Hinrichtungen ausgesetzt

    USA

    16.12.2006, 11:00

    Nach schwerer Panne bei einer Hinrichtung wurde die Vollstreckung aller Todesstrafen in Florida und Kalifornien ausgesetzt. Das könnte auch ein Ende der Todesstrafe in den USA bedeuten.

    Angel Nieves Diaz, Todesstrafe, Hinrichtung, Florida, USA, Foto: dpa

    Die Tochter und die Schwester von Angel Nieves Diaz trauern während der Hinrichtung. (Foto: AP)

    Der 55 Jahre alte Häftling Angel Nieves Diaz war am Mittwochabend in Florida (USA) durch Injektion von Gift hingerichtet worden. Normalerweise tritt der Tod dabei binnen weniger Minuten ein.

    Diaz starb jedoch erst nach 34 qualvollen Minuten. Augenzeugen zufolge litt er offensichtlich unter großen Schmerzen. Er habe versucht zu sprechen, sein Gesicht sei verzerrt gewesen, die Augen weit aufgerissen, sein Körper habe gezuckt.

    Floridas Gouverneur Jeb Bush erklärte am Freitag in Miami, er habe eine Untersuchungskommission eingesetzt, um prüfen zu lassen, ob Hinrichtungen durch die Giftspritze verfassungsgemäß sind.

    In Kalifornien wird nun ebenfalls die Verwendung der Giftspritze ausgesetzt und auf die Vereinbarkeit mit der Verfassung geprüft: "Die Verfassung verbietet grausame und außergewöhnliche Bestrafungen", so Richter Jeremy Fogel in San Jose.

    Nun könnte gar ein Ende der Todesstrafe bevorstehen, da die Giftspritze das letzte als "human" eingestufte Hinrichtungsmittel ist.

    Bei einer Hinrichtung durch die Giftspritze werden den Todeskandidaten drei Stoffe injiziert: ein Schmerzmittel, ein Mittel zur Muskellähmung und ein Mittel, das zum Herzstillstand führt.

    Angel Nieves Diaz war wegen Mordes an einem Barbesitzer im Jahr 1979 verurteilt worden. Dem vorläufigen Autopsiebericht zufolge waren bei seiner Exekution die beiden Injektionsnadeln falsch gesetzt wurden. Diaz erhielt am Mittwoch daher eine zweite Dosis der tödlichen Chemikalien.

    In der Regel dauern Hinrichtungen mit der Giftspritze in Florida weniger als 15 Minuten, der Häftling wird nach drei bis fünf Minuten bewusstlos.

    Diaz bewegte sich aber offenbar nach 24 Minuten noch, atmete und versuchte zu sprechen. Nach Angaben des ärztlichen Leichenbeschauers durchstießen die Injektionsnadeln seine Venen, statt die tödlichen Stoffe in die Blutbahn weiterzuleiten. An beiden Armen habe Diaz dadurch rund 30 Zentimeter lange chemische Verbrennungen erlitten.

    Eine Sprecherin des Krankenhauses hatte am Donnerstag gesagt, Diaz habe eine Leberkrankheit gehabt. Dadurch hätten die Chemikalien nicht sofort gewirkt und eine zweite Injektion sei notwendig geworden.

    Gouverneur Bush erklärte, es werde vorerst keine Hinrichtungen mehr geben, bis eine von ihm nach Diaz’ Tod eingesetzte Kommission zur Verwendung der Giftspritze am 1. März ihren Abschlussbericht vorgelegt habe.

    Kritiker hatten schon mehrfach gewarnt, dass bei Versagen der Schmerzmittel diese Todesart besonders qualvoll ist. Sie stützen sich dabei auf eine Studie der University of Miami.

    In Florida sitzen 374 Häftlinge in der Todeszelle, in diesem Jahr wurden vier Hinrichtungen vollzogen. Im Jahr 2000 hatte der Staat die Giftspritze eingeführt.

    Sie wurde als humanere und zuverlässige Methode als der bis dahin verwendete elektrische Stuhl bezeichnet. In den vergangenen Jahren wurden 20 Verurteilte mit der Giftspritze getötet.

    (sueddeutsche.de/AFP/AP/dpa)

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