"Ich kann Kanzler" - das sagt nicht Frank Steinmeier von der SPD, das behaupten bald junge Deutsche im ZDF. Der Sender sucht politische Talente.

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Angela Merkel und Gerhard Schröder in Siegerpose: In der Show "Ich kann Kanzler" sollen junge Polit-Talente in einem Casting ihre eigenen Kanzler-Fähigkeiten unter Beweis stellen. Foto: ddp

Es gibt "Deutschland sucht den Superstar". Es gibt die Suche nach der Dschungel-Königin. Es gibt "Germany's Next Topmodel". Und es gibt bald "Ich kann Kanzler" auf dem ZDF - das populäre Prinzip der Castingshows setzt der öffentlich-rechtliche Sender vom Mainzer Lerchenberg einfach in die Politik um.

Weil das Superwahljahr läuft und das ZDF ein Quotenproblem bei jungen Menschen hat, werden nun im Fernsehen Nachwuchstalente mit Lust auf Politik und Gesellschaft gesucht. Die Botschaft: Politik ist für alle da - und jeder könnte Politiker sein. So kommt es zur Sendung "Ich kann Kanzler", die der Mainzer Nachrichten-Anchorman Steffen Seibert moderieren wird.

Bei dieser Castingshow der ganz besonderen Art können sich Deutsche im Alter zwischen 18 und 35 Jahren bewerben. Die besten vierzig Bewerber kommen zur Vorausscheidung nach Berlin - und dann entscheidet eine dreiköpfige Jury, wer aus dem Trupp ins Finale einzieht. Das wiederum wird im Sommer live im
ZDF ausgestrahlt.

Da werden vermutlich alle gerne zuschauen, vom Parlamentarier bis zur Hausfrau. Gerhard Schröder rüttelte bekanntlich einst an den Gitterstäben des Bonner Bundeskanzleramt und brüllte: "Ich will hier rein!" Jetzt reden die politischen Talente einfach bei "Ich kann Kanzler" um den Sieg. In mehreren Testrunden müssen sie vor Jury und Studiopublikum bestehen.

Natürlich ist der Weg in die "Waschmaschine", wie Helmut Kohl das Kanzleramt in Berlin nannte, auch für den ZDF-Politsuperstar noch ziemlich weit. Aber nicht zuletzt der steile Aufstieg des Barons Karl-Theodor zu Guttenberg hat deutlich gemacht, was an politischer Karriere derzeit in Deutschland möglich ist. Auch Junge haben ihre Chance, und Designeranzüge sind kein Hindernis mehr.

Beim ZDF bewirbt man sich bis zum 27. März unter www.kanzler.zdf.de - mit selbstgedrehten Videos und Fotos von politischen Aktivitäten sowie kurzen Texten. Sie sollen darlegen, was am Beruf Bundeskanzler toll ist und warum sie die Richtigen dafür sind. Wer da am überzeugendsten ist, kann danach im Internet begutachtet werden: dann diskutieren die User mit den Kanzlerkandidaten des ZDF.

Mit einer fiktiven Unterhaltungsserie über das Treiben in der Regierungszentrale hatte der Sender vor Jahren wenig Erfolg. "Das Bundeskanzleramt" lehnte sich hochwertig an die erfolgreiche US-Serie "West Wing" an, doch die Zuschauer blieben aus.

Auch für die neue Polit-Castingshow gibt es ein Vorbild vom nordamerikanischen Kontinent, aus aus Kanada: Dort hatte die Show "Canada's Next Great Prime Minister" großen Erfolg. Der Regierungschef freilich ist bislang noch nicht durch den TV-Gewinner ersetzt worden.

Aber vielleicht kann ja Angela Merkel in Deutschland von den TV-Kandidaten lernen, wie man es besser macht.

(sueddeutsche.de/jja/gba)