Für die fünf aus israelischer Haft entlassenen Libanesen, unter ihnen der als Mörder verurteilte Samir Kuntar, ist im Libanon ein Empfang mit einem roten Teppich vorbereitet - der Vater des toten israelischen Soldaten Goldwasser ist entsetzt.

Kehrt zurück in den Libanon: Samir Kuntar Foto: AFP

Knapp zwei Jahre nach Ende des Libanonkrieges hat die libanesische Hisbollah-Miliz am Mittwoch die Särge mit den sterblichen Überresten von zwei israelischen Soldaten übergeben. Die Entführung von Ehud Goldwasser und Eldad Regev vom 12. Juli 2006 hatte den Libanonkrieg ausgelöst.

Israelische Spezialisten bestätigten unterdessen nach übereinstimmenden israelischen Medienberichten die Identität der beiden getöteten Soldaten Regev und Goldwasser. Ein Armeesprecher sagte dagegen, der Prozess sei noch im Gange. Ein Grund für die Zurückhaltung des Sprechers könnte sein, dass zuerst die Angehörigen der toten Soldaten noch offiziell informiert werden müssen. Nach der Identifizierung ist der Weg jetzt frei für die Freilassung des libanesischen Top-Terroristen Samir Kuntar sowie von vier Hisbollah-Kämpfern.

Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders al-Dschasira nahm die Hisbollah vorerst die Leichen von sieben Kämpfern in Empfang sowie die sterblichen Überreste der Palästinenserin Dalal Mughrabi, die 1978 bei einem Angriff auf israelische Soldaten getötet wurde.

Der Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah kam nach monatelangen schwierigen Verhandlungen letztlich mit deutscher Vermittlung zustande. Weil es keine direkten Kontakte zwischen Israel und der Hisbollah gibt, bot das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) seine Hilfe bei der Übergabe an.

Die Familien der zwei israelischen Soldaten haben mit großer Trauer auf die Nachricht von deren Tod reagiert. "Zwei lange Jahre der Sorge, des Leids und großen Schmerzes sind heute zu Ende gegangen", heißt es in einer Stellungnahme der Familien von Eldad Regev und Ehud Goldwasser. "Leider haben wir unsere Söhne als Leichen und nicht als Lebende zurückbekommen."

Die Angehörigen dankten dem von den Vereinten Nationen beauftragten deutschen Vermittler Gerhard Conrad. Die Verwandten hätten sich mehrmals heimlich mit ihm getroffen, sagte ein Sprecher der Familien, Schmulik Elgrabli.

Roter Teppich im Libanon

Für die fünf Libanesen, die aus israelischer Haft entlassen werden sollen, ist im Libanon ein Empfang mit einem roten Teppich vorbereitet. Sie sollen nach Betreten des libanesischen Bodens sofort Militäruniformen erhalten. Später soll ihnen ein triumphaler Empfang auf dem internationalen Flughafen von Beirut bereitet werden.

Der Vater des toten Soldaten Goldwasser äußerte sich entsetzt über die geplanten Freudenfeierlichkeiten zur Rückkehr des Top-Terroristen Kuntar. "Ist der Mörder eines kleinen Mädchens euer Held?", fragte Shlomo Goldwasser. Der 45 Jahre alte Samir Kuntar war der am längsten einsitzende arabische Häftling in einem israelischen Gefängnis. Er hatte 1979 bei einem Überfall einer Guerillagruppe in Israel einen Polizisten und einen Familienvater erschossen. Der Tochter des Mannes habe der Libanese, so urteilte die israelische Justiz, mit dem Gewehrkolben den Schädel eingeschlagen.

Die radikal-islamische Hamas-Organisation bezeichnete den Gefangenenaustausch als einen Sieg des Widerstandes über Israel. Dies sei der Beweis, dass die Entführung von israelischen Soldaten der beste Weg sei, um die Gefangenen in israelischer Haft frei zu bekommen, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri.

(dpa/AP/Reuters/plin)