    Ich würde es schlimm finden, einerseits der Ansicht zu sein, nichts Unrechtes getan zu haben - jedenfalls nicht so, wie es hier gemaßregelt wird - und trotzdem immer einen Zustand der Buße und Beichte und Wohlstellung formen zu müssen, damit alles für mich selbst nicht noch schlimmer wird.

    Falls die Charlotte etwa Schlimmes ausgesagt haben sollte, hoffe ich, dass sie es nach Reifung und Entwicklung nicht bereuen muss.

    Wie die türkischen Gerichte unter Wahrung ihres ihres Gesichts da wieder heraus kommen wollen, ist mir rätselhaft - mehr als fadenscheinig sagen zu können - alles muss seinen rechtmäßigen Gang gehen - da müssen Einzelinteressen auch mal hintenan stehen - haben sie nicht. Ich fürchte sogar, dass eine rechtsbrechende Kriminalisierung stattfinden wird oder Geständnisse um der Freiheit willen erpresst werden.


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