Europäische Freizügigkeit
Internationale Stammzelldebatte
11.02.2008, 11:40
Eine Debatte um Embryonen und Stammzellen, wie sie Deutschland nun schon zum zweiten Mal erlebt, steht in Europa noch einigen Ländern bevor. Vor allem die neuen EU-Mitglieder im Osten haben sich solche Streitigkeiten bisher erspart. Sie haben zum Thema einfach noch keine Gesetze.
Unter den 18 EU-Ländern mit einer Stammzellgesetzgebung ist Deutschland besonders zurückhaltend: Noch strenger sind nur fünf Staaten. Irland, Polen, Malta, die Slowakei und Litauen erlauben überhaupt keine Forschung mit den wandlungsfähigen Alleskönnern, die aus menschlichen Embryonen gewonnen werden. Italien gewährt wie Deutschland Importgenehmigungen, allerdings ohne Altersbeschränkung für die Zellen.
Weitaus liberaler sind Frankreich, Griechenland, Dänemark und die Niederlande, wo Forscher auch selbst Stammzellen aus Embryonen gewinnen dürfen. Größtmögliche Freiheit für die Forschung gewähren mittlerweile sieben EU-Länder. In Großbritannien, Belgien, Schweden, Finnland, Tschechien, Portugal und Spanien dürfen Wissenschaftler zur Herstellung der Zellen nicht nur Embryonen aus künstlicher Befruchtung verwenden, die von ihren Eltern nicht mehr gebraucht werden.
Die Forscher dürfen, wie in Israel und den USA, auch eigens Embryonen durch Klonen herstellen. Dazu verwenden sie eine einfache Körperzelle eines Erwachsenen und "befruchten" mit deren Erbinformation die Eizelle einer Frau. "Die Lage in Europa ist ausgesprochen divers", sagt Joeri Borstlap, Koordinator des Europäischen Stammzellregisters. "Es ist ein Ergebnis dessen, dass es keine einzelne allgemein akzeptierte Definition des moralischen Status eines Embryos gibt."
Die Gesetzgebung der einzelnen Länder lässt sich nicht einmal an der Religion der Bewohner ablesen, wie das ebenso freizügige wie katholische Spanien zeigt. Dort waren es sogar die Konservativen, die vor fünf Jahren ein Gesetz ins Parlament einbrachten, das die Gewinnung der wandlungsfähigen Zellen erlaubt. Seither wurden 36 tiefgefrorene Embryonen von ihren leiblichen Eltern, die inzwischen Kinder bekommen hatten, für die Forschung freigegeben.
Im vergangenen Jahr erlaubte die sozialistische Regierung dann auch das Klonen. "Sowohl die katholische Kirche als auch die Bevölkerung scheinen hinter der Stammzellforschung zu stehen", sagt der deutsche Stammzellexperte Hans Schöler mit gewissem Neid. ,,Wieso nur ist das für die katholische Kirche in einem Land kein Thema und in dem anderen Land so schlimm, dass uns Bischöfe in die Nähe der NS-Ärzte meinen stellen zu müssen?"
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