Per Paukenschlag meldet sich der frühere italienische Regierungschef Silvio Berlusconi in Rom zurück: "Mein Motor läuft immer, auch nachts."
"Ich habe den größten botanischen Park Europas": Silvio Berlusconi Foto: AP
Normalerweise vergleicht sich Silvio Berlusconi selbst mit den Größen der Weltgeschichte. Vergangene Woche aber nahm ihm der Corriere della Sera diese Aufgabe ab. Ein Kommentator erinnerte an Napoleons Verbannungszeit auf Elba und mahnte Berlusconi, dieser möge sein Sommer-Exil auf Sardinien verlassen und sich der Aufgabe als italienischer Oppositionsführer stellen.
Am Wochenende war es so weit. Berlusconi vertauschte das schwarze, aufgeknöpfte Seidenhemd und den hellblauen Kaschmir-Pullover des Urlaubers mit seiner Kampfuniform - einem gedeckten Anzug mit gepunkteter Krawatte. So verließ er Sardinien, um sich in die Schlacht um Rom zu stürzen.
Zunächst aber musste der Cavaliere - wie einst Napoleon - seine versprengten Truppen sammeln. Denn Funktionäre und Wähler seiner Forza Italia fragten sich verzagt, ob Berlusconi nach seiner Niederlage bei der Parlamentswahl im Frühjahr die Politik aufgeben werde.
Solche Zweifel hat der Ex-Premier jetzt beseitigt. Bei einer Parteiveranstaltung in Gubbio riss er seine Anhänger binnen Minuten aus der Depression. "Wollt ihr für eine Partei der Freiheit kämpfen", schrie er in den Saal, um dann zu verkünden: "Ich antworte als Erster mit Ja."
Das Publikum tobte, die Damen schickten Handküsschen, eine Signora schmachtete: "Silvio, du hast mir gefehlt." Berlusconi meinte: "Hab’ nicht auch ich ein Recht auf ein bisschen Ferien?"
Aller dröhnenden Fröhlichkeit in Diskotheken, auf Yachten und bei Partys in seiner sardischen Riesenvilla zum Trotz kann der Sommer aber kaum vergnüglich gewesen sein für den reichsten Mann Italiens.
Denn während er nur mit Klatsch-Meldungen Beachtung erzielte, durfte sein Rivale, Premier Romano Prodi, die siegreiche italienische Fußball-Nationalmannschaft ehren und im Libanon-Konflikt als Weltpolitiker glänzen.
Berlusconi ist es nicht gewohnt, die großen Auftritte einem anderen zu überlassen. Umso mehr genoss er nun seine Renaissance in Gubbio. Dank einer bewährten Mischung aus amourösen Anekdoten, kuriosen Statistiken und knallharten Attacken brachte er dort das Forza-Italia-Volk zum Brodeln.
Der Heimkehrer erzählte zunächst von seiner legendären Kakteen-Sammlung auf Sardinien und behauptete: "Ich habe den größten botanischen Park Europas." So kultiviere er allein 57 verschiedene Heilkräuter.
Womöglich liegt das Geheimnis seiner Umtriebigkeit ja in diesem Kräutergarten. Als ihm in Gubbio eine junge Anhängerin zurief: "Silvio, wirfst du den Motor wieder an?", antwortete er: "Mein Motor läuft immer, auch nachts."
Dann erzählte der fast Siebzigjährige, eine "sehr süße französische Ragazza" habe ihn im Urlaub auf 50 Jahre geschätzt. Doch bei all dem sollte nicht der Eindruck von Müßiggang entstehen. Allein 52 Telefonate will Berlusconi an einem durchschnittlichen Ferientag geführt haben, vor allem natürlich mit Staats- und Regierungschefs.
Dann kam der größte Botaniker Europas zur Sache - zur Politik. In wuchtigen Sätzen schleuderte er der linken Prodi-Regierung ein Nein entgegen. Er versprach eine "unbeugsame" Opposition im Parlament und auf der Straße und drohte damit, den nationalen Konsens in der Libanon-Politik aufzukündigen.
Bislang sind sich Regierung und Opposition über die Friedensmission italienischer Soldaten in Nahost einig. Nun behauptete Berlusconi, die Einsatzbedingungen stimmten nicht. "Ich glaube nicht, dass wir noch zustimmen können."
Damit scheint der Cavaliere dem radikalen Flügel der Opposition zu folgen, der auf totale Konfrontation setzt. Seine Anhänger, die auf einen schnellen Sturz Prodis dringen, mahnte er jedoch zur Geduld. Sie sollten abwarten, bis sich die Linkskoalition selbst demontiere.
Das klingt nicht nach einer raschen Entscheidungsschlacht à la Napoleon. Tatsächlich hat sich der Oppositionsführer ein anderes Vorbild genommen - den altrömischen Diktator und Feldherrn Fabius Maximus, genannt der Zauderer. "Der wusste zu warten und hat den Feind am Ende besiegt", sagte Berlusconi.
Fabius Maximus hatte im Zweiten Punischen Krieg gegen die Karthager unter Hannibal erfolgreich auf eine Ausweichtaktik gesetzt. Der Vergleich hinkt freilich: Hannibal stand vor den Toren Roms, Romano Prodi ist schon in der Stadt.
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