Giftspritze ist für US-Richter keine grausame Strafe

    Todesstrafe in den USA

    17.04.2008, 6:26

    Das Oberste US-Gericht hat die Hinrichtungen mit der Giftspritze für rechtens erklärt. Unmittelbar darauf zog ein erster Bundesstaat Konsequenzen aus dem Urteil.

    Todesstrafe afp

    Für sieben der neun US-Richter steht fest: Die Todesstrafe mit der Giftspritze ist mit der Verfassung vereinbar (Foto: AFP)

    In einem Grundsatzurteil zur Todesstrafe hat das Oberste Gericht der USA die Hinrichtung per Giftspritze für rechtens erklärt. Die Hinrichtungsart verstoße nicht gegen das in der US-Verfassung festgeschriebene Verbot "grausamer und unüblicher" Strafen, urteilten die höchsten Richter in Washington.

    Das Urteil wurde mit einer klaren Mehrheit von sieben zu zwei Stimmen gefällt. Seit mehr als einem halben Jahr wurde in den USA kein Mensch mehr hingerichtet; vor der weiteren Vollstreckung der Todesstrafe hatten die Bundesstaaten das Urteil des Supreme Court abwarten wollen.

    Unmittelbar nach Bekanntgabe des Urteils hob der Gouverneur von Virginia ein seit Herbst geltendes Moratorium für Hinrichtungen auf.

    Die 1977 eingeführte Todesspritze besteht aus drei Chemikalien: die erste betäubt den Hinrichtungskandidaten, die zweite lähmt seine Muskulatur, die dritte schließlich bringt das Herz zum Stillstand. Verläuft die Injektion planmäßig, wird der Verurteilte rasch bewusstlos und stirbt binnen weniger Minuten.

    Wird allerdings die erste Chemikalie nicht richtig verabreicht, können die beiden anderen Wirkstoffe zu furchtbaren Qualen und einem regelrechten Todeskampf führen. Mehrere Hinrichtungen, bei denen genau dieser Fall eintrat, lösten weltweit Entsetzen aus.

    (AFP/bica/beu)

    ANZEIGE

    mehr ...


    Themen

    Weitere Artikel in Politik

    Leserkommentare (27)



    25.04.2008 18:12:28

    e.vogel: Menschenrechte

    Wenn wir anfangen, die Menschenrechte an Bedingungen zu knüpfen, können wir es gleich sein lassen, sie zu postulieren. Das macht die Menschenrechte aus, dass sie unumstößlich sind.

    Und insbesondere verstehe ich nicht, wie man sagen kann, dass es rechtens ist, einen Mörder mit dem Tode zu bestrafen, wenn wir ja genau den Akt des Mordens bestrafen. Das ist ein Paradoxon.

    Wir schlagen auch kein Kind, um ihm beizubringen, dass es nicht schlagen soll.

    Wer argumentiert, dass es in "diesem" oder "jenem" Fall rechtens ist, einen Mord zu begehen (beispielsweise eben, wenn jemand angeblich seine Menschenrechte "verwirkt" hat, weil er sie selbst missachtet hat), der tendiert doch zu der Ansicht, dass Morden (unter gegebenen Bedingungen) ok ist. Was unterscheidet denn das staatliche Morden vom "gewöhnlichen" Mord, dass wir das eine legitim finden und das andere bestrafen?


    Bewerten Sie diesen Kommentar




    vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 | 3 | 4 | ... | 6 ältere Kommentare nächste Kommentare

    Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


    "Ich kann nur kurze Sätze": Franz Müntefering verlässt die Politik - zum Abschied haben wir seine besten Sprüche gesammelt.
    Das Magazin "Forbes" hat die mächtigsten Personen der Welt aufgelistet. Gut platziert: Ein Drogenboss und ein Terrorist.
    Was der Präsident sagt, ist mir egal - in Silvio Berlusconis Vita mangelt es nicht an Entgleisungen wie dieser. Ein Worst-of in Bildern.
    George W. Bush massiert Angela Merkel, Paul Wolfowitz trägt löchrige Socken und Sarah Palin weiß wenig von der Welt: Ein Vote in Bildern.

    ANZEIGE

    Anzeige: Die Seite 3 - Reportagen aus fünf Jahrzehnten
    Bilder aus der Politik
    Kritikern nannten ihn einen linken Scharfmacher, doch Oskar Lafontaine hatte noch viel vor. Nun bremst ihn ein Krebsleiden.
    Der US-Präsident auf Asien-Reise: Wie Obama um die Gunst der Chinesen wirbt.
    Van Rompuy und Ashton treffen auf breite Zustimmung. Das neue Führungsduo der EU geht mit vielen Vorschusslorbeeren an die Arbeit.
    Nach der dramatischen Wahlniederlage stellt sich die SPD neu auf: Wer neben dem Parteichef Sigmar Gabriel künftig das Sagen hat.
    Süddeutsche Zeitung Photo
    Armutsflüchtlinge aus Afrika
    Die EU erlebt seit Jahren an ihren südlichen Grenzen einen gewaltigen Ansturm von Flüchtlingen aus Afrika. Zu tausenden und unter Einsatz ihres Lebens stürmen sie die Wohlstandsgrenze, getrieben von der vagen Hoffnung auf ein besseres Auskommen. Viele sterben auf dieser Reise und wer ans Ziel kommt, ist dort nicht willkommen. mehr...
    Politik transparent gemacht
    Über abgeordnetenwatch.de können Sie Ihre Bundestags-Abgeordneten vor Ort online befragen. Einfach Ihre Postleitzahl eingeben und los geht's! Suchen Sie nach bestimmten Themen oder Abstimmungen? Dann geben Sie einfach ein Schlagwort ein.

    Postleitzahl oder Schlagwort:

    Link auf abgeordnetenwatch.de