Die Kanzlerin will den Forderungen der irakischen Entführer nicht nachkommen und den Aufbau einer Demokratie im Irak auch weiterhin unterstützen. Zu den Entführern der beiden deutschen Männer besteht immer noch kein direkter Kontakt - das bange Warten auf ein Lebenszeichen hat begonnen.
Nach dem Auslaufen des Ultimatums im Fall der beiden im Irak entführten Deutschen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) indirekt die Forderungen der Kidnapper zurückgewiesen.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagte sie, Deutschland werde weiter den Aufbau einer Demokratie im Irak unterstützen. Außerhalb des Landes würden Polizisten von deutschen Sicherheitskräften ausgebildet. Deutschland leiste erhebliche finanzielle Unterstützung. Die Entführer fordern den Abbruch der Beziehungen.
Nach dem Auslaufen des Ultimatums im Fall der beiden entführten Deutschen im Irak warten Angehörige und Bundesregierung auf ein Lebenszeichen der beiden Männer aus Leipzig.
Die Regierung sei sich bewusst, „dass die Situation nach dem Ultimatum und dem zweiten Video sehr ernst ist“, sagte der Staatsminister im Auswärtigen Amt, Gernot Erler, dem Münchner Merkur. Sie versuche alle Möglichkeiten zu nutzen, „um in dem Geiseldrama zu einem guten Ende zu kommen“.
Mit eindringlichen Appellen hatten sich Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Freitag für die Freilassung der beiden Geiseln eingesetzt. Köhler sagte in Berlin: „Ich betrachte die Entführung mit großer Sorge.“
Er sei überzeugt, dass die Regierung das Menschenmögliche tue, „dass unsere beiden Landsleute gesund nach Hause kommen: Das ist unser Wunsch, das ist unsere Hoffnung und dafür bete ich auch.“
Steinmeier wandte sich per Fernsehen an die Entführer: „Bundeskanzlerin Merkel und ich appellieren an Sie - auch im Namen aller Deutschen - Thomas Nitzschke und René Bräunlich unversehrt freizulassen.“ Er räumte zugleich ein, dass die Bundesregierung noch keinen direkten Kontakt zu den Entführern herstellen konnte.
Steinmeiers Aufruf wurde über den arabischen Fernsehsender Al-Dschasira in der Region und vom ZDF gesendet.
In einem am vergangenen Dienstagabend ausgestrahlten Video hatten die Kidnapper mit der Ermordung der beiden Männer aus Leipzig gedroht und zur Erfüllung ihrer Forderungen ein 72-Stunden-Ultimatum gestellt.
Die Männer waren am 24. Januar verschleppt worden. Die Geiselnehmer verlangen unter anderem die Schließung der deutschen Botschaft in Bagdad, den Abzug aller deutschen Firmen aus dem Irak sowie ein Ende der Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der irakischen Regierung.
Auf den Ernst der Lage wies am Freitag auch der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg vor der Bundespressekonferenz hin. Die Situation sei nach wie vor sehr ernst, sagte er. Merkel hatte am Donnerstagabend die Koalitionsspitzen unterrichtet und dabei die Lage ebenfalls als „ernst und schwierig“ bezeichnet.
Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes beschäftigt sich weiter rund um die Uhr mit dem Schicksal der Deutschen, die für die Leipziger Firma Cryotec in Irak sind.
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