Marini soll Übergangsregierung führen
Staatskrise in Italien
30.01.2008, 17:44
Senatspräsident Franco Marini (PD) soll eine Übergangsregierung bilden und vor Neuwahlen das Wahlsystem reformieren. (Foto: AFP)
Der italienische Staatspräsident Giorgio Napolitano hat am Mittwoch Senatspräsident Franco Marini beauftragt, eine Übergangsregierung zu bilden. Er widersetzte sich damit Forderungen der konservativen Opposition um den ehemaligen Premierminister Silvio Berlusconi nach sofortigen Neuwahlen als Ausweg aus der Regierungskrise.
Nach mehrtägigen Konsultationen mit allen wichtigen politischen Kräften bat Napolitano Marini, im Parlament die Chancen für eine solche Regierung auszuloten. Diese soll eine Reform des Wahlrechts zustande bringen, um mehr politische Stabilität in Italien zu ermöglichen.
Bislang müssen Parteien nur eine Zwei-Prozent-Hürde überspringen, um ins Parlament einzuziehen. Die Mitte-Links-Koalition von Ministerpräsident Romano Prodi war vergangene Woche zerbrochen, nachdem die kleine Regionalpartei des Justizministers Clemente Mastella aus der Regierung ausgestiegen war. Sie hatte bei den letzten Wahlen sogar nur 1,4 Prozent der Stimmen erreicht, profitierte aber von einer von Berlusconi eingeführten Sonderregelung. Danach erhält die Partei, die am knappsten an der Zwei-Prozent-Hürde scheitert, dennoch Parlamentssitze.
Der 74-jährige Marini gehört zur neuen Mitte-Links-Partei PD des römischen Bürgermeisters Walter Veltroni, der sich für eine Übergangsregierung ausgesprochen hatte, die seiner Auffassung nach neben dem Wahlrecht auch die Arbeit des Parlaments und der Regierung reformieren soll.
Dagegen hatte die rechte Opposition um Berlusconi sofortige Neuwahlen gefordert. Sein Lager liegt derzeit in Umfragen zehn Prozentpunkte vor den Parteien der Prodi-Regierung. Berlusconi hatte kürzlich mit dem Aufmarsch von Millionen Demonstranten in Rom gedroht, sollte Napolitano sich nicht für Neuwahlen entscheiden. Unterstützt wurde seine Forderung von der rechtspopulistischen Lega Nord von Umberto Bossi.
Unklar blieb, ob Marini in der Lage sein wird, eine Mehrheit im Parlament zustande zu bringen. Auch wann in Italien gewählt werden soll, blieb offen. Napolitano hatte Wahlen im Juni angestrebt, Veltroni dagegen erst später.
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