Die Macht der Bilder
Verschwörungstheorie
01.08.2006, 17:29
Das ist der Mann, den die Blogger für einen Hisbollah-Agenten halten. (Foto: dpa)
Es geht in Richtung Verschwörungstheorie, was in den Internetblogs diskutiert wird: Was geschah wirklich im libanesischen Dorf Kana, nachdem dort ein Haus zerstört wurde und mehr als 50 Menschen starben?
Starben wirklich alle von ihnen dort? Oder hat die Hisbollah den israelischen Angriff instrumentalisiert, um die weltweite Aufregung gegenüber Israel zu steigern?
Die israelische Tageszeitung Jediot Achronot fasste am Dienstag in ihrer Internetausgabe die Beobachtungen von Privat-Berichterstattern im Internet zusammen, die allesamt auf einen Vorwurf hinauslaufen:
Die Hisbollah hat am Sonntag bewusst auf die Macht der Bilder gesetzt.
Zum einen soll sie nach dem Angriff die Leichen von bereits Tage zuvor Verstorbenen nach Kana gebracht haben, um die Zahl der angeblich Getöteten zu erhöhen. Dazu passt, dass das libanesische Rote Kreuz am Dienstag erstmals von 28 Toten sprach statt der bisher vermuteten mehr als 50.
Die Blogger schreiben aber auch von unmittelbarer Inszenierung für die Kameras. Sie machen das fest am anscheinend unermüdlichen Einsatz eines Libanesen, der auf vielen Fotos der internationalen Nachrichtenagenturen auftaucht. Der Vorwurf: Dieser Mann sei ein Agent der Hisbollah, nur dazu da, den Fotografen tote Kinder zu präsentieren, den ganzen Tag. „Hisbollywood“ ist der Ausdruck, den die Blogger dafür verwenden.
Eine entscheidende Rolle für die Theorie spielt dabei die Uhrzeit: Den Beobachtungen der Blogger zufolge sind die Fotos zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten entstanden – der vermeintliche Helfer halte aber immer wieder das selbe Kind anklagend in die Kamera. Besonders am Internet-Pranger steht die Nachrichtenagentur AP. Sie habe die meisten dieser aus Sicht der Blogger gestellten Bilder um die Welt geschickt.
AP wehrt sich gegen den Vorwurf, Teil einer Hisbollah-Inszenierung zu sein. Aufgrund von „Kommunikationsproblemen“ seien mehrere AP-Fotografen in Kana gewesen, ohne voneinander zu wissen. Dass dabei mehrmals die Bergung des selben Kindes fotografiert werde, „liegt in der Natur der Sache“, sagt Barbara Bylek von AP Deutschland. Die Bilder seien zu unterschiedlichen Zeiten nach Beirut und London geschickt worden. Aus diesen Zeiten die Theorie einer Inszenierung zu konstruieren, sei „nicht möglich“. Die Agentur Reuters verweist darauf, dass auf seinen Bildern „ganz unterschiedliche Kinder“ zu sehen seien.
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