Die größte Fraktion der Wahlberechtigten sind die, die ihr Wahlrecht nicht nutzen. Alle großen Parteien haben an die Gruppe der Nichtwähler verloren. Ein Überblick.

Mehr als drei Millionen Menschen, die noch bei der Bundestagswahl 2005 für Union, SPD oder eine andere Partei abgestimmt haben, sind dieses Mal nicht zur Wahl gegangen. Damit ist die Gruppe der Nichtwähler auf fast 28 Prozent der Stimmberechtigten angewachsen und hat die Volksparteien SPD und CDU zahlenmäßig übertroffen.

Besonders den Sozialdemokraten haben zahlreiche Wähler den Rücken gekehrt. 2,1 Millionen SPD-Wähler von 2005 sind diesmal den Urnen ferngeblieben, errechnete Infratest dimap. Mehr als eine Million einstige SPD-Wähler entschieden sich bei dieser Wahl für die Linke. Doch auch an alle anderen Parteien musste die SPD Wähler abgeben: 870.000 wanderten zur Union, 860.000 wählten die Grünen und eine halbe Million wählte diesmal FDP statt SPD.

Insgesamt wählten damit nur noch zehn Millionen Menschen die Sozialdemokraten - ein immenser Schwund. 1998 hatten noch 20 Millionen für die SPD und Gerhard Schröder ihre Stimme abgegeben.

Die Union, die sich mit ihrer Kanzlerin Angela Merkel als große Siegerin feiert, täuscht damit darüber hinweg, dass auch sie verloren hat. Prozentual nicht so viel (33,8 Prozent, das sind 1,4 Prozentpunkte weniger als 2005), doch auch CDU und CSU haben mehr als zwei Millionen Wähler verloren. Davon haben 1,1 Millionen ihre Stimme der FDP gegeben. Ebenfalls 1,1 Millionen haben sich ins Lager der Nichtwähler verabschiedet.

Die drei kleinen Parteien im Bundestag haben ebenfalls Wähler verloren, jedoch bei weitem nicht so viele wie die beiden Volksparteien. 110.000 ehemalige FDP-Wähler stimmten diesmal gar nicht ab, ebenso wie 350.000 frühere Linke-Wähler und 40.000 einstige Grünen-Wähler.

Davon abgesehen legte die FDP aber nur zu: 1,1 Millionen Wähler nahmen die Liberalen der Union ab, eine halbe Million kam von der SPD.

Linkspartei und Grüne schnitten ins Fleisch der SPD: 1,1 Millionen ehemalige SPD-Wähler stimmten diesmal für die Linke, 860.000 entschieden sich für die Grünen. 130.000 Wähler wiederum mussten die Grünen an die Linke abgeben.

Alle Zahlen stammen vom Umfrage-Institut Infratest dimap.

(sueddeutsche.de/bavo/gal)