CSU-Vize Ramsauer lobt nach seiner Papst-Audienz Benedikt für den Mut zur Selbstkritik - und verteidigt Kanzlerin Merkels Verhalten im Streit um Vertriebenen-Chefin Steinbach.
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Lobt den Brief des Papstes als beispielhaft und mutig: Peter Ramsauer Foto: dpa
Während der Brief von Benedikt XVI. zur Debatte um die Piusbrüder und den Holocaust-Leugner Williamson an die Presse gelangte, besuchte Peter Ramsauer den Papst im Vatikan. sueddeutsche.de sprach mit dem CSU-Landesgruppenchef und stellvertretenden Parteichef unmittelbar nach der Audienz.
sueddeutsche.de: Herr Ramsauer, Sie haben den Papst besucht. Gehört diese Reise auch zur Schärfung des konservativen Profils der CSU?
Peter Ramsauer: Das hat erst einmal mit Tradition zu tun. Die CSU pflegt seit jeher persönliche Kontakte zum Vatikan. In meinem Fall eint mich mit dem Heiligen Vater die besondere Verbundenheit, dass er den größten zusammenhängenden Teil seines Lebens in meiner Heimatstadt Traunstein verbracht hat.
sueddeutsche.de: Ihre Visite fällt in eine Zeit, in der der Vatikan heftig kritisiert wurde wegen der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners und Bischofs Richard Williamson. Haben Sie mit dem Papst auch über diese heikle Causa gesprochen?
Ramsauer: Ja, und ich kann Ihnen sagen: Diese Angelegenheit ist ihm persönlich sehr, sehr nahe gegangen. Das ist sowohl im Gespräch mit Benedikt, als auch mit den deutschen Kardinälen Kasper und Cordes deutlich geworden. Wie wichtig dem Papst eine Klärung ist, zeigt auch sein mehrseitiges Schreiben, das nun veröffentlicht wurde.
sueddeutsche.de: In dem Schreiben räumt Benedikt XVI. Pannen ein und bedauert sie. Gleichzeitig beklagt er, wie aus seiner Sicht hasserfüllt die Reaktionen mitunter ausgefallen sind. Teilen Sie seine Meinung?
Ramsauer: Ich finde das Verhalten des Papstes beispielhaft. Der Heilige Vater benennt Fehler, die innerhalb des Vatikans gemacht wurden. Das ist ungewöhnlich und mutig. So viel Courage würde ich mir auch von denjenigen wünschen, die seine gutgemeinten Worte leider immer wieder negativ auslegen. Nach den Gesprächen im Vatikan steht für mich fest: Die Kritik hat den Papst sehr getroffen.
sueddeutsche.de: Zu seinen Kritikern gehörte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Ramsauer: Merkels Worte waren aus Sicht der CSU niemals gegen den Papst persönlich gerichtet. Das haben wir ihm während der Audienz auch so gesagt. Die Kritik der Kanzlerin zielte meiner Ansicht nach in eine andere Richtung. Nicht der Papst hat versagt. Der Fehler lag im vatikanischen Amts-Apparat, was man in der persönlichen Umgebung des Papstes übrigens genauso sieht. Die CSU steht voll und ganz zum Papst. Der Heilige Vater hat diese Botschaft mit Freude und Erleichterung aufgenommen.
sueddeutsche.de: Vor ihrer Fahrt nach Rom sagten Sie, die Kritik am Papst habe viele deutsche Katholiken verletzt. Glauben Sie oder wissen Sie das?
»Die übertriebene Kritik am Papst hat bei sehr vielen Gläubigen tiefe Spuren hinterlassen.«
Ramsauer: Wir erhalten viele Anrufe, Briefe und Emails. Ich kann Ihnen versichern, dass die übertriebene Kritik am Heiligen Vater bei sehr vielen Gläubigen tiefe Spuren hinterlassen hat, in einem Maße, das ich anfangs nicht für möglich gehalten habe.
sueddeutsche.de: Umfragen zeigen, dass viele Bürger die Kritik der Kanzlerin am Vatikan goutiert haben.
Ramsauer: Da muss man zwei Dinge auseinanderhalten: Ja, es kann sein, dass die Kritik der Kanzlerin bundesweit Zustimmung findet. Auf der anderen Seite gibt es eine starke Betroffenheit bei gläubigen Katholiken und anderen konservativen Menschen, für die der Papst wichtig ist.
sueddeutsche.de: Sie meinen Ihre Wählerklientel?
Ramsauer: So ist es. Das sind Bürger, die CSU und auch CDU wählen. Das sind wertkonservative Menschen, die wir repräsentieren auf regionaler Ebene, in Landtagen und im Bundestag. Das dürfen wir, in der Union, nicht einfach übersehen – wir von der CSU tun das jedenfalls nicht.
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